21 Oktober 2023

An der Zulg in Steffisburg entsteht eine einmalige Wasserschöpfanlage

Da die MĂŒllerschwelle zu Gunsten der Hochwassersicherheit um rund zwei Meter abgesenkt werden muss, kann das Wasser der Zulg nicht mehr im natĂŒrlichen GefĂ€lle in den MĂŒhlebach eingeleitete werden. UrsprĂŒnglich war geplant, das Wasser aus dem tiefer gelegten RĂŒckhaltebecken mittels einer Schneckenpumpe in den MĂŒhlebach zu fördern. Verschiedene andere Möglichkeiten, wie die flussaufwĂ€rts verlegte Fassung oder eine DĂŒkerlösung wurden im Rahmen der Projektierung aus verschiedenen GrĂŒnden verworfen. In einem Postulat verlangte das Parlament vom Gemeinderat noch einmal alle möglichen Varianten zur fremdenergiefreien Beschickung des MĂŒhlebachs mit Wasser zu prĂŒfen.

Aufgrund eines Artikels zu einem Wasserschöpfrad bei den WĂ€sserwiesen an der Glatt, hat der Projektingenieur im November 2022 eine Wasserschöpfanlage als mögliche Alternative zur Schneckenpumpe vorgeschlagen. Was aufgrund der kleinen Trockenwassermenge in der Zulg zunĂ€chst als unrealistisch erschien, nahm im Rahmen der Detailbearbeitung plötzlich konkrete Formen an. Im Gegensatz zur Wasserschöpfanlage in der Glatt, besteht die geplante Anlage in der Zulg aus zwei separaten Anlageteilen, dem Antriebs- und dem Schöpfrad. Die beiden RĂ€der werden mittels einer Zahnradstufe verbunden. Um einen optimalen Betrieb zu erreichen, ergeben sich fĂŒr die RĂ€der unterschiedliche Drehzahlen. Die grundsĂ€tzliche Konstruktion der Anlageteile basiert mehrheitlich auf Grundlagen aus dem 19. Jahrhundert. Kurz bevor die WasserrĂ€der durch Turbinen und letztlich die elektrische Energie abgelöst wurden, waren insbesondere in Deutschland sehr viele WasserschöpfrĂ€der in Betrieb. Der Aussendurchmesser des Antriebsrades betrĂ€gt ca. 5.5 Meter, jener des Schöpfrads rund 3.6 Meter. WĂ€hrend das Antriebsrad mit 24 Schaufeln bestĂŒckt ist, verfĂŒgt das Schöpfrad ĂŒber 12 zylindrische Eimer.

Die Anlage fĂŒhrt indessen aber auch zu namhaften Mehrkosten. Der Gemeinderat hat im September 2023 dem entsprechenden Nachkredit von CHF 720’000.00, welcher fĂŒr die Realisierung des wasserbetriebenen Schöpfrads erforderlich ist, zugestimmt. „Es freut mich ausserordentlich, dass der Gemeinderat dem nötigen Nachkredit zugestimmt hat. Die geplante Wasserschöpfanlage wird ein Novum in der Schweiz und dementsprechend eine Attraktion fĂŒr Steffisburg sein“, sagt Marcel Schenk, Vorsteher der Abteilung Tiefbau/Umwelt der Gemeinde Steffisburg.

Mit dem Bau einer Wasserschöpfanlage zur Beschickung des kultur-historisch wertvollen MĂŒhlebachs in ergreift die Gemeinde Steffisburg die einmalige Gelegenheit, eine technisch anspruchsvolle und ökologisch nachhaltige Konstruktion mit Bezug zur Steffisburger Geschichte zu realisieren, die ĂŒber die Region hinaus Beachtung finden wird. Die Investitionskosten relativieren sich in Anbetracht der Folgekosten, welche insbesondere im Strombezug und dem Pumpenunterhalt eingespart werden können. Im Rahmen der gesamten Planung des Hochwasserschutzes und der LĂ€ngsvernetzung hat sich immer wieder gezeigt, wie viele Emotionen der MĂŒhlebach und dessen Beschickung auslöst. Wie der Bau des MĂŒhlebachs vor einigen hundert Jahren wohl eine Innovation darstellte, ist die Realisierung der Wasserschöpfanlage wiederum als solche zu bezeichnen.
2015 wurde entlang dem MĂŒhlebach ein Themenweg realisiert. Dieser fĂŒhrt von der MĂŒller-Schwelle bis zur Aare. An verschiedenen Standorten am MĂŒhlebach erzĂ€hlen Informationstafeln aus der Geschichte des MĂŒhlebachs und zeigen, welche Gewerbe- und Industriebetriebe dank des MĂŒhlebachs in Steffisburg betrieben werden konnten.

(text&bild:pd)