28 April 2022

Avenir Suisse fordert Entflechtung beim Gl├╝cksspiel

Die Kantone verteilen Gelder aus dem Lotteriefonds immer wieder fragw├╝rdig. Das diagnostiziert die Denkfabrik Avenir Suisse und empfiehlt in einer Studie die Trennung des Gl├╝cksspiels von der Politik. Die Gl├╝cksspielertr├Ąge sollten direkt an die Bev├Âlkerung zur├╝ckgehen. Das g├Ąbe 115 Franken pro Jahr und Kopf.

In der Schweiz fliesst j├Ąhrlich eine Milliarde Franken aus dem Gl├╝cksspiel in politische T├Âpfe wie etwa die kantonalen Lotteriefonds, wie Avenir Suisse am Donnerstag mitteilte. Besser w├Ąre eine direkte R├╝ckverteilung an die Bev├Âlkerung.

Um die interkantonalen Lottoanbieter Swisslos und Loterie Romande habe sich eine eigentliche “Geldverteilungs-Industrie” gebildet, kritisiert Avenir Suisse. Derzeit wollen etliche Kantone einen Beitrag an die Erneuerung der Kaserne der Schweizergarde im Vatikan mit Geldern aus dem Lotterie-Topf bezahlen.

Im Kanton Luzern haben die Freidenker, die SP, die GLP und die Gr├╝nen gegen den Kantonsratsbeschluss das Referendum ergriffen. Abstimmungstermin ist am 25. September. Daneben sprachen die Kantone St. Gallen und Graub├╝nden Beitr├Ąge aus den Lotteriefonds.

Nicht nur politisiert sei die Gl├╝cksspielindustrie, sondern auch ineffizient organisiert, moniert Avenir Suisse weiter. Die Kosten f├╝r die rund 80 kantonalen Lotteriefonds sch├Ątzt die Studie gem├Ąss Avenir Suisse auf bis zu 22 Millionen Franken im Jahr.

Die Reibungskosten seien noch weitaus h├Âher. Schwerwiegender sind gem├Ąss der Studie aber die Interessenkonflikte durch die Verflechtung der einzelnen Staatsrollen.

Das schw├Ącht den Erkenntnissen zufolge die Rolle des Regulators. Zudem verhindere es eine Reform der Gl├╝cksspiel-Regulierung, welche sich wegen der Digitalisierung aufdr├Ąngen w├╝rde. Das historisch gewachsene System der Schweiz sei dadurch stark herausgefordert.

Nach Ansicht von Avenir Suisse sollte sich der Staat aus der Beteiligung an Gl├╝cksspielanbietern zur├╝ckziehen und die Verteilung der Ertr├Ąge entpolitisieren.

Ein zweiter Schritt soll die komplexen Institutionen entflechten. Heute gibt es gem├Ąss der Analyse mit dem Bund und den Kantonen zwei sich ├╝berlappende Gl├╝cksspielsph├Ąren. Daher sollten die Aufsichtsorgane zusammengef├╝hrt werden.

In einem dritten Schritt w├╝rde nach dem Abschied staatlicher Akteure aus der Gl├╝cksspielindustrie die Regulierung neu gestaltet. Avenir Suisse schl├Ągt einen modularen Ansatz mit einer Grundlizenz f├╝r die Betreiber vor. Damit k├Ânnte auch das heutige Prinzip, welches das analoge Spiel zuerst regelt, durch eine technologie- und wettbewerbsneutrale Regelung ersetzt werden.

(text:sda/bild:unsplash)