7 Mai 2023

Die USA und die Waffen – Erneuter Amoklauf schockt das Land

Ein neuer Fall von blutiger Waffengewalt hat die USA aufgeschreckt: Bei einem Amoklauf in einem Einkaufszentrum im US-Bundesstaat Texas tötete ein SchĂŒtze acht Menschen. Die Tat ereignete sich am Samstag in Allen, einem Vorort der Stadt Dallas. Ein Polizist, der zu dem Zeitpunkt vor Ort war, habe den mutmasslichen TĂ€ter erschossen, bevor es weitere Todesopfer hĂ€tte geben können, teilten örtliche Behörden am Samstag (Ortszeit) mit.

Die USA sind seit langem mit einem gewaltigen Ausmass an Waffengewalt konfrontiert. In Deutschland sorgen nun Recherchen des Berliner „Tagesspiegel“ und der ZDF-Sendung „Magazin Royale“ von Jan Böhmermann zu GeschĂ€ften europĂ€ischer Waffenhersteller auf dem US-Markt fĂŒr Aufsehen.

Demnach hat das Bundeswirtschaftsministerium jahrzehntelang fĂŒr deutsche Unternehmen einen Stand auf der weltgrössten Schusswaffenmesse in den USA organisiert und teilweise finanziert – hört damit aber nun auf. „Es wird keinen erneuten Messestand des Bundes geben“ auf der „Shot Show“ in Las Vegas, teilte eine Ministeriumssprecherin dem „Tagesspiegel“ (Samstag) mit.

In den USA gehören AmoklĂ€ufe und tödliche Schiessereien zum Alltag. Grössere Attacken dieser Art – etwa an Schulen, in SupermĂ€rkten, Kirchen, Nachtclubs oder bei grossen öffentlichen Veranstaltungen – fĂŒhren regelmĂ€ssig zu Diskussionen ĂŒber eine VerschĂ€rfung des Waffenrechts. Bislang ohne jeden Erfolg. Schusswaffen sind in den USA leicht erhĂ€ltlich und im grossen Stil im Umlauf.

Im aktuellen Fall wĂŒrden sieben Verletzte noch im Krankenhaus behandelt, drei von ihnen seien in einem kritischen Zustand, hiess es. Die Verletzten seien zwischen 5 und 61 Jahre alt, teilte die Gesundheitsbehörde laut Medienberichten mit.

Nach Polizeiangaben hörte ein Polizist, der zu dem Zeitpunkt in anderer Sache im Einsatz war, am Samstagnachmittag SchĂŒsse in dem Einkaufskomplex. Der Beamte sei sofort eingeschritten, habe den SchĂŒtzen gestellt und „ausgeschaltet“. Man gehe davon aus, dass dieser alleine gehandelt habe, sagte der Polizeichef von Allen, Brian Harvey. Die HintergrĂŒnde der Tat blieben zunĂ€chst unklar.

Die ersten SchĂŒsse seien um 15.36 Uhr zu hören gewesen, teilte die Stadtverwaltung mit. Auf Videos war zu sehen, wie ein schwarz gekleideter Mann auf dem Parkplatz aus einem silberfarbenen Auto steigt und augenscheinlich zunĂ€chst auf die Menschen auf dem BĂŒrgersteig feuert. Augenzeugen berichteten, er habe eine kugelsichere Weste oder KampfausrĂŒstung getragen. Andere berichteten dem Sender CNN, sie hĂ€tten Dutzende SchĂŒsse gehört.

Bei dem Tatort handelt es sich um ein weitlĂ€ufiges Outlet-Einkaufszentrum mit rund 120 GeschĂ€ften und Restaurants. Allen liegt rund 40 Kilometer nördlich von Dallas und hat knapp ĂŒber 100 000 Einwohner.

„Es war das reinste Chaos“, schilderte Joseph Adams der Zeitung „Dallas Morning News“ die Geschehnisse. „Die Menschen schrien um Hilfe, riefen nach Krankenwagen, wĂ€hrend Polizisten vorbeifuhren und nach dem SchĂŒtzen suchten“, ergĂ€nzte der 45 Jahre alte Lehrer. Vor einem BekleidungsgeschĂ€ft habe er vier Opfer auf dem Boden liegen sehen. Auch auf Videos, die von einem TV-Hubschrauber aus gemacht wurden, waren mit weissen TĂŒchern bedeckte Körper zu sehen. Brishon Brisby (27), die ein paar Schuhe zurĂŒckgeben wollte, sagte der Zeitung, sie fĂŒhle sich nirgendwo mehr sicher: „Wenn es heute passieren kann, kann es auch morgen passieren.“

Der örtliche Feuerwehrchef, Jonathan Boyd, sagte, RettungskrĂ€fte hĂ€tten beim Eintreffen am Tatort zunĂ€chst sieben Tote vorgefunden, darunter den SchĂŒtzen. Neun Menschen seien ins Krankenhaus gebracht worden, zwei davon seien an ihren Verletzungen gestorben. Die ĂŒbrigen sieben wĂŒrden noch behandelt. Genauere Angaben zu den Todesopfern und zum TĂ€ter machten die Behörden zunĂ€chst nicht. Auf Fernsehbildern war zudem zu sehen, wie Hunderte Menschen aus dem Einkaufskomplex gefĂŒhrt wurden.

Der republikanische Gouverneur von Texas, Greg Abbott, bezeichnete die Tat in einer schriftlichen Stellungnahme als „unsĂ€gliche Tragödie“. Aus dem Weissen Haus hiess es, US-PrĂ€sident Joe Biden sei ĂŒber den Vorfall informiert worden. Die Regierungszentrale stehe mit den Strafverfolgungsbehörden und den örtlichen Stellen in Kontakt, um UnterstĂŒtzung anzubieten.

Erst vor wenigen Tagen hatte es ebenfalls in Texas einen aufsehenerregenden Fall von brutaler Waffengewalt gegeben: Ein 38-JĂ€hriger hatte in einer Kleinstadt nahe Houston fĂŒnf Nachbarn erschossen, darunter ein Kind. Die Nachbarn hatten ihn zuvor gebeten, nicht mehr in seinem Vorgarten herumzuschiessen, damit ihr Baby schlafen könne. Statt Ruhe zu geben, ging der angetrunkene Mann wenig spĂ€ter mit einem Gewehr hinĂŒber und verĂŒbte die Bluttat.

Biden fordert immer wieder strengere Waffengesetze und hat in seiner Amtszeit bestimmte Regelungen leicht verschĂ€rft. Ohne substanzielle GesetzesĂ€nderungen sehen Experten allerdings keine Chance auf echte VerĂ€nderungen. Um die durchzusetzen, wĂ€ren Biden und seine Demokraten jedoch auf die Kooperationsbereitschaft der Republikaner im Kongress angewiesen – und die ist bei diesem Thema nicht in Sicht.

(text:sda/bild:unsplash)