10 März 2026

Antisemitismus in der Schweiz bleibt auf hohem Niveau

Die Anzahl antisemitischer Vorfälle in der Schweiz ist im Jahr 2025 auf einem hohen Niveau geblieben. Während in der realen Welt ein Rückgang zu verzeichnen war, registrierte der Israelitische Gemeindebund eine starke Zunahme von Online-Antisemitismus.

Im Internet wurden im Berichtsjahr fast 2200 Vorfälle erfasst, wie dem am Dienstag veröffentlichten Antisemitismusbericht des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebunds (SIG) und der Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus (GRA) zu entnehmen ist. Im Jahr zuvor waren es rund 1600. Das entspricht einer Zunahme um 37 Prozent.

Zwei Drittel und damit der grösste Teil der Online-Vorfälle entfiel dem Bericht zufolge auf die Nachrichtenplattform Telegram, gefolgt von den Kommentarspalten von Online-Zeitungen. Auf allen grossen Social-Media-Plattformen seien antisemitische Inhalte zu finden gewesen. Inhaltlich dominierten antisemitische Verschwörungstheorien mit einem Anteil von 42 Prozent.

„Ein Teil der Erklärung liegt sicher in den sozialen Medien selbst“, begründet SIG-Präsident Ralph Friedländer den Anstieg in einem ebenfalls am Dienstag veröffentlichten Interview mit CH Media. Algorithmen würden dafür sorgen, dass sich sogenannte Bubbles bildeten und Menschen sich gegenseitig bestärkten. Zudem sei die Hemmschwelle online wegen der Anonymität kleiner.

„Diese Dynamik wird von Triggerereignissen wie dem Nahostkonflikt zusätzlich verstärkt“, sagt Friedländer. Nach dem Waffenstillstand in Gaza Anfang Oktober sei der Anteil der Vorfälle mit direktem Bezug zum Nahen Osten im letzten Quartal 2025 zurückgegangen, sagt der SIG-Präsident zum Medienhaus. Aufgrund des Iran-Kriegs drohe wieder ein Anstieg. Zahlen dazu gebe es noch nicht.

In der „realen Welt“ sind die Vorfälle 2025 laut dem Bericht verglichen mit dem Vorjahr um rund ein Fünftel auf 177 zurückgegangen. Gemeldet wurden fünf Tätlichkeiten, 42 Beschimpfungen, 80 antisemitische Aussagen und 28 Schmierereien.

Eine Rückkehr zum Niveau vor dem 7. Oktober 2023 sei nicht erkennbar, heisst es weiter. Zum Vergleich: Im Berichtsjahr 2022 registrierte der SIG – exklusive online – 57 antisemitische Vorfälle. Der Krieg im Nahen Osten sei übergreifend der wichtigste Auslöser geblieben, online bei rund einem Viertel der Inhalte, in der realen Welt bei mehr als einem Drittel.

Die anhaltend hohe Anzahl der Vorfälle wirke sich zunehmend auf das Sicherheitsgefühl und die gesellschaftliche Teilhabe jüdischer Menschen in der Schweiz aus, schrieben die SIG und die GRA in der gemeinsamen Mitteilung. Sie warnen davor, dass Politik und Gesellschaft ein gewisses Mass an Antisemitismus als normal oder unvermeidbar hinnehmen würden. „Einer solchen Entwicklung muss entschieden entgegengetreten werden.“

(text:sda/bild:unsplash)