10 Februar 2021

Berner Obergericht entscheidet ├╝ber Verwahrung von Bieler Rentner

Das bernische Obergericht muss entscheiden, ob der Bieler Rentner Peter Hans Kneub├╝hl verwahrt wird. Dieser wehrt sich gegen diese Massnahme. Er erschien am Mittwoch nicht vor Gericht.

Wie der vorsitzende Richter der Beschwerdekammer bei Verhandlungsbeginn bekanntgab, forderte das Obergericht Kneub├╝hl auf, an der Verhandlung teilzunehmen. Dieser schrieb aber dem Gericht in einem Brief, der am Mittwoch in Bern eintraf, er werde nicht kommen.

Er halte die Beschwerdekammer nicht f├╝r unabh├Ąngig. Es handle sich um einen „Streik“ gegen die „Korruption der Berner Beh├Ârden“. Die Beschwerdekammer entschied in der Folge, auf Kneub├╝hls Anwesenheit zu verzichten. Kneub├╝hls Position sei ja aus seinen vielen Eingaben an die Gerichte bestens bekannt.

Auch Kneub├╝hls Verteidiger war einverstanden, auf eine polizeiliche Vorf├╝hrung des Beschwerdef├╝hrers zu verzichten. Er sagte, Kneub├╝hl w├╝nsche sich eine Aufarbeitung der Ereignisse im Jahr 2010. Er habe aber begriffen, dass es jetzt nur um die Frage gehe, ob er verwahrt werden solle oder nicht.

Der heute 77-j├Ąhrige Peter Hans Kneub├╝hl wurde 2010 landesweit bekannt, als er vor der Zwangsr├Ąumung seines Hauses in Biel auf Polizisten schoss und einen von ihnen schwer verletzte. Nach einem mehrt├Ągigen Katz-und-Maus-Spiel mit der Polizei wurde der Rentner schliesslich oberhalb von Biel gefasst.

Das Regionalgericht Berner Jura-Seeland kam 2013 zum Schluss, der Rentner leide an einer schweren wahnhaften St├Ârung. Es taxierte den Angeklagten als schuldunf├Ąhig und verordnete eine station├Ąre psychiatrische Massnahme. Das bernische Obergericht und das Bundesgericht best├Ątigten dieses Vorgehen.

Im Rahmen der station├Ąren Massnahme solle sich Kneub├╝hl therapieren lassen, so die Idee. Packe er diese Chance nicht, drohe ihm eine Verwahrung, warnten seinerzeit die Richter.

Doch der als „renitenter Rentner“ und „Beh├Ârdenschreck“ bekannt gewordene Kneub├╝hl bestreitet, dass er an Verfolgungswahn leidet. Laut Beh├Ârden verweigerte er jegliche Therapie und medikament├Âse Behandlung. Aus diesem Grund stellten die Bew├Ąhrungs- und Vollzugsdienste des Kantons Bern beim Gericht den Antrag, die station├Ąre Massnahme wegen Aussichtslosigkeit durch eine Verwahrung abzul├Âsen.

Das erstinstanzliche Gericht entsprach im vergangenen M├Ąrz dieser Forderung. Schon damals erschien Kneub├╝hl nicht vor Gericht und zog dieses Urteil an die n├Ąchsth├Âhere Instanz weiter. Nun ist es am Berner Obergericht, ├╝ber das weitere Schicksal des Rentners zu entscheiden.

Im Strafvollzug hat Kneub├╝hl mehrfach mit Hungerstreiks f├╝r seine Anliegen gek├Ąmpft. Insbesondere wollte er von den Strafanstalten Thorberg ins Regionalgef├Ąngnis Thun zur├╝ckverlegt werden.

Das bernische Obergericht wird seinen Entscheid voraussichtlich am (morgigen) Donnerstag bekanntgeben. Allerdings begannen unmittelbar nach dem Entscheid, auf die Anwesenheit Kneub├╝hls zu verzichten, bereits die Pl├Ądoyers der Vertreter von Staatsanwaltschaft und Bew├Ąhrungs- und Vollzugsdienste des Kantons Bern sowie des Verteidigers.