25 Oktober 2021

Berset sieht keine Alternative zu hoher Impfquote und Impfoffensive

F├╝r Gesundheitsminister Alain Berset gibt es keine Alternative zu einer hohen Impfquote und einer neuen Impfoffensive. Auch an der Zertifikatspflicht will er einstweilen festhalten. In einem Interview mit CH-Media warnt er vor Problemen bei Reisen ins Ausland, wenn es bei der Abstimmung ├╝ber das Covid-Gesetz zu einem Nein kommen sollte.

Gesundheitsminister Alain Berset sieht keine Alternative zur 93 Millionen Franken teuren Impfoffensive des Bundesrats. Die Impfquote von 71 Prozent in der Schweiz sei angesichts der ansteckenderen Delta-Variante zu niedrig, sagte Berset im Interview mit CH-Media.

„Was ist die Alternative? Mit der Schulter zucken und nichts tun?“ Das sei keine Option, dies s├Ąhen die Kantone auch so. „Wir m├╝ssen noch einmal alles versuchen.“ Es w├╝rden sowieso alle mit dem Virus in Kontakt kommen. Die Frage sei einzig und alleine, wie die Immunisierung erfolgt: Per Impfung in einer kontrollierten, sicheren Weise oder per Infektion mit all den Risiken, die eine schwere Erkrankung mit sich bringt?

Berset schl├Ągt den verst├Ąrkten Einsatz von mobilen Impfzentren gerade in kleineren Orten vor. Pensionierte Medizinerinnen und Mediziner k├Ânnten dabei die Aufgabe ├╝bernehmen, sehr seltene Komplikationen zu behandeln. Kirchen oder Vereine k├Ânnten Informationsveranstaltungen organisieren. „Es braucht ├Âffentliches Einstehen und Engagement f├╝r die Impfung, damit wir zusammen gut durch den Winter kommen.“

Eine Lockerung der Massnahmen sieht der Gesundheitsminister noch nicht vor. Daf├╝r sei die Impfquote zu Beginn der kalten Jahreszeit noch zu tief. „Aber je mehr wir impfen und je mehr Leute sich parallel dazu anstecken, desto schneller k├Ânnen wir zum normalen Alltag ├╝bergehen. Wir wollen verhindern, dass die Spitalbelastung so steigt, dass der Bundesrat wieder harte Massnahmen beschliessen muss.“

Auf die Frage nach der Zertifikatspflicht antwortet Berset, der Bundesrat werde sich die erweiterte Zertifikatspflicht im November noch einmal ansehen, jetzt sei es aber angesichts steigender Infektionszahlen und zunehmender Spitaleintritte „zu fr├╝h f├╝r eine Flucht nach vorne“. Erleichterungen f├╝r Genesene seien jedoch m├Âglich und verh├Ąltnism├Ąssig.

Der Gesundheitsminister warnt vor einer Ablehnung des Covid-Gesetzes. „Davon betroffen w├Ąre nicht nur das Zertifikat. Auch Hilfsleistungen f├╝r Selbstst├Ąndigerwerbende, Angestellte, Unternehmen, f├╝r Kultur, Sport oder Kitas und Regelungen wie die Befreiung von Geimpften von der Quarant├Ąnepflicht w├Ąren betroffen. Und auch f├╝r das Zertifikatssystem w├╝rde uns ab n├Ąchstem Fr├╝hling die gesetzliche Grundlage fehlen.“

Das hiesse nicht, dass Schweizerinnen und Schweizer dann nicht mehr ins Ausland reisen k├Ânnten, doch es werde deutlich komplizierter , weil sie dann nicht mehr mit dem Zertifikat reisen k├Ânnten oder Einschr├Ąnkungen im Reiseland in Kauf nehmen m├╝ssten.

Das Virus werde in weiten Teilen der Welt noch lange zirkulieren. Deshalb ben├Âtige man f├╝r internationale Reisen wohl noch l├Ąnger ein Zertifikat. Er hoffe aber, dass man im Inland in absehbarer Zeit im n├Ąchsten Jahr schon kein Zertifikat mehr brauchen werde.

(text:sda/bild:pexels)