10 Juli 2022

Doppelsturz statt Doppelsieg

Die Hoffnung auf den historischen 34. Weltcupsieg von Nino Schurter vor Heimpublikum zerschl├Ągt sich j├Ąh. Mathias Fl├╝ckiger und Schurter geraten in Lenzerheide im Kampf um den Sieg aneinander und st├╝rzen.

Fl├╝ckiger blieb schliesslich der 3. Platz, Schurter Rang 4, gefolgt vom aufstrebenden Tessiner Filippo Colombo und Thomas Litscher im 7. Rang. Luca Braidot war der grosse Nutzniesser des ungl├╝cklichen Schweizer Rencontres. Der 31-j├Ąhrige Italiener feierte seinen ersten Weltcupsieg, Alan Hatherly erbte den 2. Platz.

Schurter und Fl├╝ckiger, dessen sportliche Rivalit├Ąt an der letztj├Ąhrigen Weltmeisterschaft durch Schurters keckes goldenes Man├Âver kurz vor dem Ziel erstmals richtig offenkundig wurde, setzten sich auf der Schlussrunde aus einer Vierergruppe ab. Anstatt den sicher geglaubten Schweizer Doppelsieg nicht zu gef├Ąhrden, griff Fl├╝ckiger den vorne liegenden Schurter an einer kniffligen Stelle 300 Meter vor dem Ziel an. Abseits der TV-Kameras kam es zum Kontakt und zum doppelten Sturz.

Naturgem├Ąss bewerteten die Involvierten die Szene unterschiedlich. Fl├╝ckiger habe ihn an einer unm├Âglichen Stelle „abger├Ąumt“, monierte Schurter, der eine Revanche Fl├╝ckigers witterte. „Man muss dort ├╝berholen, wo es auch m├Âglich ist. Dort, wo ‚Math‘ es versucht hat, ging es nicht. Das war definitiv ‚too much‘. Irgendwo hat es Grenzen“, sagte der neunfache Weltmeister, der seinem Landsmann nach der Zieldurchfahrt ein paar nicht druckreife Verw├╝nschungen und einen kaum kollegial gemeinten R├╝ckenklatscher mit auf den Weg gab.

Fl├╝ckiger taxierte die Szene dagegen als „normalen Zweikampf wie immer“ – als normales Duell, bei dem er aber anders als in fr├╝heren Jahren mehr Bereitschaft zeigte, die Ellbogen auszufahren, wie er einr├Ąumte. „Fr├╝her habe ich in den Duellen eher einmal zu oft nachgegeben. Dieses Mal war es anders“, sagte Fl├╝ckiger. Trotzdem g├Ąbe es keinen Grund zum ‚Gr├Ąnnen‘, fand der Berner: „An der WM hat mich Nino gelehrt, wie man ├╝berholt und wie man frech fahren darf. Jetzt war es umgekehrt. Ich verstehe seine Wut nicht. Er hat die Ellbogen auch schon ├Âfter hingehalten.“

Im Schatten des brisanten Schweizer Duells bei den M├Ąnnern fuhr Alessandra Keller just im Heimrennen zum ersten Mal auf das Podest. Die 26-j├Ąhrige Nidwaldnerin wurde Dritte hinter der Franz├Âsin Loana Lecomte sowie der Schwedin Jenny Rissveds und beendete damit eine knapp dreij├Ąhrige Durststrecke der Schweizer Mountainbikerinnen im Cross-Country-Weltcup. Zweitbeste Schweizerin war Jolanda Neff im 6. Rang.

(text:sda/bild:sda)