21 Januar 2022

Bundesrat Maurer kritisiert Medienberichterstattung in der Pandemie

Bundesrat Ueli Maurer kritisiert die Berichterstattung der Medien wĂ€hrend der Corona-Pandemie. Der Druck aus den Medien habe in der Schweiz dazu gefĂŒhrt, dass Massnahmen in einem vielleicht unnötigen Ausmass verschĂ€rft wurden.

„Omikron fĂŒhrt kaum zu schweren KrankheitsverlĂ€ufen, darum kann man schrittweise normalisieren“, sagt der ZĂŒrcher Bundesrat Ueli Maurer im Interview mit der „Aargauer Zeitung“.

Im Nachhinein könne man sich fragen, ob man zu lange mit der Normalisierung gewartet habe. „FĂŒr mich beruhte die Politik immer auf drei SĂ€ulen: Gesundheit schĂŒtzen, wirtschaftliche Folgen abfedern, Gesellschaft am Leben erhalten.“ AnfĂ€nglich sei es fast nur um die Gesundheit gegangen, inzwischen wĂŒrden andere Fakten mitberĂŒcksichtigt.

Das Virus sei mutiert und schiene nicht mehr so gefĂ€hrlich. „Wenn sich dieser Befund bestĂ€tigt, kann man alle Massnahmen aufheben. Die ersten Trends stimmen zuversichtlich, aber um dies zu entscheiden, ist es noch zu frĂŒh“, warnt der Bundesrat.

Maurer reagiert kritisch auf den Hinweis, dass sich die Warnung des BAG, dass gleichzeitig bis 10 bis 15 Prozent der ArbeitskrĂ€fte infiziert sein könnten, nicht zu erfĂŒllen scheine. „Wenn die Experten solche Szenarien entwerfen, wird in den Medien oft nur der schlimmstmögliche Fall dargestellt. Das ergibt ein zu einseitiges Bild. Aber die Medien brauchen halt jeden Tag eine Schlagzeile.“

Die Medien hĂ€tten leider sehr zu dieser Misere beigetragen, weil sie nur das Schlimmste pflegten. „Der Schaden, den die Medien angerichtet haben, ist nicht zu unterschĂ€tzen. Bundesrat, Parlament und Kantone beschlossen nicht zuletzt unter diesem Druck Massnahmen, die im RĂŒckblick vielleicht nicht im jeweiligen Umfang nötig gewesen wĂ€ren. Das ist mein Vorwurf an die Medien.“

Die Frage, ob der Bundesrat sich von den Medien leiten lasse, weist Ueli Maurer zurĂŒck. Die Medien trĂŒgen jedoch logischerweise zur Meinungsbildung in der Öffentlichkeit und leider auch in den Behörden bei. Das beeinflusse die Stimmungslage.

„Der mediale Druck auf die Politik wurde enorm, es entstand nicht nur beim Bundesrat ein VerschĂ€rfungshype. Gezielte, differenzierte Massnahmen wie der Schutz vulnerabler Gruppen waren fast nicht mehr möglich, nein: Es musste generell geschlossen und verschĂ€rft werden.“

Den Einwand der Interviewer, dass sich die Menschen dank der Medien vielleicht eigenverantwortlicher und vorsichtiger verhalten hĂ€tten, so dass in der Schweiz keine rigiden staatlichen Massnahmen nötig wurden, lĂ€sst der Bundesrat nicht gelten. „Ich weiss, dass Journalisten Medienkritik schlecht vertragen (lacht). Lassen wir’s.“

(text:sda/bild:unsplash)