14 April 2021

Bundesrat lockert viele Corona-Massnahmen trotz „fragiler Lage“

Der Bundesrat folgt dem Ruf grosser Teile der Wirtschaft und der Mehrheit im Parlament und wagt den n├Ąchsten ├ľffnungsschritt – trotz „fragiler Situation“, wie er selbst schreibt. Am Montag k├Ânnen etwa Restaurantterrassen, Kinos und Fitnesszentren wieder ├Âffnen.

Bereits vor einem Monat hatte der Bundesrat einen zweiten ├ľffnungsschritt zur Disposition gestellt. Schon damals war der Druck vonseiten Kantonen, Parlament, Wirtschaft, Sport und Kultur gross, die einschneidenden Corona-Massnahmen zu lockern. Die Landesregierung zog am 19. M├Ąrz aber die Handbremse und verschob den Entscheid ├╝ber einen umfassenden ├ľffnungsschritt. Sie argumentierte mit der sich verschlechternden epidemiologische Situation.

Einen Monat sp├Ąter wagt der Bundesrat nun umfassende Lockerungen, w├Ąhrend in umliegenden L├Ąndern die Schrauben teilweise wieder angezogen werden. Obwohl vier von f├╝nf Richtwerten f├╝r Lockerungen nicht erf├╝llt sind, ├Âffnet der Bundesrat ab kommendem Montag, 19. April, die Restaurantterrassen und erlaubt Sport in Innenr├Ąumen, Kultur- und Sportveranstaltungen sowie Pr├Ąsenzunterricht an den Universit├Ąten.

Die maximale Anzahl Besucherinnen und Besucher bei Veranstaltungen ist beschr├Ąnkt auf hundert Personen draussen – etwa f├╝r Fussballspiele oder Open-Air-Konzerte – und f├╝nfzig Personen drinnen – etwa f├╝r Kinos, Theater oder Konzerte. Bis maximal 15 Personen erlaubt sind F├╝hrungen in Museen, Treffen von Vereinsmitgliedern oder andere Veranstaltungen im Unterhaltungs-, Freizeit- und Sportbereich.

F├╝r jegliche Aktivit├Ąten gelten weiterhin Einschr├Ąnkungen: Neben der limitierten Teilnehmerzahl sind Regeln wie Maskenpflicht und Abstandhalten einzuhalten. Geschlossen bleiben bis auf weiteres die Innenbereiche von Restaurants, Wellnessanlagen und Freizeitb├Ądern sowie Diskotheken und Tanzlokale. Sportarten mit K├Ârperkontakt sind in Innenr├Ąumen weiterhin nicht erlaubt.

Der Entscheid entspricht weitgehend den Forderungen eines Grossteils der Kantone und der Wirtschaftsverb├Ąnde. Auch das Parlament hatte in den vergangenen Tagen wiederholt Druck auf den Bundesrat ausge├╝bt, den Betrieben und Betroffenen mehr Perspektiven zu bieten. Anders als vor einem Monat folgt der Bundesrat nun diesem Ruf.

Er f├╝hre seine „Strategie einer vorsichtigen, schrittweisen ├ľffnung“ fort, heisst es in einer Mitteilung. Die Lage sei zwar weiterhin fragil und habe sich in den vergangenen Wochen weiter verschlechtert. Das Risiko von Lockerungen sei f├╝r den Bundesrat aber vertretbar.

Die Regierung st├╝tzt ihren Entscheid auf die „gut voranschreitende Durchimpfung der Risikogruppen“ sowie auf die „laufende Ausdehnung der Teststrategie“. Beides habe dazu gef├╝hrt, dass der Wiederanstieg der Hospitalisationen im Vergleich zu den Fallzahlen relativ langsam erfolge. Ausserdem seien die Verh├Ąltnisse auf den Intensivstationen relativ stabil.

Zudem argumentiert der Bundesrat, dass er die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Aspekte ber├╝cksichtigt habe. Die negativen Folgen der drastischen Corona-Massnahmen seien gerade f├╝r Jugendliche und junge Erwachsene gross. Deshalb sei es angezeigt, mehr Aktivit├Ąten wieder zu erm├Âglichen.

„Der Bundesrat ist sich des Risikos des ├ľffnungsschritts bewusst“, heisst es in der Mitteilung. Je nach Entwicklung in den Spit├Ąlern bestehe die Gefahr, dass die ├ľffnungen wieder r├╝ckg├Ąngig gemacht werden m├╝ssten. Deshalb m├╝sse sich die Bev├Âlkerung weiterhin vorsichtig verhalten – „insbesondere Risikopersonen, die in den n├Ąchsten Wochen vollst├Ąndig geimpft und damit gut vor einer Infektion und einem schweren Verlauf der Krankheit gesch├╝tzt sein werden“.

Auch die Testoffensive soll laut dem Bundesrat fortgesetzt werden. Er belohnt neu Unternehmen, die ├╝ber ein Testkonzept verf├╝gen und der vor Ort t├Ątigen Belegschaft mindestens einmal pro Woche Tests anbieten. F├╝r Mitarbeitende solcher Unternehmen entf├Ąllt bei ihrer beruflichen T├Ątigkeit die Kontaktquarant├Ąne. F├╝r geimpfte Bewohnerinnen und Bewohner von Alters- und Pflegeheimen k├Ânnen die Heime zudem die Maskenpflicht aufheben. Dies gilt auch f├╝r Bewohnerinnen und Bewohner, die von einer Corona-Infektion genesen sind.

(text:sda/bild:beo)