22 Januar 2022

Beinahe 1800 Anmeldungen bei der IV wegen Long Covid

Bei der Invalidenversicherung (IV) haben im vergangenen Jahr 1775 Personen wegen Langzeitfolgen von Covid-19 angemeldet. Dies entspricht 3,6 Prozent aller Erstanmeldungen, wie das Bundesamt f├╝r Sozialversicherungen (BSV) am Samstag gegen├╝ber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA sagte.

Rolf Camenzind, Leiter Kommunikation des BSV, best├Ątigte damit einen Bericht der „Schweiz am Wochenende“. 70,6 Prozent der Anmeldungen betreffen Personen zwischen 46 und 65 Jahren. Der Rest ist j├╝nger. Die Menschen litten unter anderem an extremer M├╝digkeit und Kurzatmigkeit, aber etwa auch an Konzentrationsschwierigkeiten.

Einige der betroffenen Menschen bez├Âgen schon heute eine IV-Rente, so Camenzind. Bei ihnen gehe es darum abzukl├Ąren, ob durch eine Covid-Erkrankung neue Einschr├Ąnkungen hinzugekommen seien und der Grad der Arbeitsunf├Ąhigkeit angepasst werden m├╝sse.

Eine Erstanmeldung bei der IV bedeutet nicht, dass eine Rente ausbezahlt wird. Zun├Ąchst versucht die IV, die betroffene Person wieder in den Arbeitsmarkt einzugliedern.

Bis jetzt habe sich nur ein sehr kleiner Anteil der Long-Covid-Erkrankten bei der IV gemeldet, betonte Camenzind. Es sei aber anzunehmen, dass noch mehr Erstmeldungen hinzuk├Ąmen. Dies insbesondere von Personen, die nach zwei Jahren Krankheit keine Leistungen aus der Krankentaggeld-Versicherung mehr erhielten.

Auch Christian Salzmann vom Long Covid Network Schweiz erwartet eine Zunahme der Erstanmeldungen bei der IV. Viele Betroffene h├Ątten sich noch nicht angemeldet, da bei ihnen die Angst vorhanden sei, in eine „administrative M├╝hle“ zu geraten, sagte Salzmann auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.

Viele der im Long Covid Network organisierten Personen sind laut Salzmann in der ersten und zweiten Welle erkrankt. F├╝r sie werde nun der Ablauf der Frist bei der Krankentaggeld-Versicherung zum Thema.

Die IV empfiehlt Erkrankten im Sinne einer Fr├╝hintervention, sich bereits nach sechs Monaten Arbeitsunf├Ąhigkeit zu melden. Entsprechend hat das Long Covid Network Schweiz auch schon Erfahrungen mit Eingliederungsmassnahmen, namentlich Jobcoachings durch externe Fachleute.

Diese bezeichnete Salzmann gegen├╝ber Keystone-SDA als positiv. Wichtig sei die Abw├Ągung zwischen beruflicher Eingliederung und gesundheitlichen Aspekten, was das Arbeitspensum betrifft. Mute sich jemand zu viel zu, k├Ânne dies zum Zusammenbruch f├╝hren.

Was politische Massnahmen angeht, bekr├Ąftigte Salzmann die Forderung nach einem nationalen Long-Covid-Register. Auf diese Weise k├Ânnten Verl├Ąufe systematisch erfasst und Therapien angepasst werden. Wichtig sei zudem, dass das Problem in der ├ľffentlichkeit ├╝berhaupt wahrgenommen werde.

Der Bund hatte ein Long-Covid-Register in der vergangenen Woche abgelehnt.

(text:sda/bild:unsplash)