19 Juli 2023

Air Zermatt rechtfertigt RĂŒckzugsdrohung mit Sicherheit

Die Helikopterfirma Air Zermatt hat ihre RĂŒckzugsdrohung vom Waldbrand bei Bitsch VS mit SicherheitsĂŒberlegungen begrĂŒndet. WĂ€re ein Super Puma der Armee beim Löschen zum Einsatz gekommen, wĂ€re die Flugdichte zu hoch und damit die Flugsicherheit nicht mehr gewĂ€hrleistet gewesen.

Die Sicherheit der Crews habe höchste PrioritĂ€t, liess sich der Air-Zermatt-GeschĂ€ftsfĂŒhrer und Pilot Gerold Biner am Mittwoch in einem von der Firma gefĂŒhrten Interview zitieren. VerwaltungsratsprĂ€sident Philipp Perren hatte am Dienstag in einem E-Mail mit dem RĂŒckzug seiner Firma von den Löscharbeiten gedroht, wie die Zeitung “Walliser Bote” berichtete.

Er sah das SubsidiaritÀtsprinzip verletzt. Dieses legt fest, dass die Armee erst zum Einsatz kommt, wenn die zivilen Mittel ausgeschöpft sind. Die Armee werde eingesetzt, weil sie gratis sei, warf Perren den Behörden vor.

Sein GeschĂ€ftsfĂŒhrer Biner verwahrte sich im Interview gegen den Vorwurf der Geldgier, dem sich die Air Zermatt ausgesetzt sah. Die Einsatzleitung habe das vom eigens eingesetzten Lufttransport-Koordinator bei der Air Zermatt vorgeschlagene Helikopter-Aufgebot gebilligt.

Demnach sollten drei Grosshelikopter und zwei weitere Helikopter löschen. Das waren gemĂ€ss Biner ein privater Super Puma aus dem Ausland mit einer LöschwasserkapazitĂ€t von 4000 Litern, zwei K-Max-Helikopter mit 2300 Litern KapazitĂ€t und zwei Écureuil-Helikopter. Ein Super Puma der Armee sei am Montagabend bereits vor den drei Grosshelikoptern eingesetzt worden.

Am Dienstagmorgen sei der Koordinator bei der Air Zermatt unter permanentem Druck “verschiedener Seiten” geraten, die Super Pumas der Armee einzusetzen. Bei einem zusĂ€tzlichen Grosshelikopter hĂ€tte aber die Sicherheit auf dem Spiel gestanden, sagte Biner.

Deshalb habe sich der Koordinator gegen den Einsatz von Armee-Helikoptern entschieden. Komme hinzu, dass die eingesetzten Helikopter mehr Löschwasser transportieren können als die Super Pumas der Armee. Am Dienstagnachmittag habe der Koordinator die Armee-Helikopter aber umgehend eingesetzt, als zusÀtzliche Mittel nötig wurden.

HĂ€tte die Air Zermatt die Sicherheit ihrer Crews nicht mehr garantieren können, hĂ€tte sie sich vom Einsatz zurĂŒckziehen mĂŒssen, erklĂ€rte der GeschĂ€ftsfĂŒhrer.

Die kantonale Sicherheitsdirektion im Wallis teilte auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA mit, die Hilfe der Armee sei in solchen FĂ€llen eine Trumpfkarte, vor allem wegen ihrer AusrĂŒstung. So verfĂŒge das MilitĂ€r ĂŒber eine grosse DurchhaltefĂ€higkeit, bedeutende KapazitĂ€ten zum Wassertransport und ĂŒber WĂ€rmebildkameras zur Beurteilung der Lage.

Über einen Armee-Einsatz wĂŒrden die Gemeinde- und Kantonsbehörden entscheiden und nicht Private, unterstrich die Direktion. Die Air Zermatt leiste dank grosser Erfahrung hervorragende Arbeit. Dennoch verfĂŒge das MilitĂ€r ĂŒber wichtige komplementĂ€re Instrumente fĂŒr eine effiziente BrandbekĂ€mpfung.

Nach Angaben von Armeesprecher Stefan Hofer beteiligte sich am Montag ein Super Puma an den Löscharbeiten. Am Dienstag war die Luftwaffe mit zwei Helikoptern vor Ort. Einer flog am Nachmittag LöscheinsÀtze, der andere hielt sich in Bereitschaft.

Zur Frage des SubsidiaritÀtsprinzips und der Kritik seitens des privaten Helikopterunternehmers sagte Hofer, ein Armeeeinsatz erfolge einzig auf Ersuchen und unter Leitung der zivilen Behörden.

(text&bild:sda)