1 August 2021

Bundesfeiertag im Zeichen der Vielfalt – Pandemie prĂ€gt Feiern

Die 1. August-Feiern haben dieses Jahr im kleinen Rahmen stattgefunden – zum zweiten Mal waren sie von der Pandemie geprĂ€gt. Mehrere BundesrĂ€te betonten in ihren Reden die Vielfalt der Schweiz sowie den Zusammenhalt des Landes als Werte der Schweiz. Frauen gestalteten die Feier auf dem RĂŒtli.

Der Anlass auf der Geburtswiese der Eidgenossenschaft, dem RĂŒtli, war dem 50-Jahr-JubilĂ€um des Frauenstimmrechts gewidmet. Mehrere hundert Frauen gedachten der Frauen, die dafĂŒr gekĂ€mpft haben. Auch 50 Jahre nach dessen EinfĂŒhrung sei die Gleichstellung aber noch nicht erreicht, erklĂ€rten verschiedene Rednerinnen.

Zum ersten Mal ĂŒberhaupt nahmen an der Bundesfeier mit Simonetta Sommaruga und Viola Amherd zwei BundesrĂ€tinnen teil. Frauen hĂ€tten viel verĂ€ndert und wĂŒrden die Gesellschaft prĂ€gen, sagte Sommaruga. „Helvetia est en piste“, sagte Amherd, und hob hervor, dass von den zwölf Medaillen, welche die Schweiz bislang an den Olympischen Spielen von Tokio gewonnen hat, neun auf das Konto von Frauen gehen.

Die diesjĂ€hrige Bundesfeier, das „FrauenrĂŒtli“, unterschied sich deutlich von anderen AnlĂ€ssen dieser Art. Organisiert worden war sie von der Frauen-Dachorganisation Alliance F . Statt Tradition waren Aufbruch und VerĂ€nderung angesagt. Die Nationalhymne wurde nicht mit dem althergebrachten Text gesungen, sondern mit dem neuen Text „Weisses Kreuz auf rotem Grund“.

Die RĂŒtliwiese sah nicht nach 1. August aus: FestbĂ€nke fehlten, GrillwĂŒrste gab es keine. Auch staatsmĂ€nnische Reden waren nicht zu hören, stattdessen gab es kurze Wortmeldungen von Frauen verschiedener Generationen.

Mit Zuversicht, Mut und Zusammenhalt in die Zukunft: BundesprÀsident Guy Parmelin, Bundesrat Alain Berset und Sommaruga betonten am Samstag in ihren Reden diese Werte der Schweiz. GeprÀgt waren die Ansprachen von den Auswirkungen der Pandemie auf das Land.

Parmelin hielt am Wochenende nicht weniger als vier Ansprachen. Den Auftakt machte er am Samstagabend in Herzogenbuchsee BE. Die Schweiz sei durch harte Arbeit, Mut, Zuversicht und gegenseitige Hilfe geworden, was sie sei, sagte er laut Redetext. Mit diesen Werten solle sie auch in die Zukunft schreiten.

Leider sei zu beobachten, dass das Auf und Ab der Pandemie die Schweiz am gelassenen Blick in die Zukunft hindere. Dennoch hofften alle, das Schlimmste sei vorbei. Als BundesprÀsident sei ihm der Zusammenhalt besonders wichtig.

Gesundheitsminister Berset zeigte sich gemÀss Redetext anlÀsslich des Bundesfeiertags zuversichtlich. Trotz hitziger Debatten und viel Leid gehe die Gesellschaft gestÀrkt aus dieser Krise hervor. Es sei die SolidaritÀt, die die Schweiz stark mache. Die Pandemie habe FlexibilitÀt, Bescheidenheit und Selbstbewusstsein abverlangt. Berset setzte in seiner Rede vom Samstag auf sozialen Zusammenhalt, Optimismus und Mut, die Herausforderungen anzupacken.

Verkehrsministerin Sommaruga betonte in einer Video-Ansprache am Samstag die Bedeutung einer verlĂ€sslichen Grundversorgung fĂŒr den Zusammenhalt des Landes. Der Wille, die Schweiz gemeinsam zu gestalten, halte das Land zusammen. Mit den Worten „Machen wir weiter so, mit Mut und Weitsicht fĂŒr die Zukunft unserer Kinder und Enkel“, schloss Sommaruga ihre Botschaft zum Bundesfeiertag ab.

BundesrĂ€tin Karin Keller-Sutter betonte zum 1. August die Vielfalt der Schweiz. Diese gehöre zum Land, sagte sie in ihrer Rede auf einem Bauernhof in Hohenrain LU. Statt GrĂ€ben zu kultivieren, mĂŒssten Blockaden ĂŒberwunden werden, um gemeinsam neue Wege zu finden.

In einer virtuellen 1. August-Ansprache wandte sich Aussenminister Ignazio Cassis von Bangkok aus an die Auslandschweizer in Thailand. Auch er betonte die PluralitÀt und SolidaritÀt als Markenzeichen der Schweiz.

Trotz Regen und Corona-Auflagen frĂŒhstĂŒckten zehntausende Menschen auf Bauernhöfen. Über 200 Bauernfamilien hatten dieses Jahr zum 1.-August-Brunch geladen. Landesweit nahmen gegen 70’000 Besucherinnen und Besucher an einem „Buurezmorge“ teil, wie es beim Schweizerischen Bauernverband (SBV) hiess.

BundesprĂ€sident Parmelin liess sich das Bauernbuffet nicht entgehen. In strömendem Regen besuchte er einen Hof in Bouloz FR. BundesrĂ€tin Keller-Sutter demonstrierte am Sonntag mit ihrer Teilnahme an einem Brunch in Kleinwangen LU ebenfalls die UnterstĂŒtzung des Staates fĂŒr die Bauern.

Verschiedene StĂ€dte, etwa Basel, Bern und Luzern, verzichteten wegen der Corona-Pandemie auf grosse, zentrale Feiern. Die Stadt ZĂŒrich hingegen wollte sich die Bundesfeier nicht ein zweites Mal nehmen lassen. Wie immer wird der Tag mit Kirchenglocken und SalutschĂŒssen begonnen. Es gab jedoch keinen Umzug und kein Fest mit Musik.

(text:sda/bild:unsplash)