6 August 2026

Der Alpengarten im Hitzestress

Vielen Pflanzen im Alpengarten Schynige Platte ist der Hitze- und Trockenheitsstress anzusehen. Aber dank Anpassungen grünt und blüht es trotzdem.

Zum 100. Geburtstag, den der Botanische Alpengarten Schynige Platte 2027 feiert, gibt es eine Vervierfachung des Regenwasserspeichers: Zusätzlich zum bestehenden Reservoir mit neun Kubikmetern werden die alten, längst nicht mehr gebrauchten Klärkammern unterhalb der Saatbeete zu einem neuen Wasserreservoir umgebaut. «Diese Vervierfachung des Regenwasserspeichers ist ein wichtiger erster Schritt für die Anpassung der Bewässerung an heissere Sommer mit Regen, der weniger oft, dafür heftiger fällt», sagt Peter Aeschimann, Präsident des Trägervereins. Weitere Schritte wie etwa eine effizientere Feinverteilung des Wassers im Garten werden derzeit geprüft.

Bei extremer Hitze und lang anhaltender Trockenheit wie in diesem Frühling und Sommer wird allerdings auch das neue Reservoir nur ein Tropfen auf den heissen Stein bleiben. Ein Grossteil der Vegetation wirkt schon Ende Juli recht herbstlich. Zwar sind die dichten alpinen Rasen, deren feine Gräser und Kräuter den Boden gut vor Austrocknung schützen, immer noch grün. Aber bei den meisten Arten reifen schon die Samenstände, Studentenröschen und andere Herbstblumen sind mehr als nur Einzelerscheinungen, und manche Blätter färben sich gelb und rot.

Am sonnigsten Hang, an dem der Garten die alpine Flora des Wallis, des Tessins und der Bündner Südtäler präsentiert, blüht es aber immer noch prächtig. Zwischen den bunten Blumen summen, brummen und flattern Hummeln, Bienen, Fliegen und Schmetterlinge. «In den letzten Jahren haben sich die besonders wärmeliebenden Pflanzen aus den südlichen Teilen der Schweizer Alpen, die es früher in unserem Klima der Alpennordseite eher schwer hatten, sehr gut entwickelt», sagt die leitende Gärtnerin Jasmin Senn.

Weil die Flora in diesen Gebieten sehr reich ist und viele «Spezialitäten» aufweist, kann der Garten heute über 820 Pflanzenarten aus den Schweizer Alpen zeigen – gut 200 mehr als noch vor 15 Jahren. Gleich zwei neue Quartiere für botanische Spezialitäten aus den Kantonen Wallis und Tessin hat das Gartenteam in den letzten Jahren für diese Pflanzen angelegt – ein Glücksfall für Jahre wie dieses, kommen doch viele dieser Pflanzen recht gut mit der Hitze und Trockenheit zurecht.

(text:pd/bild: zvg alpengarten)