Ausstellung über Tourismus im Berner Oberland um 1900
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Der «Overtourism» am Thunersee ist ein aktuelles Thema. Doch wie sah das vor 150 Jahren aus? Ein neuer Ausstellungsteil im Schloss Oberhofen widmet sich dem «Fremdenverkehr» im Berner Oberland im 19. Jahrhundert.
Die malerische Thunerseeregion ist bei in- und ausländischen Gästen äusserst beliebt. In den letzten Jahren löste dies in der ansässigen Bevölkerung nicht nur Freude, sondern vermehrt auch Unzufriedenheit aus. Die Kritik gilt insbesondere dem Massentourismus mit der unkontrollierten Explosion der Parahotellerie über Plattformen wie Airbnb und der Belastung der Verkehrsinfrastruktur.
Tourismusboom um 1900
Schloss Oberhofen greift das Thema des beginnenden Tourismus im Berner Oberland auf und legt den Fokus auf die sich rasant entwickelnde Infrastruktur im 19. Jahrhundert. Während der Zeit der Belle Epoque entstanden Strassen, Bergbahnen und mondäne Hotels, die Dampfschifffahrt erlebte einen grossen Aufschwung und der Anschluss an internationale Verbindungen wurde über ein neues Eisenbahnnetz gewährleistet. Das Berner Oberland war auch unter Prominenten und gekrönten Häuptern ein beliebtes Ausflugs- und Aufenthaltsziel. Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 endete diese Blütezeit abrupt.
Ein Privileg der Oberschicht
Reisen war lange ein exklusives Vergnügen, ein Privileg begüterter Schichten, die über die nötige Zeit und das entsprechende Vermögen verfügten. Auch die damalige Besitzerin von Schloss Oberhofen, die Grafenfamilie Pourtalès-Harrach, liebte das Reisen. Anhand der in den historischen Schlossbüchern dokumentierten Reiseberichten konnten die regionalen Ausflüge der Familienmitglieder und ihrer Gäste anschaulich nachgezeichnet werden. Interaktive Stationen laden dazu ein, Destinationen wie Interlaken und Thun in ihrer touristischen Frühzeit zu erkunden
und mehr über das Aufkommen des regionalen «Fremdenverkehrs» – so der damals geläufige Ausdruck – zu erfahren.
Ein Schloss, zwei soziale Welten
Die Ausstellung «Tourismus im Berner Oberland um 1900» ist in der neu inszenierten Bibliothek der Gräfin Helene Harrach (1849-1941) zu erleben und gehört zur Dauerausstellung «Adliges Leben am Thunersee», die laufend erweitert wird. Im Kontrast dazu widmet sich die Dauerausstellung «Stets zu Diensten» dem Alltag der Hausangestellten, die unter demselben Dach wohnten wie die Herrschaften. So waren die Bediensteten mit dem Kofferpacken und dem Zubereiten des Wegproviants in der Schlossküche beschäftigt, wenn sich die Grafenfamilie auf ein weiteres Reiseabenteuer freute.
Schlössertag mit Galakutsche
Passend zum Thema «Tourismus im Berner Oberland um 1900» ist das Motto des diesjährigen Schweizer Schlössertags «Reisen». Speziell für den Schlössertag kehrt ein historisches Fahrzeug für einen einzigen Tag nach Oberhofen zurück: das originale Gala-Coupé des Grafen J. H. E. Siméon (1828-1908). Der Graf war in der Region kein Unbekannter, liess er doch das «Schlössli» bauen – den heutigen Sitz der Oberhofner Gemeindeverwaltung.
Die Saison 2026 dauert noch bis zum 1. November.
Schweizer Schlössertag: Sonntag, 4. Oktober 2026, 10 bis 17 Uhr
Beschreibung zum Bild: 1913 nahm die rechtsufrige elektrische Thunerseebahn den Betrieb auf. Plakat «Riviera des Thunersees» von Wilhelm Gimmi, 1915.
(text:sda/bild: schweizer plakatsammlung, zvg stiftung schloss oberhofen)