7 Oktober 2021

Britische Bauern m├╝ssen Milch wegkippen – Lkw-Fahrer fehlen

Britische Bauern haben wegen fehlender Lkw-Transporte Zehntausende Liter Milch vernichtet. „Der Mangel an Lkw-Fahrern hat ziemlich grosse Auswirkungen“, sagt der Vorsitzende des Branchenverbandes Royal Association of British Dairy Farmers, Peter Alvis, zu Reuters.

Sch├Ątzungen zufolge fehlen der britischen Transportbranche derzeit rund 100.000 Fahrer. Das liegt vor allem daran, dass viele Trucker nach dem Brexit auf den europ├Ąischen Kontinent zur├╝ckgekehrt sind. Bislang sei das Wegkippen von Milch noch kein fl├Ąchendeckendes Problem – doch Berichte von Betroffenen mehren sich.

Allein ein Milchviehhalter in Mittelengland hat in den vergangenen zwei Monaten 40.000 Liter vernichten m├╝ssen, weil kein Fahrer sie abholen konnte. „Es ist einschneidend und emotional ersch├Âpfend, wenn man Milch produziert und am Ende des Tages den Stecker ziehen muss“, sagt ein Landwirt in vierter Generation. Er will nicht namentlich genannt werden, da er negative Reaktionen f├╝rchtet. In seiner 45-j├Ąhrigen Karriere k├Ânne er sich nur an zwei oder drei Mal erinnern, in denen er Milch wegwerfen musste – damals aufgrund schlechten Wetters.

In ihrer Not sehen sich viele Bauern gezwungen, die Preise zu senken. Bei den Abnehmern handelt es sich dann oftmals um kleine Unternehmen, die Milch zu niedrigeren Preisen aufkaufen und sie zu anderen Verkaufsstellen transportieren. Rob Huntbatch etwa erwirbt Milch f├╝r die H├Ąlfte des normalen Preises und verarbeitet sie zu Quark. In der Regel hat er zwei Stunden Zeit, um die Milch abzuholen, wenn ein Landwirt ihn anruft – sonst muss sie weggesch├╝ttet werden.

Allein in Cheshire rettete Huntbatch im September auf diese Weise 160.000 Liter Milch. Dennoch mussten 80.000 Liter weggegossen werden. „Dies ist nur die Spitze des Eisbergs“, sagte Huntbatch. „Ich denke, es wird noch schlimmer werden – im Winter, wenn es schneit und Fahrer nicht rechtzeitig kommen k├Ânnen.“

Die Ungewissheit im Zusammenhang mit dem Milchtransport geht einher mit explodierenden Kosten und der Schwierigkeit, Arbeitskr├Ąfte f├╝r die H├Âfe zu finden. Nur ein Drittel der Milcherzeuger arbeitet f├╝nf Jahre oder l├Ąnger in einem Betrieb. Nur wenige Briten bewerben sich um eine Stelle auf einem Bauernhof. 42,1 Prozent der britischen Milchviehbetriebe sind daher immer noch auf Arbeitskr├Ąfte aus der EU angewiesen, wie k├╝rzlich eine Umfrage der Royal Association of British Dairy Farmers ergab.

Die Preise f├╝r D├╝ngemittel, die f├╝r den Anbau von Futtermitteln f├╝r die K├╝he verwendet werden, sind aufgrund h├Âherer Erdgaspreise gestiegen. Auch die Grosshandelspreise f├╝r Strom sind in die H├Âhe geschnellt. Henry Bloxham, der in Staffordshire 250 K├╝he h├Ąlt, berichtet, dass seine D├╝ngemittelpreise innerhalb von drei Wochen um 150 Prozent gestiegen seien.

Kraftstoff wiederum habe sich allein in der vergangenen Woche um zehn Pence pro Liter verteuert. Wenn die Kosten auf dem derzeitigen Niveau bleiben, will er bis April n├Ąchsten Jahres aus der Branche aussteigen. „Wenn wir weiterhin diese Kosten zahlen m├╝ssen, werden wir im n├Ąchsten Sommer eine Massenflucht von Milchbauern erleben.“

(text:sda/bild:unsplash)