25 M├Ąrz 2022

Chinesische Firmen kaufen wieder mehr Schweizer Unternehmen

Nach dem Einbruch 2020 wegen Corona haben chinesische Firmen wieder mehr Geld f├╝r ├ťbernahmen oder Beteiligungen an Schweizer Unternehmen ausgegeben. 2021 investierten Chinesen f├╝r neun Transaktionen insgesamt 96 Millionen US-Dollar.

Im Vorjahr hatten sie f├╝r acht ├ťbernahmen oder Beteiligungen in der Schweiz lediglich 7 Millionen Dollar ausgegeben, wie aus einer Studie der Wirtschaftspr├╝fungs- und Beratungsgesellschaft EY vom Freitag hervorgeht.

Drei von neun Transaktionen im Jahr 2021 entfielen auf den Gesundheitssektor, also Pharma, Biotech oder Medizintechnik, w├Ąhrend es zwei Transaktionen im Bereich Konsumprodukte und Dienstleistungen gab. Vor allem in der Schweiz werde der Gesundheitssektor zunehmend zu einem der wichtigsten Ziele chinesischer Unternehmen, weil es in diesem Bereich einen grossen Nachholbedarf in China gebe, insbesondere bei der Forschung und Entwicklung, sagte Hubert Stadler, Leiter des China-Desks von EY in der Schweiz.

Dieser Trend ist europaweit zu beobachten: Die Zahl der ├ťbernahmen und Beteiligungen im Bereich Gesundheit legte auf 26 zu nach 16 Transaktionen im Vorjahr. Dagegen kauften die Chinesen lediglich noch 30 Industrieunternehmen auf dem „Alten Kontinent“, nachdem es 2020 noch 36 gewesen waren.

Die europaweit gr├Âsste Investition war im vergangenen Jahr der Verkauf der Haushaltsger├Ątesparte von Philips an die Investmentfirma Hillhouse Capital mit Sitz in Hongkong f├╝r 4,4 Milliarden Dollar. Die zweitgr├Âsste Transaktion war die ├ťbernahme des britischen Entwicklerstudios Sumo Digital durch Tencent f├╝r 1,1 Milliarden Dollar, gefolgt von der ├ťbernahme des d├Ąnischen K├╝hlcontainer-Herstellers Maersk Container Industry durch China International Marine Containers f├╝r ebenfalls 1,1 Milliarden.

Insgesamt liegt die Schweiz mit den neun Transaktionen auf Rang 6 der Rangliste. Im Vorjahr hatte sie Platz f├╝nf mit Italien und Spanien geteilt. An der Spitze hat Grossbritannien mit 36 Deals Deutschland (35) knapp ├╝berholt, das im Vorjahr noch mit Abstand Platz eins vor den Briten belegt hatte.

„In dem Mass, wie sich das Interesse chinesischer Investoren weg von klassischen Industrieunternehmen hin zu Technologie-, Software- und Medienunternehmen entwickelt, gewinnt der Zielmarkt Grossbritannien an Bedeutung“, sagte Michael Messerli, Leiter Strategy & Transactions bei EY in der Schweiz.

Allerdings hat die Kauflust der Chinesen in Europa in den vergangenen Jahren massiv nachgelassen: Die 155 ├ťbernahmen und Beteiligungen von 2021 sind nur noch halb so viele wie auf dem H├Âhepunkt des Einkaufsrauschs 2016. Und die Kaufsumme von 12,4 Milliarden Dollar ist nur noch ein Bruchteil des seinerzeitigen Rekords von 85,8 Milliarden.

„D├Ąmpfend wirken sich die inzwischen hohen H├╝rden f├╝r ausl├Ąndische Beteiligungen gerade in bestimmten kritischen Branchen sowie die zunehmende Konkurrenz durch kapitalstarke Finanzinvestoren aus“, sagte Messerli.

Auch die zuletzt stark gestiegenen Kaufpreise f├╝r Firmenk├Ąufe und -beteiligungen h├Ątten auch Folgen f├╝r Investoren aus China: „In einigen F├Ąllen wollten die chinesischen Interessenten da nicht mehr mitgehen. Besonders die b├Ârsennotierten chinesischen Unternehmen f├╝rchten, mit teuren Zuk├Ąufen den eigenen Aktienkurs unter Druck zu setzen.“

(text:sda/bild:unsplash)