2 November 2021

Die Young Boys verlieren in Villarreal knapp

Die Young Boys geraten im Kampf ums europĂ€ische Überwintern in die Bredouille. Die Berner verlieren bei Villarreal aufgrund einer NachlĂ€ssigkeit 0:2 und gehen als Gruppenletzte ins Restprogramm.

Étienne Capoue erzielte das wegweisende 1:0 nach einem Corner in der 36. Minute, in der Schlussphase erhöhte Arnaut Danjuma nach einem Ballverlust von Fabian Rieder. Die Young Boys trotzten der Verletzungsmisere ziemlich gut und erarbeiteten sich viele Chancen und drĂŒckten phasenweise vehement auf den Ausgleich, allerdings ohne dafĂŒr belohnt zu werden. Unter anderem wurde nach 55 Minuten ein Tor von Christian Fassnacht aufgrund einer Abseitsstellung von Nicolas BĂŒrgy vom VAR nicht anerkannt.

Es wirkte fast, als hĂ€tte David Wagner eine Vorahnung gehabt: Wie tags zuvor an der Medienkonferenz hatte der YB-Trainer im TV-Interview vor dem Anpfiff auf die Details verwiesen, die in der Champions League entscheidend seien. Hellwach mĂŒsse man sein, in jeder Sekunde und auch fernab des Spielgeschehens, betonte er. TatsĂ€chlich wurde den Young Boys dann prompt ein solches Detail zum VerhĂ€ngnis: Bei einem Corner ĂŒbersahen die Berner fĂŒr einen entscheidenden Moment das Geschehen auf der entfernten Seite, Villarreals Aussenverteidiger Mario Gaspar hatte zu viel Platz, köpfelte den Ball unbedrĂ€ngt in die Mitte weiter, wo Capoue im zweiten Anlauf zum 1:0 traf.

Der Treffer machte die Berner BemĂŒhungen zunichte, die bis dahin einiges versprachen. Schon kurz nach Spielbeginn versuchte sich Vincent Sierro aus der Distanz, nach 25 Minuten verfehlte Fassnacht im Strafraum mit einem weiteren Volley die FĂŒhrung knapp, und wiederum fĂŒnf Minuten spĂ€ter vertĂ€ndelten die GĂ€ste nach einem Ballgewinn auf Höhe der Mittellinie einen gefĂ€hrlichen Konter mit vier Angreifern gegen drei Verteidiger.

Nach dem Seitenwechsel wurden die Young Boys noch drĂŒckender, doch mit dem Toreschiessen wollte es nicht klappen. Ein weiteres Mal blieb Fassnacht mit einem Kopfball ohne Erfolg, zweimal kam Fabian Rieder dem Ausgleich nahe. Zuerst traf er im Strafraum freistehend das Aussennetz, kurz darauf rettete Raul Albiol in extremis nach einem Ausflug von Goalie Geronimo Rulli.

Wie die Young Boys trat Villarreal aufgrund durchwachsener Resultate mit angekratztem Selbstvertrauen an. Vielleicht auch deshalb agierten die Gastgeber ĂŒberraschend abwartend und defensiv. Bei Ballbesitz spielten sie ihre technischen QualitĂ€ten aber aus, und auch bei den Standardsituationen sorgten sie fĂŒr viel Gefahr. Nach Sierros Volley zu Beginn parierte der wegen der Verletzung von David von Ballmoos ins Tor gerĂŒckte Guillaume Faivre einen Schuss von Boulaye Dia, und unmittelbar nach dem missglĂŒckten YB-Konter verfehlte der wie beim 4:1 im ersten Duell wirblige Alfonso Pedraza den FĂŒhrungstreffer knapp.

GegenĂŒber dem 1:3 in St. Gallen nahm Wagner drei Umstellungen und einen Systemwechsel vor: Innenverteidiger BĂŒrgy ersetzte in der Viererabwehr wie erwartet den verletzten Mohamed Ali Camara, im Mittelfeld rĂŒckten Sierro und Rieder neben Michel Aebischer ins Team. Fassnacht, Meschack Elia und Nicolas Moumi Ngamaleu bildeten im 4-3-3 den Dreierangriff. Auch im vierten Gruppenspiel wich Wagner damit von dem in der Liga bewĂ€hrten 4-4-2 ab.

FĂŒr Villarreal erhielt die Partie durch einen Medienbericht der englischen Zeitung „Times“ eine spezielle Note. Dem Bericht zufolge soll es sich fĂŒr Trainer Unai Emery um das letzte Spiel an der Seitenlinie des Europa-League-Siegers gehandelt haben. Emery, der in der Premier League nach seine Station bei Paris Saint-Germain schon fĂŒr Arsenal tĂ€tig war, soll neuer Trainer von Fabian SchĂ€r bei Newcastle United werden. Der nach der Übernahme durch den saudi-arabischen Staatsfonds PIF potente englische Traditionsklub ĂŒberweise dafĂŒr die fĂ€llige Ablösesumme von 6 Millionen Pfund nach Spanien, vermeldete die Zeitung mit Verweis auf eine verlĂ€ssliche Quelle.

Trotz der taktischen Kniffe warten die Young Boys auch nach AnlĂ€ufen auf den ersten AuswĂ€rtssieg in der Champions League. 2018/19 verloren die Berner bei Juventus Turin, Valencia und Manchester United, in der laufenden Kampagne bei Atalanta Bergamo und nun Villarreal. Die nĂ€chste und vorlĂ€ufig letzte Gelegenheit bietet sich am 8. Dezember wiederum bei Manchester United. Davor steht am 23. November das Heimspiel gegen Atalanta auf dem Programm. Gefordert sind die Berner in beiden Partien, wollen im FrĂŒhjahr noch europĂ€isch spielen.

(text:sda/bild:unsplash)