Das Oberland muss sich gegen Waldbrände wappnen
Die Bilder der verheerenden Waldbrände in Spanien, Frankreich und Griechenland gingen um die Welt. Doch im Sommer 2026 brannte es nicht nur im Mittelmeerraum, auch der Nordwesten Europas war betroffen, es brannte in Deutschland, den Niederlanden, Belgien, dem Vereinigten Königreich, gar in Norwegen. Auch in Österreich brannte die fünffache Fläche eines durchschnittlichen Sommers ab. „Österreich wird zum Waldbrand-Land“ titelte am Montag die Zeitung Der Standard. Aber auch in der Schweiz wird nach dem trockenen Hitzesommer vermehrt über Waldbrände am Alpennordhang diskutiert: Die Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für die Berggebiete (SAB) fordert: Die Schweiz muss sich vorbereiten.
Durch den Klimawandel werde die Waldbrandgefahr auch auf der Alpennordseite steigen, hält die SAB in einem Positionspapier fest, mit den heisseren und trockeneren Sommern werde das vermehrt zum Problem. Die Einsatzkräfte seien nur begrenzt vorbereitet. So fehle es etwa an genügend multifunktionalen Wasserspeichern, die im Notfall eben auch als Löschwasserbecken fungieren könnten. Da müsse die Schweiz vorwärts machen. An erster Stelle stehe aber einmal der Erfahrungsaustausch, erklärt SAB-Direktor Thomas Egger gegenüber Radio BeO, das klinge zwar einfach, sei aber wichtig. Die Mittelmeeranrainerstaaten, aber auch das Tessin, hätten langjährige Erfahrungen mit Waldbränden und hätten sich entsprechend organisatorisch und technisch vorbereiten können. Auf der Alpennordseite sei das viel weniger verbreitet. Hier gehe es jetzt etwa darum, Einsatzpläne vorzubereiten, Löschwasser verfügbar zu machen und insbesondere auch die Erschliessung: Gerade die für das Berner Oberland und die Berggebiete im Allgemeinen wichtigen Schutzwälder seien oft schlecht erschlossen. Wenn die Löschfahrzeuge nicht zum Brand kommen, lasse er sich viel schwieriger unter Kontrolle bringen, so Egger, Löschen aus der Luft reiche oftmals nicht aus.
Alpwirtschaft erfüllt wichtige Schutzfunktion
Wer schon in Zypern oder Griechenland unterwegs war, dem dürften die ausgedehnten Netze von Brandschneisen, die sich durch die Wälder ziehen, aufgefallen sein. Solche Brandschneisen seien durchaus auch für die Wälder des Berner Oberlandes ein Szenario, sagt Egger auf die entsprechende Frage. Das Berner Oberland habe aber auch das Glück, dass auch die Berggebiete landwirtschaftlich bewirtschaftet würden, so würden viele Flächen offengehalten, welche sonst verbuschen würden. Durch die Verbuschung wäre dann auch die Schneisenfunktion nicht mehr gegeben. Zudem seien diese verbuschten Flächen selbst auch sehr anfällig auf Brände und im Winter dann auch noch auf Lawinen.
Brandschneisen wären eine sichtbare und im wahrsten Sinn des Wortes einschneidende Massnahme. Egger ist aber überzeugt, dass die Bergbevölkerung auch diese akzeptieren würde. In den Bergen seien sich die Menschen der Naturgefahren bewusst. Man habe lange Erfahrungen mit Lawinen, Murgängen oder Überschwemmungen. Nun komme eine weitere dazu. Aber Schutzmassnahmen würden von der Bergbevölkerung grundsätzlich akzeptiert. Letztendlich dienten sie ja dem eigenen Schutz.
(text:csc/bild:unsplash-symbolbild)