27 Juni 2023

Befragung zeigt Bedeutung der Berner Religionsgemeinschaften

Der erste Bericht zur «Religionsbefragung» zeigt die Bedeutung der privatrechtlich organisierten Religionsgemeinschaften im Kanton Bern fĂŒr grosse Teile der Bevölkerung auf. 223 Gemeinschaften haben an der Befragung teilgenommen und Auskunft ĂŒber ihre Angebote, TĂ€tigkeiten, Organisation und Ressourcen gegeben. Damit wird das Bild der vielfĂ€ltigen Berner Religionslandschaft geschĂ€rft.

Die vom Beauftragten fĂŒr kirchliche und religiöse Angelegenheiten (BKRA) des Kantons Bern durchgefĂŒhrte Befragung ist die erste dieser Art. Sie schliesst an die 2021 veröffentlichte Religionslandkarte an. 223 von 328 angeschriebenen privatrechtlich organisierten Religionsgemeinschaften haben an der Befragung teilgenommen. Der Bericht zeigt eine Momentaufnahme der Situation der Gemeinschaften und vermittelt vertiefte Erkenntnisse ĂŒber ihre Entwicklung.

Die Religionslandschaft des Kantons Bern hat sich in den letzten Jahrzehnten stark verĂ€ndert und ist vielfĂ€ltiger geworden. Rund 60 Prozent der BĂŒrgerinnen und BĂŒrger zĂ€hlen sich zu den Mitgliedern der drei öffentlich-rechtlich anerkannten Landeskirchen. Rund 12 Prozent der Bernerinnen und Berner gehören laut Bevölkerungsstatistik von 2021 einer privatrechtlich organisierten Religionsgemeinschaft an, davon die HĂ€lfte einer christlichen Gemeinschaft. Der Anteil der Menschen ohne Religionszugehörigkeit betrĂ€gt aktuell 25 Prozent. Die Befragung zeigt, dass sich buddhistische, hinduistische, islamische und weitere nichtchristliche Gemeinschaften im Kanton Bern erst nach 1975 gebildet haben.

GestĂŒtzt auf die Befragung schĂ€tzt der BKRA, dass wöchentlich rund 330 AnlĂ€sse stattfinden, die von insgesamt 30 000 Personen besucht werden. Neben Gottesdiensten oder vergleichbaren Feiern sind AnlĂ€sse zur Begleitung, Beratung oder religiösen Bildung der Mitglieder die hĂ€ufigsten Angebote. DarĂŒber hinaus unterstĂŒtzen die Gemeinschaften Einzelpersonen, leisten Sozialarbeit, fĂŒhren FreizeitaktivitĂ€ten fĂŒr unterschiedliche Zielgruppen durch und organisieren kulturelle Veranstaltungen. Privatrechtlich organisierte Religionsgemeinschaften haben fĂŒr ihre Mitglieder eine zentrale Funktion im Alltag und in kritischen Lebenssituationen.

Freiwillige erbringen wesentliche Teile der Arbeit: Sie leiten und unterstĂŒtzen religiöse Rituale, erledigen Sekretariatsaufgaben und reinigen die RĂ€umlichkeiten. Pro Woche werden im Durchschnitt rund 95 Stunden freiwillige Mitarbeit geleistet, wĂ€hrend rund 46 Arbeitsstunden finanziell entschĂ€digt werden. Dabei zeigt sich ein beachtlicher Unterschied zwischen christlichen und nichtchristlichen Gemeinschaften: Christliche Gemeinschaften entlöhnen wöchentlich im Schnitt 52 Arbeitsstunden, nichtchristliche Gemeinschaften nur 19 Arbeitsstunden.

Die Religionsbefragung macht die grosse Bedeutung der Religionsgemeinschaften fĂŒr einen betrĂ€chtlichen Teil der Berner Bevölkerung deutlich. Im Gegensatz zu den Landeskirchen stehen privatrechtlich organisierte Religionsgemeinschaften in keinem institutionellen VerhĂ€ltnis zum Kanton Bern. Der Bericht erleichtert die Bestrebungen des Kantons, die Herausforderungen an den Schnittstellen zwischen Staat und Religionsgemeinschaften zu erkennen und aktiv zu bearbeiten. Weiter sollen strukturelle Ungleichbehandlungen zwischen Angehörigen unterschiedlicher Religionen schrittweise identifiziert, analysiert und reduziert werden.

(text:pd/bild:csc)