Das FIFA-Treffen könnte explosiv werden
Erstmals seit den gescheiterten Plänen von FIFA-Präsident Gianni Infantino zur WM-Vermarktung kommt der Rat des Fussball-Weltverbandes am Donnerstag in Zürich zusammen. Der Walliser wird im Zentrum stehen.
Die Fussball-Funktionäre müssen sich durch fünf Tagungsordnungspunkte mit Formalien und Berichten von Ausschüssen arbeiten. Dann könnte es spannend werden. In Tagesordnungspunkt sechs wird der gescheiterte Plan von Infantino mit dem Namen FIFA Forward Enterprise diskutiert. Dahinter versteckt sich die von Infantino mit US-Investoren quasi im Alleingang vorangetriebene und milliardenschwere Idee einer WM-Vermarktung jenseits der Fussball-Institutionen.
Jetzt wollen seine Kontrahenten Infantino im Rat zur Rede stellen. Im Auge des Sturms zeigte sich der Schweizer zuletzt mild gestimmt, offerierte die Diskussion für eine Änderung der FIFA-Führungsstrukturen. Die ihm feindlich gegenüberstehenden Europäer legten einen Forderungskatalog vor – der Infantino das Amt kosten würde.
Ebenso auf die Agenda gesetzt wurde von europäischen Kräften die Debatte um den FIFA-Friedenspreis, den Infantino im Dezember in einer grotesken Zeremonie an US-Präsident Donald Trump verlieh. Es könnte hoch hergehen in einem in den Keller der imposanten FIFA-Zentrale gehauenen Besprechungssaal.
It’s showtime. Die UEFA-Delegation muss vor den Funktionärskollegen aus aller Welt – die meisten von ihnen sind Infantino unverändert freundlich gewogen – ihre Kritik darlegen. Eine Woche nach der UEFA-Generalversammlung in Berlin geht es zunächst darum, Infantino möglichst nachhaltig als egoistischen Machthaber darzustellen, aber auch innerhalb der FIFA-Struktur einen Wandel anzustossen.
Kernpunkt ist die Forderung einer Reform, laut der der nächste Präsident weitgehend nur noch repräsentative Funktionen hat, die Geschäfte in der hauptamtlichen Administration und im Council geführt werden. Eine für Infantino inakzeptable Forderung, obgleich er vor seiner ersten Wahl vor gut zehn Jahren diesen Gedanken selbst propagiert hatte.
Die FIFA hat nach der Sitzung keine öffentlichen Statements angekündigt. Dafür ist die Lage zu volatil. Es ist wahrscheinlich, dass beide Lager mehr oder weniger offensiv ihre Sichtweise darlegen und als Erfolg verkaufen. Fakt ist aber, dass die Gegner von Infantino in der Bringschuld sind.
Sie müssen bis spätestens 18. November einen Kandidaten für die Präsidentschaftswahlen präsentieren. Dann läuft die Frist drei Monate vor dem Wahltermin beim FIFA-Kongress am 18. März in Rabat in Marokko ab. Für Anfang November sind eine Sitzung des Exekutivkomitees und ein weiteres Treffen aller 55 UEFA-Mitglieder geplant.
(text:sda/bild:keystone)