16 März 2026

Berner Polizei startet öffentliche Fahndung nach Demo-Krawallen

Die Berner Kantonspolizei hat nach der eskalierten Pro-Palästina-Demonstration vom vergangenen Oktober 101 mutmassliche Straftäterinnen und Straftäter identifiziert. Weitere Personen will sie nun mittels öffentlicher Fahndung finden.

Mittels öffentlich zugänglicher, eigens erstellter und durch Zeuginnen und Zeugen erhaltener Foto- und Videoaufnahmen erstellte die Polizei Beweisketten. Sie identifizierte so rund 100 Personen, die vermummt Straftaten begingen, wie sie am Montag in einer Mitteilung schrieb. Die erkannten Personen werden in den kommenden Wochen kontaktiert und teilweise zu Einvernahmen aufgeboten.

Weiter identifizierte die Polizei mehrere Dutzend noch unbekannte Personen, die Straftaten begingen. Die regionale Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland verfügte nun eine dreistufige Öffentlichkeitsfahndung, wie die Polizei weiter schrieb.

Am kommenden Freitag will sie deshalb verdeckte Bilder der gesuchten Personen auf ihrer Website aufschalten. Falls sie so innert einer Woche die gesuchten Personen nicht identifizieren kann, publiziert sie am 30. März unverdeckte Bilder.

Der Sachschaden, der bisher zur Anzeige gebracht wurde, beläuft sich gemäss Polizeiangaben auf über 600’000 Franken. Es sei unter anderem zu einer Brandstiftung, zahlreichen Sachbeschädigungen sowie Angriffen gegen Polizistinnen und Polizisten gekommen. 18 Polizistinnen und Polizisten seien verletzt worden.

Die Pro-Palästina-Demonstration vom 11. Oktober 2025 war nicht bewilligt. Schätzungsweise 5000 Menschen nahmen daran teil. Die Polizei setzte mehrmals Tränengas, Gummischrot und Wasserwerfer ein.

Nebst den Einsatzkräften wurden laut Angaben von Amnesty International auch mehrere Kundgebungsteilnehmende verletzt. Die Polizei kesselte die Spitze des Demonstrationszuges ein und führte mehrere hundert Personen ab.

Zur Kundgebung aufgerufen hatten propalästinensische Gruppierungen aus der ganzen Schweiz zusammen mit linken Bewegungen wie dem Klimastreik Schweiz oder der Kommunistischen Jugend.

Die Demonstration hatte im Nachgang zu heftigen Diskussionen und politischen Vorstössen geführt. Der Polizeiverband etwa kritisierte die „rohe Gewalt gegen die Polizei“.

Die Demonstrierenden sahen sich in ihrer Versammlungs- und Meinungsfreiheit verletzt. Amnesty kritisierte die Polizeiintervention in einem Bericht als „ungerechtfertigt und exzessiv“. Die Sicherheitsdirektion des Kantons Bern wiederum warf der Organisation deshalb unbelegte Behauptungen und die Verharmlosung von Gewalt vor.

(text:sda/bild:zvg kapo be)