8 Mai 2024

Berner Obergericht verurteilt Brasilianer zu langer Freiheitsstrafe

Das Berner Obergericht hat am Mittwoch den Schuldspruch wegen Mordes gegen einen 58-jÀhrigen Brasilianer bestÀtigt. Der Mann hatte Anfang Februar 2020 den neuen Freund seiner Ex-Frau umgebracht. Das Obergericht bestÀtigte auch die Strafe von 18 Jahren und drei Monaten.

Dazu kommt ein Landesverweis von 15 Jahren. FĂŒr die Strafkammer des Obergerichts unter der Leitung von Samuel Schmid war klar, dass der Angeklagte nicht in einem nach Provokationen eskalierenden, dynamischen Streit seinen Kontrahenten umgebracht hatte. Und er habe es schon gar nicht in Notwehr getan, kamen die Oberrichter zum Schluss.

Vielmehr habe der Angeklagte aus Eifersucht den neuen Freund seiner Ex-Frau gezielt töten wollen. Er habe es auf ein Treffen in seiner Wohnung in Bern-Bethlehem angelegt und dann hinterhĂ€ltig mit einem Messer fĂŒnfmal auf das Opfer eingestochen. Weil der Mann noch nicht tot gewesen sei, habe er ihn gewĂŒrgt und ihm schliesslich einen Plastiksack ĂŒber den Kopf gezogen, den er mit einem Klebeband festgezurrt habe. So sei das Opfer letztlich erstickt.

Danach habe der Angeklagte die Leiche in eine GrillhĂŒlle verpackt, in einen Wald bei Meikrich BE gefahren und den Toten angezĂŒndet. Das alles habe der gebĂŒrtige Brasilianer abgeklĂ€rt und rational gemacht.

GegenĂŒber der Polizei habe er zunĂ€chst den Ahnungslosen gespielt und dann schliesslich ein GestĂ€ndnis abgelegt, das eigentlich kaum eines sei. Der Angeklagte habe vielmehr versucht, sich selber in ein besseres Licht zu rĂŒcken. Seine Aussagen seien widersprĂŒchlich und nicht stringent gewesen.

So habe er beispielsweise zu Protokoll gegeben, vom nachmaligen Opfer provoziert worden zu sein. Der Freund der Ex-Frau habe versucht ein Messer zu ergreifen, dann seien sie beide zu Boden gegangen. Der Angeklagte berichtete weiter, er habe das Messer zu fassen bekommen und dann in Notwehr zugestochen.

Das Obergericht zog als Gegenbeweis die Befunde des Instituts fĂŒr Rechtsmedizin heran. Die StichkanĂ€le des Messers am Opfer sprĂ€chen eindeutig gegen die Version des Angeklagten, kam das Obergericht zum Schluss. Die Stiche seien dem Opfer im Stehen von hinten zugefĂŒhrt worden.

Es verneinte auch die vom Angeklagten ins Feld gefĂŒhrten Provokationen. Der neue Freund der Ex-Frau habe vor dem Aufeinandertreffen Angst gehabt und dies auch Dritten gegenĂŒber geĂ€ussert. Der Mann sei dem in der Kampfkunst Capoeira geschulten Angeklagten körperlich deutlich unterlegen gewesen. Er werde sich „zwei und dreimal gehĂŒtet haben“, dieses Kraftpaket von einem Mann zu provozieren, sagte Schmid.

Das Gericht vermerkte auch, dass sich auf dem Mobiltelefon des Angeklagten Gewaltdarstellungen gefunden hÀtten. Ausserdem habe seine Ex-Frau von hÀuslicher Gewalt berichtet.

Der Angeklagte habe mit seiner Tat eine „Schneise des Elends“ durch die beiden betroffenen Familien gezogen, betonte Schmid.

Das Obergericht bestÀtigte am Mittwoch das erstinstanzliche Urteil des Regionalgerichts vom Juni 2022 vollumfÀnglich. Die Staatsanwaltschaft hatte eine solche BestÀtigung in ihrem PlÀdoyer gefordert. Der Verteidiger hatte lediglich einen Schuldspruch wegen vorsÀtzlicher Tötung und eine Freiheitsstrafe von sechs Jahren und neun Monaten gefordert.

Das Urteil des Obergerichts kann noch ans Bundesgericht weitergezogen werden.

Der Mordfall ereignete sich Anfang Februar 2020 in einer Wohnbausiedlung in Bern-Bethlehem. Dort lebte der Angeklagte. Der neue Freund seiner Ex-Frau war Bewirtschafter der Siedlung. Der Angeklagte machte einen Wasserschaden geltend, den der Bewirtschafter einschÀtzen musste. So kam es zum verhÀngnisvollen Aufeinandertreffen der beiden MÀnner.

(text:sda/bild:unsplash-symbolbild)