16 Dezember 2021

Bundesrat: Tierversuchsinitiative geht zu weit und schadet Schweiz

Bundesrat Alain Berset hat am Donnerstag die Argumente der Landesregierung gegen die Volksinitiative zum Verbot von Tier- und Menschenversuchen erl├Ąutert: Die Bev├Âlkerung w├Ąre vom medizinischen Fortschritt abgeschnitten, Forschung und Entwicklung w├╝rden stark eingeschr├Ąnkt, und der Wirtschaftsstandort Schweiz w├╝rde geschw├Ącht.

Am 13. Februar 2022 entscheiden die Stimmb├╝rgerinnen und Stimmb├╝rger ├╝ber die Volksinitiative “Ja zum Tier- und Menschenversuchsverbot – Ja zu Forschungswegen mit Impulsen f├╝r Sicherheit und Fortschritt”. Die Volksinitiative fordert ein bedingungsloses Verbot von Tierversuchen und Forschung am Menschen in der Schweiz.

Der Bundesrat sei schon heute bestrebt, Tierversuche wenn immer m├Âglich zu vermeiden, sagte Gesundheitsminister Berset vor den Medien in Bern. Die Initiative mit ihrem absoluten Verbot von Tierversuchen gehe aber zu weit und w├╝rde schwerwiegende Auswirkungen haben. Derselben Meinung waren schon National- und St├Ąnderat, die beide die Initiative einstimmig abgelehnt haben.

Die Initiative w├╝rde lediglich dazu f├╝hren, dass Teile der medizinischen Forschung im Ausland stattfinden und dass neueste Therapien und Medikamente f├╝r die Schweizer Bev├Âlkerung nicht mehr zur Verf├╝gung stehen, warnte Berset. Und das gelte nicht nur f├╝r die Menschen in der Schweiz, sondern auch f├╝r Tiere, die ja ebenfalls Medikamente brauchen.

Nach dem Willen des Initiativ-Komitees sollen Tierversuche in der Verfassung als Qu├Ąlerei und Verbrechen eingestuft und bestraft werden. Bestehende oder neue Produkte, f├╝r die Tierversuche durchgef├╝hrt werden m├╝ssten, d├╝rften weder gehandelt noch ein- oder ausgef├╝hrt werden.

Das Initiativ-Komitee argumentiert, es sei nicht entschuldbar, wenn nichtzustimmungsf├Ąhige Tiere und Menschen f├╝r Experimente missbraucht w├╝rden. Kein Tier oder Mensch k├Ânne verl├Ąssliche Vorhersagen f├╝r ein anderes Lebewesen liefern. Die Forscherinnen und Forscher k├Ânnten ihre Erkenntnisse auch mit leidfreien Ans├Ątzen erreichen.

Dem h├Ąlt Berset entgegen, dass die Schweiz schon heute eines der strengsten Gesetze f├╝r Tierversuche habe. Ein Tierversuch werde nur bewilligt, wenn die Ergebnisse nicht auf anderem Weg erzielt werden k├Ânnen. Zudem m├╝sse der Nutzen f├╝r die Gesellschaft die Belastung der Tiere rechtfertigen.

Und ausserdem d├╝rften die Forscherinnen und Forscher in ihren Versuchen nur mit so vielen Tieren arbeiten wie unbedingt n├Âtig, und sie m├╝ssten deren Belastungen so gering wie m├Âglich halten.

Zudem will der Bundesrat Tierversuche mit einem neuen Forschungsprogramm reduzieren, wie Berset betonte. Anfang Februar hatte die Landesregierung das neue Nationale Forschungsprogramm “Advancing 3R – Tiere, Forschung und Gesellschaft” (NFP 79) lanciert. 3R steht dabei f├╝r Replacement, Reduction und Refinement. Das Programm ist auf f├╝nf Jahre angelegt und mit 20 Millionen Franken dotiert.

(text:sda/bild:unsplash)