Alle Todesopfer von Crans Montana sind identifiziert
Nach der Brandkatastrophe von Crans-Montana sind am Sonntag 16 weitere Todesopfer identifiziert worden. Damit hat nun gut die Hälfte der in der Silvesternacht Verstorbenen einen Namen. Das jüngste Brandopfer wurde 14 Jahre alt. Am Sonntagabend vermeldete die Walliser Kantonspolizei, dass alle vierzig Todesopfer identifiziert worden seien. Die meisten sind junge Menschen. Die meisten stammen aus der Schweiz, Frankreich und Italien.
Auch die 119 Verletzten konnten mit wenigen Ausnahmen formell identifiziert werden. Darunter sind 71 Schweizerinnen und Schweizer, 14 französische und 11 italienische Staatsangehörige. Die meisten Patientinnen und Patienten befinden sich mit schweren Brandverletzungen in kritischem Zustand.
35 Patientinnen und Patienten wurden seit Freitag in spezialisierte Kliniken in Belgien, Deutschland, Frankreich und Italien verlegt, wie der Bund mitteilte. Im Rahmen des Katastrophenschutzmechanismus der Europäischen Union haben auch zahlreiche weitere Länder Hilfe angeboten.
Riesige Anteilnahme
Um den Opfern zu gedenken, haben am Sonntag Hunderte von Menschen an einer Messe in Crans-Montana teilgenommen. Der Bischof von Sitten, Jean-Marie Lovey, und der reformierte Pfarrer Gilles Cavin wollten eine Botschaft der Hoffnung vermitteln.
Vor der Versammlung wandte sich Cavin an die Jugendlichen, die zahlreich in der Kapelle erschienen waren: „Habt keine Angst, eure Gefühle, eure Ängste, eure Wut und eure Traurigkeit in Worte zu fassen. Traut euch, zu sprechen, traut euch, um Hilfe zu bitten, traut euch, euch auf andere zu stützen.“
Im Anschluss an die Messe fand ein Schweigemarsch statt, an dem sich laut einer Reporterin von Keystone-SDA mehr als tausend Menschen beteiligten. Auch mehrere Mitglieder der Walliser Kantonsregierung nahmen daran teil, gesichtet wurden aber auch der italienische Botschafter in der Schweiz und alt Bundesrätin Micheline Calmy-Rey. Die trauernde Menschenmenge zog in aller Stille zur hinter einem Sichtschutz versteckten Bar, wo sich der Brand ereignet hatte.
Nationaler Gedenktag am Freitag
Ein nationaler Gedenktag ist schliesslich für den kommenden Freitag vorgesehen. Das sagte Bundespräsident Guy Parmelin in Interviews mit dem „Sonntagsblick“ und der „Sonntagszeitung“. Schweizweit sollen demnach als Zeichen der Verbundenheit um 14 Uhr die Kirchenglocken läuten. Zudem sei zu diesem Zeitpunkt eine Schweigeminute vorgesehen.
Zeitgleich wird eine Trauerfeier in Crans-Montana beginnen. Er werde mit einer Delegation des Bundesrates und den Walliser Behörden an der Gedenkzeremonie teilnehmen, kündigte Parmelin an.
Welche ausländischen Delegationen ebenfalls an der Trauerfeier in Crans-Montana teilnehmen werden, ist noch nicht bekannt. Nach der Brandkatastrophe im Ferienort hätten ihn viele Staats- und Regierungschefs persönlich angerufen, sagte Parmelin. „Es ist klar, dass kein Land eine solche Ausnahmesituation allein meistern kann“, sagte er.
Verfahren gegen Barbetreiber
Die Brandkatastrophe von Crans-Montana ereignete sich in der Bar „Le Constellation“. Die Walliser Staatsanwaltschaft hat am Samstag eine Strafuntersuchung gegen die beiden Betreiber des Lokals eröffnet. Ihnen werden fahrlässige Tötung, fahrlässige Körperverletzung sowie fahrlässige Verursachung einer Feuersbrunst vorgeworfen. Bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung gilt die Unschuldsvermutung.
Laut Staatsanwaltschaft deutet alles darauf hin, dass das Feuer von „Wunderkerzen“ ausging, die auf Champagnerflaschen angebracht waren. Gemäss Bildern in den sozialen Netzwerken soll eine Person auf den Schultern einer anderen Person versehentlich die Decke in Brand gesetzt haben. Die Ermittler konzentrieren sich nun unter anderem auf den Lärmschutzschaum, der an der Decke angebracht war.
In der Strafuntersuchung tritt die Gemeinde Crans-Montana als Zivilklägerin auf, wie sie mitteilte. Die Gemeinde wolle, dass die Tragödie schnell vollständig aufgeklärt werde.
(text:sda,csc/bild:unsplash)