21 November 2022

Demonstranten in Iran mit scharfer Munition beschossen

Die iranische FĂŒhrung verschĂ€rft ihr Vorgehen gegen Demonstranten in den Kurdengebieten des Landes: SicherheitskrĂ€fte schossen einer Menschenrechtsorganisation zufolge mit scharfer Munition auf Protestierende in Piranschahr, Mariwan und Dschawanrud. Die in Norwegen ansĂ€ssige Organisation Hengaw veröffentlichte am Montag Videos, auf denen SchĂŒsse zu hören sind. Die von Hengaw angegebene Zahl von 13 Toten binnen 24 Stunden konnte nicht unabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒft werden.

Auch die in Oslo ansĂ€ssige Menschenrechtsorganisation Iran Human Rights (IHR) veröffentlichte Bilder, wonach SicherheitskrĂ€fte in der Stadt Piranschahr mit scharfer Munition schossen. Das Center for Human Rights in Iran (CHRI) mit Sitz in New York bezeichnete die Geschehnisse in der Stadt Dschawanrud als “Massaker”.

Der Online-Monitor Netblocks, der Internetsperren auf der ganzen Welt beobachtet, sprach am Montag von einer “erheblichen Störung” des Internetzugangs wĂ€hrend der jĂŒngsten Proteste. Der Zugang zum mobilen Internet sei fĂŒr viele Nutzerinnen und Nutzer unterbrochen gewesen.

Die Kurden sind eine der grössten ethnischen Minderheiten im Iran. Sie machen etwa zehn Millionen von 83 Millionen Einwohnern aus und bekennen sich mehrheitlich zum sunnitischen Islam. Vorherrschend im Land sind die Schiiten.

Im Iran gehen seit dem Tod der jungen Kurdin Mahsa Amini Mitte September landesweit Menschen gegen die FĂŒhrung in Teheran auf die Strasse. Die 22-JĂ€hrige war von der Sittenpolizei festgenommen worden, weil sie ihr Kopftuch nicht ordnungsgemĂ€ss getragen haben soll. Sie wurde kurze Zeit spĂ€ter im Krankenhaus fĂŒr tot erklĂ€rt. Aktivisten werfen der Polizei vor, Amini misshandelt zu haben.

Die Proteste gegen die Sittenpolizei schlugen rasch in Demonstrationen fĂŒr mehr Frauenrechte und Freiheiten im Iran sowie Demokratie generell um. Die Sicherheitsbehörden gehen Ă€usserst hart gegen die Proteste vor, zuletzt vor allem in den Kurdengebieten im Nordwesten und Westen des Landes.

Am Montag wurde in der sĂŒdöstlichen Provinz Sistan-Balutschistan ein Polizist getötet und ein weiterer verletzt, wie der Polizeichef der Provinz der Nachrichtenagentur Fars sagte. Demnach hĂ€tten “Verbrecher” aus einem Auto in der Provinzhauptstadt Sahedan geschossen, die TĂ€ter seien geflĂŒchtet. Auslöser der massiven Proteste in Sahedan, die Ende September begonnen hatten, waren Berichte ĂŒber die mutmassliche Vergewaltigung einer 15-JĂ€hrigen durch einen Polizisten.

(text:sda/bild:sda)