22 M├Ąrz 2023

Apotheken sollen gewisse Medikamente in Teilmengen abgeben

Wenn die Originalpackungen nicht mehr erh├Ąltlich sind, sollen Apotheken oder ├ärztinnen und ├ärzte gewisse Medikamente ab Donnerstag in Teilmengen abgeben. Das empfiehlt die „Taskforce Engpass Medikamente“, wie das Bundesamt f├╝r wirtschaftliche Landesversorgung (BWL) mitteilte.

Wegen der aktuellen Versorgungsst├Ârung seien bei gewissen Medikamenten nicht mehr alle Packungsgr├Âssen lieferbar, schrieb das BWL am Mittwoch in einer Medienmitteilung. In diesen F├Ąllen bestehe die Gefahr, dass mehr Medikamente abgegeben w├╝rden als f├╝r eine Therapie notwendig seien. Die Reste m├╝ssten anschliessend entsorgt werden.

So seien zum Beispiel in bis zu 50 Prozent der Antibiotika-Packungen mehr Tabletten enthalten, als f├╝r eine Therapie n├Âtig w├Ąren. Mit der vorgeschlagenen Massnahme k├Ânnten die verf├╝gbaren Medikamente auf eine gr├Âssere Anzahl Patientinnen und Patienten ausgedehnt werden, hiess es weiter.

Der Entscheid ├╝ber die Dauer einer Therapie liege aber weiterhin bei den medizinischen Fachpersonen. Und die Patientinnen und Patienten erhielten auch nach wie vor die f├╝r eine erfolgreiche Therapie notwendige Menge.

Es m├╝sse weiterhin der originale Beipackzettel abgegeben und auch die Teilmengen m├╝ssten gem├Ąss der Originalverpackung beschriftet, kontrolliert und dokumentiert werden. Damit sei die R├╝ckverfolgbarkeit gew├Ąhrleistet, falls es zu einem R├╝ckruf kommen sollte. Die Massnahme sei zeitlich begrenzt und werde nur so lange aufrecht erhalten, bis sich die Versorgungssituation der betroffenen Wirkstoffe wieder stabilisiert habe.

Spitalapotheker Enea Martinelli und Mitglied der Taskforce sagte gegen├╝ber der Radio-SRF-Sendung „Info3“, die Abgabe von Teilmengen helfe sicher, die Situation ein bisschen zu entspannen. Aber es handle sich lediglich um eine kurzfristige Massnahme, die auch nur kurzfristig Entlastung bringen k├Ânne.

Welche Medikamente als Teilmengen abgegeben werden k├Ânnten, werde das BWL auf seiner Webseite bekannt geben. Diese Liste werde monatlich aktualisiert. Nicht in Frage f├╝r eine Teilabgabe k├Ąmen Fl├╝ssigkeiten, Brausetabletten und Tabletten in Mehrdosenbeh├Ąltnissen. Tabletten und Kapseln in einer Durchdr├╝ckpackung – sogenannte Blister – d├╝rften nicht herausgedr├╝ckt werden.

Nachdem der BWL-Bereich Heilmittel die Versorgungssituation bei Arzneimitteln als „problematisch“ eingesch├Ątzt hatte, wurde Ende Januar die Taskforce Engpass Medikamente eingesetzt. Dazu geh├Âren unter anderem auch der ├ärzteverband FMH und der Schweizerischen Apothekerverband Pharmasuisse.

Gleichzeitig vermeldete auch das Bundesamt f├╝r Gesundheit (BAG) verschiedene Massnahmen, um die Medikamenten-Versorgung der Schweizer Bev├Âlkerung sicherzustellen. So w├╝rden seit Anfang Jahr von Apotheken selber hergestellte Arzneimittel – zum Beispiel ein Kindersirup zur Schmerzbehandlung – unter gewissen Bedingungen von den Krankenversicherern verg├╝tet.

Ausserdem will das BAG bei lebenswichtigen und g├╝nstigen Medikamenten wie zum Beispiel Antibiotika „in begr├╝ndeten F├Ąllen“ auf Preissenkungen verzichten und stattdessen die Preise erh├Âhen. Denn zu tiefe Preise k├Ânnten dazu f├╝hren, dass die Herstellerinnen die Produkte wegen fehlender Rentabilit├Ąt von Schweizer Markt n├Ąhmen. Damit sollen die Medikamente weiterhin verf├╝gbar bleiben.

(text:sda/bild:sda)