4 April 2023

YB steht im Cupfinal

W├Ąhrend die Young Boys nach dem Cupfinal-Einzug feiern, hadert man im Basler Lager mit sich, und mit Schiedsrichter Urs Schnyder.

Der Pfiff von Schiedsrichter Urs Schnyder ist am Dienstagabend erst kurz verhallt, als in der Garderobe der Young Boys der Musikpegel hochgedreht wird. „Will nomeh“ des Z├╝rcher Rappers L Loko scheppert auf Anweisung von Garderoben-DJ Loris Benito aus den Boxen, und die Berner Spieler stimmen ein in diese Hymne, die nach dem eindrucksvollen 4:2-Erfolg im Halbfinal des Schweizer Cups gegen den FC Basel verr├Ąt, dass der Siegeshunger der Young Boys keineswegs gestillt ist. Das Team von Raphael Wicky „will noch mehr“, sprich den achten Cup-Titel und das insgesamt dritte Double der Vereinsgeschichte nach Bern holen.

Am 4. Juni wird es soweit sein und im wahrscheinlich ausverkauften Wankdorf die Mehrzahl der Anwesenden hoffen, dass die Gelb-Schwarzen auch den zweiten nationalen Titel zur├╝ck in die Hauptstadt bef├Ârdern.

W├Ąhrend die Berner tanzen, sind die Basler eher am Hadern. Denn als Michael Lang sagt, man k├Ânne YB nun bereits zum Cupsieg gratulieren, tut dies der Rechtsverteidiger des FCB auch mit einer Portion Ironie und einem Wink an Schiedsrichter Schnyder. Denn die Basler f├╝hlten sich an diesem Abend des ├ľfteren benachteiligt, etwa, als ein Handspiel von Jo├źl Monteiro in der Schlussphase nicht geahndet wurde und auch der Videoschiedsrichter nicht intervenierte.

Es ist der Moment, der FCB-Trainer Heiko Vogel dazu verleitet, einmal mehr in seiner Spielanalyse den Unparteiischen zu kritisieren. Der 47-J├Ąhrige sagt: „Der Schiedsrichter hat leider nicht zu dieser tollen Partie gepasst. Er war ├╝berfordert. Wenn wir da das 3:4 erzielen, h├Ątten wir vielleicht noch einmal zur├╝ckkommen k├Ânnen.“

Es ist eine hypothetische Annahme, die ausser Acht l├Ąsst, dass die Young Boys mit Ausnahme der ersten Viertelstunde nach der Pause sehr abgekl├Ąrt und spielbestimmend aufgetreten waren, auch wenn Vogel konstatiert: „Wir waren auf Augenh├Âhe, haben aber zu viel hergeschenkt. Wenn man vier Tore kassiert, ist es in jedem Spiel schwierig zu gewinnen.“

In der Conference League hatte der FCB in den letzten Wochen jeweils sein bestes Gesicht gezeigt und sowohl Trabzonspor als auch Slovan Bratislava auf dem Weg in die Viertelfinals ausgeschaltet. Nun sind die Basler anderthalb Wochen vor dem ersten Aufeinandertreffen mit dem Ligue-1-Klub Nice erstmals in einem K.o-Spiel unterlegen und k├Ânnen ihre ├╝ber weite Strecken schwierige Saison nicht mit dem ├╝berraschenden 14. Cuptitel kr├Ânen.

YB-Trainer Wicky ist derweil noch nicht zum Tanzen zu Mute. Der n├╝chterne Walliser sagt, seine Mannschaft habe trotz dieses Sieges noch nichts erreicht. Und sowieso: „Der Cupfinal ist noch weit weg. Wir haben zuerst noch andere Aufgaben zu erledigen.“ Sprich: Meister werden. Gut m├Âglich, dass bei der Meisterparty irgendwann in den n├Ąchsten Wochen auch wieder L Loko durch die YB-Boxen scheppern wird. Denn eben: Eine Troph├Ąe reicht in Bern nicht, sie wollen noch mehr.

(text:sda/bild:keystone)