«Auch Beschneiung ist limitiert»
Durch die Klimaveränderung werden die Winter in den Alpen zunehmend schneeärmer. Niederschläge dürften vermehrt als Regen statt als Schnee fallen und auch die durchschnittliche Nullgradgrenze wird weiter ansteigen. Das zeigt eine Studie des Bundesamtes für Klimaforschung und Meteorologie mit der ETH Zürich. Und es hat Auswirkungen auf den Wintersport: Die Schneesicherheit in den Skigebieten nimmt ab, Beschneiung wird immer zentraler.
Schon heute gehe es eigentlich kaum mehr ohne, erklärt der im Oberland aufgewachsene ETH-Klimaforscher Reto Knutti im Interview mit Radio BeO. Rund die Hälfte der Pistenkilometer in der Schwiez würden schon heute beschneit. In Tirol seien es gar schon an die hundert Prozent.
Das der künstliche Schnee derart an Wichtigkeit gewonnen habe, habe auch mit der Beanspruchung der Pisten zu tun, so Knutti weiter, mit der gewünschten Schneesicherheit über mindestens hundert Tage, wie das bei grossen Skigebieten oft der Fall ist. Aber auch die Beschneiung sei limitiert, gibt Knutti zu Bedenken: Einerseits durch die Verfügbarkeit von Wasser und Strom und andererseits durch die Anzahl kalter Tage. Denn auch diese würden tendenziell abnehmen. Typischerweise brauche ein Skigebiet etwa hundert Stunden zum Einschneien, wenn es nicht lange genug kalt sei, könne man auch nicht beschneien. Je kürzer also diese Beschneiungszeitfenster werden, desto mehr Infrastruktur brauche es. Auch brauche es dann auf kürzere Zeit mehr Wasser. Da würden Leitungen nicht mehr ausreichen, es werde wohl Reservoirs vor Ort brauchen, so Knutti.
Es gäbe mit Blick auf die Skigebiete zwei Herangehensweisen: Kleinere Skigebiete mit einer vergleichsweise kleinen Infrastruktur könnten allenfalls nur noch offen sein, wenn es Schnee hat. Bleibt der Schnee aus, würde das Skigebiet geschlossen bleiben und habe entsprechend auch nur geringe Kosten. Bei den grösseren Skigebieten sei das allerdings nicht möglich – sie müssen ihren Saisonabo-Kundinnen und Kunden auch die Möglichkeit bieten, tatsächlich Ski zu fahren. Hier zeigt sich: Beschneien ist nicht nur eine klimatische, sondern auch eine wirtschaftliche Frage: Beschneiungsinfrastruktur ist teuer. Da werden sich auch die grossen Skigebiete fragen müssen, wo Beschneiung Sinn macht und sich noch lohnt, und wo eben nicht.
(text:csc/bild:unsplash)