21 Februar 2022

Drei Dramen und ein Corona-Fall – St├╝rmische Zeiten im Hause Windsor

Prinz Andrew erlebt seine „endg├╝ltige Dem├╝tigung“, in Prinz Charles‘ Stiftung ermittelt die Polizei in der Causa „Ritterschlag f├╝r Cash?“, „Prinz Harry k├Ąmpft um Polizeischutz“ und dann ersch├╝ttert auch noch das Coronavirus das K├Ânigshaus: Mit dem Stoff der royalen Schlagzeilen aus den vergangenen Tagen h├Ątte der britische Boulevard seine Seiten eigentlich monatelang f├╝llen k├Ânnen. Tats├Ąchlich spielten sich diese royalen Dramen in einer einzigen Woche ab.

Der wohl gr├Âsste Schock kam schliesslich am Sonntagnachmittag: Queen Elizabeth II. ist infiziert – zwar bislang nur mit milden Symptomen und weiterhin pflichtbewusst arbeitsf├Ąhig, doch das Land h├Ąlt trotzdem den Atem an. Die dreifache Impfung gegen das Coronavirus sch├╝rt die Hoffnung, dass die Monarchin – der Fels in der royalen Brandung – bald wieder bei Kr├Ąften ist. Denn 2022 sollte eigentlich das Jahr werden, in dem sich die Windsors nach schweren Zeiten ausgiebig feiern lassen wollten.

Die dramatische Kaskade begann am Dienstag, als ein Gericht in New York eine Erkl├Ąrung herausgab, die es in sich hat: „Virginia Giuffre und Prinz Andrew haben eine aussergerichtliche Einigung erzielt“, heisst es darin. Der geschlossene Vergleich, der den 62-J├Ąhrigen Berichten zufolge bis zu zw├Âlf Millionen Pfund kosten soll, ist der vorl├Ąufige Endpunkt in Andrews Missbrauchsskandal. Ein rufsch├Ądigender ├Âffentlicher Prozess gegen Giuffre, die ihm mehrfachen sexuellen Missbrauch vorwarf, ist damit abgewendet. Doch Andrews Image und seine Chancen auf eine R├╝ckkehr ins ├Âffentliche Leben als Royal sind trotzdem dahin.

Kaum war die Tinte der verdammenden Schlagzeilen getrocknet, k├╝ndigte die Londoner Polizei keine 24 Stunden sp├Ąter an, im Umfeld der Royals zu ermitteln. Dabei geht es um Berichte, einem Mann aus Saudi-Arabien seien Auszeichnungen und die britische Staatsangeh├Ârigkeit im Gegenzug f├╝r Spenden in Aussicht gestellt worden. Im Zentrum der Aff├Ąre steht ein ehemals enger Mitarbeiter von Thronfolger Prinz Charles (73), der als Gesch├Ąftsf├╝hrer von dessen wohlt├Ątiger Stiftung The Prince’s Foundation einem saudischen Gesch├Ąftsmann im Gegenzug f├╝r Spenden einen Ritterschlag und den britischen Pass in Aussicht gestellt haben soll. Der Palast beeilte sich, jegliche Kenntnis Charles‘ von dem angeblichen Vorgang zu dementieren. Unangenehme Reporterfragen an den Thronfolger blieben vorerst aus, denn Sturmtief „Eunice“ zwang Charles, eine geplante Reise nach Wales abzusagen.

Stattdessen sorgte am Freitag auch noch Prinz Harry aus der Ferne f├╝r Schlagzeilen. Weil er um die Sicherheit seiner Familie bei Besuchen in Grossbritannien f├╝rchtet, will der mittlerweile in Kalifornien lebende 37-J├Ąhrige f├╝r britischen Polizeischutz bezahlen. Harry bekam jedoch eine Abfuhr, weshalb er sich nun vor Gericht mit der britischen Regierung anlegt. Ein Anwalt des Innenministeriums warf dem Royal in einer schriftlichen Stellungnahme mangelnden Respekt vor und bezeichnete sein Zahlungsangebot als „irrelevant“. Ob das Verfahren eine Wiederann├Ąherung von Harry und seiner Frau Meghan mit der Royal Family einfacher macht, ist fraglich.

Bleibt also noch die Queen. Nicht nur ist sie in Umfragen noch immer das mit Abstand beliebteste Mitglied der K├Ânigsfamilie, 2022 soll auch ihr Ehrenjahr werden: Seit 70 Jahren sitzt die 95-J├Ąhrige mittlerweile auf dem Thron, ausserdem hat ihr K├Ânigreich nach Brexit, langen Lockdowns und Regierungskrise eine Party bitter n├Âtig. Paraden, ein Konzert mit grossen Stars vor dem Palast, eine sp├Ątere Sperrstunde in den Pubs und ein extra Feiertag sollen die Briten vereinen und die einzigartige Regentschaft der Queen w├╝rdigen. Geplant ist das Spektakel f├╝r Anfang Juni – also noch lange genug hin, um gesund zu werden.

(text:sda/bild:unsplash)