Corinne Suters Befreiungsschlag in Andorra
Corinne Suter steigt wegen einer Verletzung spät in die Saison ein und kommt an Olympia nicht auf Touren. Im ersten Rennen nach den enttäuschenden Winterspielen findet sie aber zum Siegen zurück. Die Schwyzerin gewinnt in Soldeu ihre erste Weltcup-Abfahrt seit 2022.
In den ersten sechs Abfahrten des Winters inklusive derjenigen an den Olympischen Spielen in Cortina gab es für die Schweizerinnen gerade mal einen einzigen Top-10-Platz – durch Janine Schmitt als Fünfte in Zauchensee. Ansonsten setzte es für das Team, das sich durch die verletzungsbedingten Absenzen von Lara Gut-Behrami und Michelle Gisin zweier Leaderinnen beraubt sah, fast nur Enttäuschungen ab.
Auch Corinne Suter gehörte zu den Verletzten in dieser Saison. Sie stürzte Anfang Dezember im Speed-Training und erlitt diverse Verletzungen – Muskelfaserriss im linken Unterschenkel, Prellung des linken Kniegelenks und eine Fraktur im rechten Rückfussbereich -, die eine Pause von gut einem Monat erforderten.
Doch die Abfahrts-Olympiasiegerin (2022) und -Weltmeisterin (2021) verspürte auch in den ersten Wochen nach ihrem Comeback noch Schmerzen. Zudem waren die (Sicht-)Verhältnisse an den Renntagen meist schlecht, was für Suters Vertrauen nicht förderlich war.
Verständlich zudem, dass die 31-Jährige vor dem bevorstehenden grossen Saisonhöhepunkt in Cortina den Erfolg nicht mit der Brechstange und zu hohem Risiko erzwingen wollte. In ihren ersten vier Einsätzen des Winters kam sie deshalb nicht über Rang 15 in der Abfahrt in Tarvisio hinaus.
Trotzdem zeigte sich Suter schon Ende Januar vor den Heimrennen in Crans-Montana überzeugt, dass es „nur ganz wenig braucht, bis es bei mir Klick macht“. Die damalige Aussage war natürlich mit der grossen Hoffnung verbunden, dass sich dieser Klick bei den Winterspielen einstellen würde. Doch bei den Rennen auf der Piste Olimpia delle Tofane – auf welcher sie 2021 Abfahrts-Weltmeisterin geworden war – folgte keine Wende zum Guten. Noch nicht.
Es brauchte eine kurze Rennpause, das Durchlüften des Kopfes und sonnige Verhältnisse in Andorra, um zum Erfolg zurückzufinden. Erst in Soldeu gelang Corinne Suter der ersehnte Befreiungsschlag – in ihrem erst fünften Weltcup-Rennen des Winters. Es wurde nicht nur der erste Podestplatz seit Januar 2025, sondern gar der erste Sieg seit dem 4. Dezember 2022, als sie in Lake Louise den Super-G gewonnen hatte. In der Abfahrt datierte der zuvor letzte Weltcup-Sieg vom 29. Januar 2022 (in Garmisch). Zwei Wochen später schnappte sich Suter in Peking auch Olympia-Gold in der Abfahrt.
In Soldeu, wo die letzte Weltcup-Abfahrt im März 2023 stattgefunden hatte, nutzte Suter bei verhältnismässig hohen Temperaturen ihre frühe Startnummer optimal aus. Sie übernahm mit der ‚4‘ die Führung, mit elf Hundertsteln Vorsprung vor Nina Ortlieb.
Die Österreicherin hatte tags zuvor im zweiten Abfahrtstraining die Bestzeit vor Suter aufgestellt – im Rennen tauschte das Duo die Plätze. Ortlieb zeigte sich jedoch auch mit Rang 2 und ihrer ersten Top-3-Platzierung im Weltcup seit Anfang März 2025 zufrieden.
Da die Top-Gruppe mit allen Favoritinnen noch am Start stand, wusste Suter im Ziel zwar, „dass das ein riesengrosser Schritt“ nach vorne war. Aber zu welcher Platzierung ihre gute Fahrt – ihre mit Abstand beste in dieser Saison – reichen sollte, war noch unklar. „Ich konnte das umsetzen, was wir nach den Trainings angeschaut haben“, sagte sie im SRF-Interview. Die Schlüsselstellen erwischte Suter alle gut. Wichtig sei gewesen, „den Grundspeed von oben bis unten möglichst gut mitzunehmen.“
Auf der weicher werdenden Piste – „die frühe Startnummer war ein Vorteil“, so Suter – scheiterte in der Folge Fahrerin um Fahrerin an Suters Bestzeit, die meisten sogar deutlich. Einzig die am Ende drittklassierte Italienerin Sofia Goggia kam noch bis auf 0,24 Sekunden an die nun sechsfache Weltcup-Siegerin heran.
(text:sda/bild:zvg swissski)