10 Februar 2024

Augenzeugen: Israels Armee bombardiert Ziele in Rafah

Israels Armee hat Augenzeugen zufolge trotz internationaler Warnungen Ziele in der Stadt Rafah im SĂŒden des Gazastreifens angegriffen. Bei Angriffen aus der Luft auf zwei HĂ€user sollen am Samstag mehr als 20 Menschen getötet worden sein, hiess es aus medizinischen Kreisen. Auch der BĂŒrgermeister der Stadt im SĂŒden des KĂŒstengebiets, Ahmed al-Sufi, bestĂ€tigte der Deutschen Presse-Agentur die Opferzahl.

Israelische Soldaten bombardierten ausserdem ein Fahrzeug der Hamas und töteten dabei drei Personen, darunter den Chef des Polizeigeheimdienstes der Islamistenorganisation sowie dessen Stellvertreter, wie es am Samstag aus Polizeikreisen und von Augenzeugen hiess. Die Angaben liessen sich allesamt zunĂ€chst nicht unabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒfen. Israels MilitĂ€r Ă€usserte sich zunĂ€chst nicht konkret. Die Armee halte sich bei ihren EinsĂ€tzen an das Völkerrecht und treffe Vorkehrungen, um den Schaden fĂŒr die Zivilbevölkerung gering zu halten, teilte sie auf Anfrage lediglich mit.

Es waren nicht die ersten Berichte ĂŒber Angriffe auf Ziele in der Stadt nahe der Grenze zu Ägypten. In der vergangenen Wochen hatte das israelische MilitĂ€r dort Augenzeugen zufolge hĂ€ufiger Stellungen von Hamas-Mitgliedern attackiert. Den Angaben nach waren die Angriffe am Samstag aber die bislang intensivsten. Rafah ist der einzige Ort im gesamten KĂŒstenstreifen, in dem die Hamas noch die Kontrolle ausĂŒbt.

Derzeit sind in der Stadt noch keine israelischen Bodentruppen im Einsatz. Rafahs BĂŒrgermeister Al-Sufi warnte vor einem Vorstoss der Armee in den Ort. „Jeder MilitĂ€reinsatz in der Stadt, in der mehr als 1,4 Millionen PalĂ€stinenser leben, wird zu einem Massaker und einem Blutbad fĂŒhren.“

Israels MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu hatte zuvor der Armee den Befehl erteilt, eine Offensive auf Rafah vorzubereiten. In der Stadt gebe es noch immer vier verbleibende Hamas-Bataillone. Demnach soll die MilitĂ€rfĂŒhrung die Evakuierung der Zivilisten in dem Ort planen.

Eine MilitÀroffensive in Rafah gilt als hochproblematisch. In dem Ort, der vor dem Krieg rund 300 000 Einwohner hatte, sollen sich inzwischen weit mehr als eine Million PalÀstinenser aufhalten. Die meisten von ihnen flohen vor dem Krieg aus anderen Teilen des Gazastreifens dorthin, zum Teil auf Anordnung des israelischen MilitÀrs.

UN-GeneralsekretĂ€r AntĂłnio Guterres hatte bereits zuvor vor einer humanitĂ€ren Katastrophe und Folgen fĂŒr die gesamte Region gewarnt. Die HĂ€lfte der Bevölkerung des Gazastreifens sei in Rafah zusammengepfercht und könne nirgendwo anders hin. Auch die US-Regierung und die deutsche Aussenministerin Annalena Baerbock hatten sich in den vergangenen Tagen deutlich gegen ein militĂ€risches Vorgehen in Rafah ausgesprochen.

Netanjahu geht einem israelischen Medienbericht zufolge davon aus, dass Israel aufgrund des internationalen Drucks nur rund einen Monat Zeit fĂŒr eine Offensive in Rafah hĂ€tte. Der Einsatz muss demnach bis zum 10. MĂ€rz abgeschlossen sein. An dem Tag beginnt fĂŒr Muslime weltweit der Fastenmonat Ramadan.

Auslöser des Gaza-Kriegs war das beispiellose Massaker, das Terroristen der Hamas und anderer extremistischer Gruppen am 7. Oktober im SĂŒden Israels verĂŒbt hatten. Israel reagierte mit massiven Luftangriffen und einer Bodenoffensive.

(text:sda/bild:keystone)