23 April 2021

Biden telefoniert mit Erdogan – Neue Spannungen erwartet

US-Pr├Ąsident Joe Biden hat angesichts der Spannungen mit dem Nato-Partner T├╝rkei mit seinem dortigen Kollegen Recep Tayyip Erdogan telefoniert. Biden habe dabei am Freitag sein Interesse „an einer konstruktiven bilateralen Beziehung“ und an der Bew├Ąltigung von Meinungsverschiedenheiten zum Ausdruck gebracht, teilte das Weisse Haus mit. Der Gedenktag der Massaker an den Armeniern w├Ąhrend des Ersten Weltkriegs im Osmanischen Reich an diesem Samstag fand in der Mitteilung keine Erw├Ąhnung. Biden hatte im Wahlkampf versprochen, die Gr├Ąueltaten als V├Âlkermord anzuerkennen. Das d├╝rfte die Spannungen mit der T├╝rkei versch├Ąrfen.

Die Sprecherin des Weissen Hauses, Jen Psaki, antwortete am Freitag nicht auf die Frage, ob Biden sein Versprechen nun wahrmachen werde. Sie rechne aber damit, dass es dazu in den kommenden Tagen mehr geben werde, sagte Psaki. Die Regierung in Ankara hat die US-Regierung vor einem solchen Schritt gewarnt. Aussenminister Mevl├╝t Cavusoglu sagte dem Sender Habert├╝rk k├╝rzlich, sollten die USA die Beziehungen zur T├╝rkei weiter verschlechtern wollen, dann sei das ihre Entscheidung. Biden und Erdogan vereinbarten nach Angaben des Weissen Hauses ein Treffen am Rande des Nato-Gipfels in Grossbritannien im Juni.

W├Ąhrend des Ersten Weltkriegs waren Armenier systematisch verfolgt und unter anderem auf Todesm├Ąrsche in die syrische W├╝ste geschickt worden. Historiker sprechen von Hunderttausenden bis zu 1,5 Millionen Opfern. Die T├╝rkei als Nachfolgerin des Osmanischen Reiches gesteht den Tod von 300 000 bis 500 000 Armeniern w├Ąhrend des Ersten Weltkrieges ein und bedauert die Massaker. Eine Einstufung als V├Âlkermord weist sie jedoch strikt zur├╝ck.

Bereits als Pr├Ąsidentschaftskandidat hatte Biden beim Gedenktag vor einem Jahr vom „Genozid“ an den Armeniern gesprochen. Biden betonte damals: „Schweigen ist Mitt├Ąterschaft.“ Ebenfalls als Kandidat hatte Biden ausserdem einen h├Ąrteren Kurs gegen den t├╝rkischen Pr├Ąsidenten Recep Tayyip Erdogan angek├╝ndigt, den er einen „Autokraten“ nannte, der einen Preis f├╝r sein Verhalten zahlen werde. In einem Interview der „New York Times“ sprach sich Biden im Januar vergangenen Jahres daf├╝r aus, die t├╝rkische Opposition zu unterst├╝tzen.

(text:sda/bild:pixabay)