10 April 2023

Papst erinnert an Krieg und Leid in der Welt

Angesichts von Krieg und Leid in der Welt war das diesj√§hrige Osterfest im Vatikan gepr√§gt von Papst Franziskus‘ eindringlichem Friedensappell. Das Oberhaupt der katholischen Kirche nutzte die Feierlichkeiten rund um Ostern, um an Krieg, Tod, Leid und Ungerechtigkeit zu erinnern und die Menschen dazu aufzurufen, „Konflikte und Spaltungen zu √ľberwinden und unsere Herzen f√ľr diejenigen zu √∂ffnen, die am meisten in Not sind“. Zum H√∂hepunkt des Festes – am Ostersonntag – verfolgten 100 000 Gl√§ubige seine Osterbotschaft und den traditionellen Segen „Urbi et Orbi“ auf dem Petersplatz in Rom.

Insbesondere der Krieg Russlands gegen die Ukraine warf wie bereits im vergangenen Jahr einen Schatten auf das Osterfest. „Bitten wir beharrlich weiter um das Geschenk des Friedens f√ľr die ganze Welt, besonders f√ľr die liebe und gequ√§lte Ukraine“, sagte der 86-J√§hrige am Ostermontag. Im Sinne der Beendigung blutiger Konflikte erw√§hnte er am Montag etwa das vor 25 Jahren unterzeichnete Karfreitagsabkommen, das 1998 den Nordirland-Konflikt beendete.

Nach mehr als 13 Monaten Krieg Russlands gegen die Ukraine erinnerte der Pontifex in seiner traditionellen Osterbotschaft am Sonntag sichtlich bewegt an das Leid vor Ort und betete f√ľr Frieden: „Hilf dem geliebten ukrainischen Volk auf dem Weg zum Frieden, und ergiesse dein √∂sterliches Licht √ľber das russische Volk. Tr√∂ste die Verwundeten und diejenigen, die durch den Krieg geliebte Angeh√∂rige verloren haben, und lass die Gefangenen sicher zu ihren Familien zur√ľckkehren.“ Die internationale Gemeinschaft stehe in der Pflicht, sich f√ľr die Beendigung dieses Krieges und aller Konflikte einzusetzen, die „die Welt mit Blut beflecken“.

Auch das Leid in anderen Krisenherden auf der Welt wie etwa im Libanon, in Haiti sowie im S√ľdsudan lag dem Pontifex am Herzen. Angesichts der Spannungen im Nahen Osten, rief er Israelis und Pal√§stinenser zum Dialog auf. Er w√ľnschte sich, dass in Jerusalem und in der ganzen Region Frieden herrscht. Die Menschen m√ľssten Vertrauen schaffen – dann sei Frieden m√∂glich.

Auch im Heiligen Land haben zahlreiche Christen am Ostersonntag gefeiert. Patriarch Pierbattista Pizzaballa zelebrierte in der Grabeskirche in Jerusalem die traditionelle Ostermesse. In einem Grusswort schloss er sich Franziskus‘ Appell an: „Wir haben eine schwere Zeit der Gewalt, des Misstrauens, der Spannungen hinter uns, politischer, religi√∂ser und sozialer Art.“

Das diesj√§hrige Osterfest wurde begleitet von grossen gesundheitlichen Sorgen um den Pontifex. Vor rund einer Woche wurde der 86-j√§hrige Argentinier wegen einer Bronchitis in einem Krankenhaus behandelt. Nach knapp drei Tagen konnte er jedoch das Krankenhaus verlassen. Die Sorgen vieler Katholiken, Franziskus k√∂nne nicht an den Osterfeierlichkeiten teilnehmen, waren gross. Letztlich war er doch fast √ľberall dabei. Er bedankte sich am Ostermontag erneut bei denen, die ihm in den letzten Tagen gute W√ľnsche geschickt hatten.

Doch der Pontifex schien nach seinem Krankenhausaufenthalt noch angeschlagen zu sein. Bei den Feierlichkeiten sah man ihn gelegentlich husten, und seine Stimme klang zuweilen m√ľde. Und auch sein Knieleiden, das ihn seit L√§ngerem plagt, machte ihm zu schaffen. Den grossen Messen stand Franziskus zwar offiziell vor, zelebriert wurden sie allerdings von anderen Kirchenm√§nnern. Diese verfolgte er grossteils auf einem Sessel sitzend.

Bei jedem √∂ffentlichen Auftritt des Papstes zu den Osterfeierlichkeiten wurde er von jubelnden Gl√§ubigen gefeiert. Es schien, als waren der Applaus und die „Viva il-Papa!“-Rufe (Es lebe der Papst) als er in der Osternacht im Rollstuhl durch den Petersdom oder am Ostersonntag im offenen Papamobil √ľber den Petersplatz gefahren wurde lauter als sonst – fast schon als Ermunterung f√ľr den angeschlagenen Pontifex gedacht.

Denn Franziskus schonte sich nicht und hatte in der Karwoche ein straffes Programm hinter sich gebracht. Bereits einen Tag nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus stand er der traditionellen Palmsonntagsmesse vor. Es folgten der Gr√ľndonnerstag mit einem eindrucksvollen Besuch in einem Jugendgef√§ngnis, in dem er H√§ftlingen die F√ľsse wusch und k√ľsste, sowie der Karfreitag. Wegen der f√ľr r√∂mische Verh√§ltnisse ungew√∂hnlichen K√§lte konnte er allerdings nicht an der „Via Crucis“ vor dem Kolosseum teilnehmen. Er verpasste die emotionalen Friedensbotschaft zwei junger Menschen aus der Ukraine und aus Russland. In der stimmungsvollen Osternachtsliturgie am Karsamstag geisselte er nach dem Anz√ľnden der Osterkerze „grassierende Ungerechtigkeit“ und die „eisigen Winde des Krieges“.

(text:sda/bild:sda)