25 August 2021

Bundesrat prĂŒft Ausdehnung Covid-Zertifikatspflicht – testen kostet ab 1.10.

Geimpft, getestet oder genesen: Der Bundesrat prĂŒft eine Ausweitung der 3G-Regel auf InnenrĂ€ume von Restaurants, Kultur- und Freizeiteinrichtungen sowie auf Veranstaltungen im Innern. So soll eine Überlastung der SpitalkapazitĂ€ten vermieden werden.

Nachdem mehrere Kantone in den vergangenen Tagen und Wochen eine Ausweitung der Zertifikatspflicht in ErwĂ€gung gezogen haben, will der Bundesrat nun den RĂŒckhalt fĂŒr eine nationale Lösung eruieren. Bis nĂ€chsten Montag sollen sich die Kantone und Sozialpartner dazu Ă€ussern.

Ob und – wenn ja – wann die neuen Regeln in Kraft gesetzt werden, wird der Bundesrat im Anschluss entscheiden. Es handle sich um eine “vorsorgliche Konsultation” – fĂŒr den Fall, dass eine Überlastung der SpitĂ€ler drohe, heisst es in einer Mitteilung vom Mittwoch. Der Bundesrat wolle, wenn nötig, rasch handeln können. Die epidemiologische Entwicklung sei derzeit schwierig einzuschĂ€tzen.

Zur Diskussion steht die Ausdehnung der 3G-Regel auf alle Innenbereiche von Restaurants sowie auf Veranstaltungen, die im Innern stattfinden – wie Konzerte, Theater, Kino, Sportveranstaltungen und auch PrivatanlĂ€sse wie Hochzeiten. Betreiber von Discos sollen neu obligatorisch die Kontaktdaten der Besucherinnen und Besucher erheben mĂŒssen.

Neu soll auch der Zugang zu Orten wie Museen, Zoos, Fitnesscenter, Kletterhallen, HallenbÀder, Aquaparks, ThermalbÀder, Billardhallen oder Casinos auf Personen mit einem Zertifikat eingeschrÀnkt werden. Ausgenommen wÀren Betriebe, die ausschliesslich Aussenbereiche umfassen.

Auch bei sportlichen und kulturellen AktivitĂ€ten in InnenrĂ€umen wie Trainings oder Musik- und Theaterproben soll kĂŒnftig der Zugang auf Personen mit Covid-Zertifikat eingeschrĂ€nkt werden. Diese BeschrĂ€nkung gĂ€lte nicht fĂŒr Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren und fĂŒr bestĂ€ndige Gruppen von maximal dreissig Personen, die in abgetrennten RĂ€umlichkeiten regelmĂ€ssig zusammen trainieren oder proben.

Wie bis anhin soll die Zertifikatspflicht nicht fĂŒr Kinder und Jugendliche unter 16 Jahre gelten. Ausgenommen von der Zertifikatspflicht wĂ€ren nach den PlĂ€nen des Bundesrats auch religiöse Veranstaltungen, Bestattungen sowie AnlĂ€sse zur politischen Meinungsbildung bis maximal dreissig Personen.

Der Bundesrat schlĂ€gt zudem vor, den Einsatz des Zertifikats im Arbeitsbereich in der Verordnung zu klĂ€ren. Es soll explizit festgehalten werden, dass die Arbeitgeber das Vorhandensein eines Zertifikats prĂŒfen dĂŒrfen, “wenn dies der Festlegung angemessener Schutzmassnahmen oder der Umsetzung des Testkonzepts dient”.

Eine breitere Anwendung des Covid-19-Zertifikats muss nach Ansicht des Bundesrats geprĂŒft werden, weil die Durchimpfungsrate zu tief ist. In der Schweiz seien 56 Prozent der Bevölkerung mindestens einmal geimpft, in der EU dagegen 63 Prozent. “Die Zahl der nicht immunen Personen, die sich anstecken können, ist nach wie vor gross”, schreibt der Bundesrat.

Anders als in frĂŒheren Infektionswellen soll auf die Schliessung ganzer Branchen oder Verbote von bestimmten AktivitĂ€ten verzichtet werden, schreibt der Bundesrat. Nicht geĂ€ndert werden sollen die bekannten und breit akzeptierten Hygiene- und Abstandsempfehlungen, die QuarantĂ€neregeln sowie die generelle Maskentragpflicht in öffentlich zugĂ€nglichen InnenrĂ€umen, LĂ€den und im öffentlichen Verkehr.

Der Bundesrat hat heute zudem die nationale Teststrategie angepasst. Das Testen bleibt eine wichtige Massnahme, um die Pandemie zu kontrollieren, Übertragungsketten zu unterbrechen und eine Überbelastung der Spitalstrukturen zu verhindern. Dazu soll insbesondere das repetitive Testen in Schulen und Betrieben weitergefĂŒhrt werden. Diese repetitiven Tests werden weiterhin vom Bund finanziert.

Ab dem 1. Oktober 2021 mĂŒssen Personen, die sich testen lassen, um ein Zertifikat zu erhalten, den Test jedoch selber bezahlen. Alle Personen, die sich impfen lassen wollen, konnten das inzwischen tun. Der Bundesrat erachtet es nun nicht mehr als die Aufgabe der Allgemeinheit, die Testkosten fĂŒr Personen zu ĂŒbernehmen, die nicht geimpft oder nicht genesen sind. Die Möglichkeit zur kostenlosen Impfung besteht weiterhin.

Tests fĂŒr Personen mit Symptomen werden weiterhin vom Bund ĂŒbernommen. Allerdings berechtigen diese nicht zum Erwerb eines Zertifikats. Antigen-Schnelltests fĂŒr Personen, die sich aus gesundheitlichen GrĂŒnden nicht impfen lassen können sowie Tests fĂŒr Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren werden weiterhin vom Bund bezahlt. Auch wer eine Gesundheitseinrichtung, etwa ein Alters- oder Pflegeheim oder ein Spital, besucht, kann sich weiterhin gratis testen lassen. Der Schutz von Personen mit hohem Risiko ist besonders wichtig. Bei einem negativen Testresultat wird anstelle eines Zertifikats eine Bescheinigung ausgestellt.

(text:sda&pd/bild:sda)