17 MĂ€rz 2022

Boris Becker vor Gericht: Vom Tennis-Olymp auf die Anklagebank

Angespannt, aber nicht panisch – so hatte Boris Becker noch vor kurzem seinen GemĂŒtszustand angesichts des Strafverfahrens gegen ihn in London beschrieben. Nun rĂŒckt der Prozess nĂ€her. Vom 21. MĂ€rz an muss sich der ehemalige Tennis-Star bis zu drei Wochen lang vor Gericht in London dem Vorwurf stellen, er habe in seinem Insolvenzverfahren Teile seines Vermögens nicht ordnungsgemĂ€ss angegeben und TrophĂ€en nicht ausgehĂ€ndigt. Becker bestreitet das.

Grund, angespannt zu sein, gibt es durchaus: Dem dreimaligen Wimbledon-Sieger könnten theoretisch bis zu sieben Jahre Haft drohen.

Eigentlich könnte das Insolvenzverfahren, das seit 2017 lĂ€uft, bereits beendet sein. Doch die Saga scheint kein Ende zu nehmen. Der “Bild am Sonntag” sagte Becker im Februar in einem Interview, die vergangenen fĂŒnf Jahre seien “verdammt lang” und “die hĂ€rtesten meines Lebens” gewesen.

FĂŒr das Strafverfahren will der 54-JĂ€hrige die Hilfe eines Übersetzers in Anspruch nehmen. Der Grund dafĂŒr ist nicht ganz klar, denn der Wahl-Londoner spricht eigentlich einwandfrei Englisch und trat auch immer wieder als Tennis-Experte im BBC-Fernsehen auf. “Wenn er etwas zum Ausdruck bringt, könnte es besser sein, er tut das auf Deutsch und es wird dann ins Englische ĂŒbersetzt”, sagte sein Verteidiger Jonathan Laidlaw der Nachrichtenagentur PA zufolge bei einer Voranhörung vor Gericht in der vergangenen Woche.

Zu den mehr als 20 Anklagepunkten konnte sich Becker vor Prozessbeginn gegenĂŒber Medien nicht konkret Ă€ussern. Es wird aber erwartet, dass er vor Gericht ausfĂŒhrlich vernommen wird. Dann werde “eine ganze Menge persönlicher Dinge” zur Sprache kommen, hatte sein Anwalt PA zufolge angekĂŒndigt. Unter anderem soll Becker laut Anklage Teile seines Vermögens an seine Ex-Partnerinnen Barbara (55) und Lilly (45) ĂŒberwiesen und damit dem Zugriff des Insolvenzverwalters entzogen haben. Ein anderes Thema dĂŒrften die vermissten Pokale sein. Becker hatte in allen Punkten auf unschuldig plĂ€diert.

Einen Teil seiner Pokale und weitere persönliche GegenstĂ€nde hatte der Insolvenzverwalter bereits im Sommer 2019 versteigert. Darunter sogar Tennissocken des ehemaligen Spitzensportlers. Becker zeigte sich tief getroffen. “Bei dieser Versteigerung geht es nur darum, mir persönlich wehzutun, weil ich natĂŒrlich emotional an den TrophĂ€en hĂ€nge”, sagte Becker einmal der “Bild am Sonntag”.

Teilweise war das Insolvenzverfahren von bizarren Wendungen geprĂ€gt. Eine Zeit lang behauptete Becker, er könne rechtlich nicht belangt werden, weil er Diplomat der Zentralafrikanischen Republik sei. TatsĂ€chlich wurde er auf der Webseite der Botschaft des Landes in BrĂŒssel als “AttachĂ© fĂŒr die Beschaffung von Mitteln fĂŒr sportliche, kulturelle und humanitĂ€re Angelegenheiten” aufgefĂŒhrt. Der dortige Botschafter pflichtete ihm bei. Doch mehrere Regierungsmitglieder des bitterarmen Landes widersprachen. Schliesslich verzichtete Becker auf die umstrittene Argumentation.

In dem Strafverfahren gibt es bislang keine Anzeichen dafĂŒr, dass der auch auf dem Tennisplatz stets als hartnĂ€ckig bekannte Becker aufgeben könnte. “Wenn alles gegen mich lĂ€uft, habe ich ein Problem. Aber ich bin ein Mensch, der niemals aufgibt und immer bis zum Ende kĂ€mpft”, hatte der frĂŒhere Weltranglisten-Erste noch im Februar betont.

(text:sda/bild:unsplash)