10 August 2023

Berset besucht in Kolumbien ehemalige Guerilla-Kämpfer

Die Wiedereingliederung ehemaliger Kämpferinnen und Kämpfer der Guerilla-Organisation Farc in Kolumbien macht Fortschritte. Bundespräsident Alain Berset hat sich bei seinem Besuch in einem Wiedereingliederungsprogramm in Dabeiba am Mittwoch beeindruckt gezeigt.

“Ihr habt gezeigt, dass Frieden m√∂glich ist. Es ist wie ein Wunder”, sagte Berset zu den Bewohnerinnen und Bewohnern der Wiedereingliederungsraums in Dabeiba. Das habe eine grosse Bedeutung f√ľr die ganze Welt.

Nachdem die Guerilla-Organisation Farc 2016 mit der kolumbianischen Regierung einen Friedensvertrag abgeschlossen und die Kämpferinnen und Kämpfer die Waffen niedergelegt hatten, wurden in ländlichen Gebieten Kolumbiens 24 Wiedereingliederungsräume, sogenannten ETCR (Espacios de Capacitación y Reintegracion) geschaffen. Die ehemaligen Farc-Mitglieder sollten in diesen separierten Gebieten auf das zivile Leben vorbereitet werden. Die Schweiz begleitet diesen Friedensprozess.

Heute nennen sie sich “Firmantes de Paz”, Friedensunterzeichner. Seit 2019 haben die ehemaligen Guerilla-Krieger die volle kolumbianische Staatsb√ľrgerschaft und das Recht, sich niederzulassen, wo sie wollen. Ein Teil der rund 13’000 ehemaligen K√§mpferinnen und K√§mpfer ist bereits aus den Wiedereingliederungsprogrammen in St√§dte weggezogen. Viele blieben aber in den Wiedereingliederungsr√§umen.

Berset besuchte am Mittwoch das ETCR in Dabeiba, mitten im kolumbianischen Regenwald. Auf einer Fl√§che von 16 Hektaren leben √ľber 100 ehemalige Farc-Mitglieder. Die “Firmantes de Paz” versuchen dort, ihr ziviles Leben auf die Beine zu Stellen. Es sind Menschen, die jahrzehntelang im Untergrund gelebt haben und kein anderes Leben kannten als das des Guerilleros. Einige von ihnen waren bereits im Alter von 15 Jahren als K√§mpfer aktiv, wie sie im Gespr√§ch mit Keystone-SDA erz√§hlten.

Heute bestreiten viele der Bewohnerinnen und Bewohner des ETCR ihren Lebensunterhalt als Kleinbauern – mit Kakaoanbau oder der Haltung von H√ľhnern. Auch einige K√ľhe leben im Wiedereingliederungsraum. Zudem gibt es eine N√§herei, einige Gesch√§fte, ein Restaurant und einen Schnell-Imbiss.

Ausserdem versuchen sich die ehemaligen Farc-Kämpferinnen und Kämpfer im Tourismus. Im ETCR gibt es ein Hotel. Ab und zu kämen auch Touristen, erzählte ein Bewohner im Gespräch mit Keystone-SDA. Die Programme sind gut angelaufen, hiess es von den Bewohnerinnen und Bewohnern. Die Hoffnungen und der Glaube an ein Leben in Frieden sind gross.

Trotz vieler Fortschritte gestaltet sich der Weg ins zivile Leben f√ľr viele ehemalige Farc-Mitglieder aber schwierig. Der Erwerb von Land f√ľr die langfristige Etablierung l√§uft schleppend. Damit fehlt vielen der “Firmantes de Paz” die Grundlage daf√ľr, ihren Lebensunterhalt bestreiten zu k√∂nnen.

Zudem ist die Sicherheitslage in den Wiedereingliederungsr√§umen mitunter prek√§r. Seit 2016 wurden √ľber 350 ehemalige K√§mpferinnen und K√§mpfer ermordet. Ein Teil davon als Zufallsopfer von anhaltenden Konflikten zwischen bewaffneten Gruppen in diesen Regionen, andere wegen ihrer Vergangenheit als Guerilleros, oder wegen Informationen, √ľber die sie infolgedessen verf√ľgen. Teilweise war deshalb eine Umsiedlung notwendig.

(text:sda/bild:keystone)