13 Oktober 2021

Bundesrat beschliesst Impfoffensive ohne Gutscheine f├╝r Motivatoren

Der Bundesrat geht in die Impfoffensive: Mit maximal knapp hundert Millionen Franken will er in den kommenden Wochen und Monaten daf├╝r sorgen, dass die Impfquote schneller steigt. Nicht zu den beschlossenen Massnahmen geh├Âren die 50-Franken-Gutscheine f├╝r ├ťberzeuger.

Die Konsultation habe gezeigt, dass zahlreiche Kantone eine 50-Franken-Belohnung f├╝r Impf-Motivatoren ablehnten, schrieb der Bundesrat zu seinem Entscheid vom Mittwoch. Der Entscheid f├╝r die Impfung solle nicht durch zus├Ątzlichen Druck oder durch monet├Ąre Anreize gef├Ąllt werden, sondern aus gesundheitlichen ├ťberlegungen und aus Solidarit├Ąt, lautete der Tenor aus den Kantonen.

Gesundheitsminister Alain Berset hatte die Idee der Belohnung vor zwei Wochen selbst als „unkonventionell“ bezeichnetet. Forscher sagten, es sei m├Âglich, dass sich die Impfquote mit diesen anvisierten Impfgutscheinen erh├Âhen lasse. Eine Evidenz sei aber schwierig nachzuweisen.

Auch ohne Gutscheine besteht die nun vom Bundesrat beschlossene Impfoffensive aus mehreren Pfeilern: aus einer nationalen Impfwoche vom 8. bis 14. November, aus einer Aufstockung von mobilen Beratungs- und Impfstellen f├╝r einen niederschwelligen Zugang zur Impfung und aus einem neuen Beratungsangebot mit geschulten Personen f├╝r individuelle Gespr├Ąche.

Dadurch sollen Unentschlossene w├Ąhrend mehrerer Wochen informiert und zu einem individuellen und m├Âglichst einem positiven Impfentscheid bewegt werden, wie der Bundesrat schreibt. „Die Impfung bleibt das beste Mittel f├╝r den Ausstieg aus der aktuellen Krise.“ F├╝r eine Aufhebung der Schutzmassnahmen sei die Impfquote in der Schweiz noch zu tief.

Bei den erwachsenen Personen sind nach aktuellen Angaben des Bundes derzeit gut 71 Prozent vollst├Ąndig geimpft. Damit die geltenden Massnahmen wie die ausgeweitete Zertifikatspflicht aufgehoben werden k├Ânnte, w├Ąre laut dem Bundesrat eine Quote von 80 Prozent bei den 18- bis 65-J├Ąhrigen und von 93 Prozent bei den ├╝ber 65-J├Ąhrigen n├Âtig.

Gegen├╝ber dem Konsultationsentwurf vor zwei Wochen nahm der Bundesrat neben dem Verzicht auf die 50-Franken-Gutscheine nur wenige ├änderungen vor. Kurz gesagt l├Ąsst er den Kantonen mehr Spielraum bei der Umsetzung der Impfoffensive, indem er keine nummerischen Vorgaben betreffend Impfmobile und Berater macht.

Der Bundesrat ruft die Kantone, die Gemeinden und andere Partner generell dazu auf, Informationsveranstaltungen oder lokale Anl├Ąsse zur Information der Bev├Âlkerung zu organisieren. Die Landesregierung wird sich in einem Brief an die Bev├Âlkerung wenden, um die Bedeutung der Impfung zu unterstreichen.

Zudem soll die Zahl der mobilen Beratungs- und Impfstellen deutlich erh├Âht werden, wie der Bundesrat schreibt. Momentan gibt es rund f├╝nfzig solcher Angebote. Schliesslich sollen Beratungspersonen impfwillige Menschen beispielsweise dabei unterst├╝tzen, ein Impfzentrum zu finden, eine ├ärztin oder einen Arzt zu kontaktieren oder eine ├ťbersetzerin oder einen ├ťbersetzer hinzuzuziehen.

F├╝r den Bund fallen durch die Impfoffensive maximale Kosten von 96,2 Millionen Franken an, wie es in der Mitteilung heisst. Verglichen mit den Kosten der Wunschtests von rund 50 Millionen Franken pro Woche sei diese Investition nachhaltig.

Im Schnitt k├Ânne pro 100 Impfungen eine Hospitalisierung und pro 250 Impfungen eine Belegung auf der Intensivstation vermieden werden. Hinzu komme, dass durch die Vermeidung von Betriebsschliessungen weitere Kosten gespart werden k├Ânnten.

Die Kantone zeigten sich in den vergangenen Tagen bereit, die Impfanstrengungen noch einmal zu intensivieren. Sie wiesen den Bund jedoch darauf hin, dass ihnen die Fachkr├Ąfte fehlen. Dieser Mangel lasse sich mit finanzieller Unterst├╝tzung durch den Bund nicht einfach beheben, hiess es verschiedentlich.

(text:sda/bild:unsplash)