20 Februar 2022

Credit Suisse soll Kriminelle als Kunden akzeptiert haben

Die Schweizer Bank Credit Suisse soll nach einem Medienbericht ├╝ber Jahre Autokraten, Drogendealer sowie mutmassliche Kriegsverbrecher und Menschenh├Ąndler als Kunden akzeptiert haben.

Das belegen nach Recherchen der „S├╝ddeutschen Zeitung“ (SZ) Daten aus dem Geldinstitut, die dem Blatt nach eigenen Angaben von einer anonymen Quelle zugespielt wurden. Die Unterlagen wertete die „SZ“ zusammen mit dem NDR, WDR sowie mehreren weiteren internationalen Medienpartnern, darunter „Guardian“, „Le Monde“ und „New York Times“ aus.

In einer Stellungnahme, die der Nachrichtenagentur Keystone-SDA vorliegt, weist die Credit Suisse die Vorw├╝rfe und Unterstellungen ├╝ber „angebliche Gesch├Ąftspraktiken der Bank entschieden zur├╝ck“, ├╝ber die das Recherche-Netzwerk unter dem Titel „Suisse Secrets“ berichtete.

Die dargestellten Sachverhalte seien ├╝berwiegend historisch bedingt und reichten teilweise bis in die 1940er Jahre zur├╝ck. Sie w├╝rden auf unvollst├Ąndigen oder selektiven Informationen beruhen, die aus dem Zusammenhang gerissen worden seien.

Die Credit Suisse k├Ânne sich aus rechtlichen Gr├╝nden nicht zu potenziellen Kundenbeziehungen ├Ąussern. Die Bank nehme die Anschuldigung sehr ernst und werde die Untersuchungen mit einer internen Task Force unter Einbeziehung spezialisierter externer Experten fortsetzen.

Die Unterlagen geben dem Bericht zufolge Aufschluss ├╝ber die Konten von mehr als 30’000 Kunden aus aller Welt. „Suisse Secrets“ st├╝tzt sich laut eigenen Angaben auf Akten von 18’000 Konten im Umfang von 100 Milliarden Dollar.

Den Daten zufolge h├Ątten Kriminelle Konten er├Âffnen beziehungsweise Konten auch dann behalten k├Ânnen, „wenn die Bank l├Ąngst h├Ątte wissen k├Ânnen, dass sie es mit Straft├Ątern zu tun hat“. Laut den internen Bankdaten waren zahlreiche Staats- und Regierungschefs, Minister und Geheimdienstchefs ebenso wie Oligarchen und Kardin├Ąle Kunden der Credit Suisse.

Die „S├╝ddeutsche Zeitung“ hat die Credit-Suisse-Daten nach eigenen Angaben zusammen mit dem Organized Crime and Corruption Reporting Project (OCCRP) sowie 46 Medienpartnern aus aller Welt ausgewertet.

Schweizer Medien wie Tamedia h├Ątten bei der Recherche auf die Teilnahme verzichtet, denn seit 2015 drohe Journalistinnen und Journalisten ein Strafverfahren, wenn sie ├╝ber geleakte Bankdaten schreiben, twitterte der „Tagesanzeiger“ am Sonntagabend.

Tamedia-Zeitungen schrieben, die UNO-Berichterstatterin f├╝r Meinungsfreiheit, Irene Khan, habe sich auf Anfrage besorgt gezeigt: „Journalisten strafrechtlich zu verfolgen, weil sie Bankdaten ver├Âffentlichen, die von ├Âffentlichem Interesse sind, w├╝rde gegen internationale Menschenrechtsvorschriften verstossen.“ Sie wolle in der Sache demn├Ąchst mit dem Bundesrat Kontakt aufnehmen.

„Ich glaube, dass das Schweizer Bankgeheimnis unmoralisch ist“, erkl├Ąrte dem Bericht zufolge die Quelle der Suisse-Secrets-Daten, die der „SZ“ und ihren Recherchepartnern nicht bekannt ist. „Der Vorwand, die finanzielle Privatsph├Ąre zu sch├╝tzen, ist lediglich ein Feigenblatt, um die sch├Ąndliche Rolle der Schweizer Banken als Kollaborateure von Steuerhinterziehern zu verschleiern.“

(text:sda/bild:unsplash-symboldbild)