3 Februar 2026

89 Wolfsabschüsse und die Frage nach deren Wirkung

Die Wolfsjagd ist vorbei. 89 Raubtiere liessen die Schweizer Behörden in der sogenannten Regulierungsphase zwischen September und Januar von den kantonalen Wildhütern und Jägern erschiessen. Die Wirkung dieser Tötungen ist umstritten.

Acht Kantone liessen Wölfe abschiessen – Graubünden, Wallis, Waadt, Tessin, Glarus, Schwyz, Neuenburg und St. Gallen. Dies zeigte die neueste Statistik der Stiftung Kora von Dienstagmittag. Es war die zweite Regulierungsphase, in der die Kantone präventive Abschüsse auf Grundlage des revidierten Jagdgesetzes ausführen dürfen. Heuer wurden drei Raubtiere weniger getötet als im Vorjahr.

Wie schon im vergangenen Jahr dominierte Graubünden bei den Abschüssen klar. 35 Wölfe wurden im Bergkanton getötet – 13 weniger als im Vorjahr. Auf Platz zwei folgt das Wallis mit 24 Abschüssen. Die Waadtländer Behörden töteten zehn Wölfe, gefolgt vom Kanton Tessin mit sechs Abschüssen. In Glarus fielen fünf Wölfe der Regulierung zum Opfer, in Neuenburg waren es vier, im Kanton Schwyz drei und in St. Gallen zwei. In Bern und Obwalden lagen den Behörden zwar Abschussbewilligungen durch das Bundesamt für Umwelt (Bafu) vor, geschossen wurden aber keine Wölfe.

Mit 12 Rudeln zählt der Kanton Graubünden die meisten Wölfe. Demzufolge reichte der Kanton beim Bafu auch die meisten Abschussgesuche ein. Mit 35 Tieren wurde das bewilligte Kontingent nicht ganz ausgenutzt. Dennoch zeigten sich die Behörden zufrieden. Die Rahmenbedingungen mit wenig Schnee und der resultierenden grösseren Verteilung der Beute- und Raubtiere seien etwas schwierig gewesen, sagte der Co-Leiter des Amtes für Jagd und Fischerei (AJF), Adrian Arquint, auf Anfrage von Keystone-SDA.

Getötet wurden 32 Wölfe aus zehn Rudeln, wie das AJF schrieb. Zudem seien drei Einzelwölfe wegen Verhaltensauffälligkeiten erlegt worden. Drei Rudel wollten die Behörden vollständig eliminieren. Ob dies gelungen sei, zeige sich erst nach der DNA-Auswertung im Frühling, so Arquint.

Der Verein Wolfs-Hirten hingegen warf dem Kanton Graubünden eine Zurückdrängung der Population vor. „Ganze Wolfsfamilien wurden kollektiv bestraft und gezielt Welpen getötet“, schrieb der Verein in einer Mitteilung am Dienstagmorgen. Politische Interessen würden den Diskurs überlagern.

„Es braucht eine Regulierung bei den Wölfen, wie auch bei anderen Tieren“, konterte Arquint. Die Konflikte müssen auf ein tragbares Mass reduziert werden können.

Dem pflichtete auch die zuständige Regierungsrätin Carmelia Maissen (Mitte) bei: Die Ausbreitung der Raubtiere habe in der Landwirtschaft für grosse Konflikte gesorgt. Die Regulierung trage zu einem akzeptablen Zustand bei, sagte sie Keystone-SDA. Doch das Wolfsmanagement bedürfe in naher Zukunft einer Weiterentwicklung, so Arquint: „Es braucht schnelleres Handeln und weniger administrative Hürden.“

Doch auch die Naturschutzorganisationen Pro Natura, WWF Schweiz, die Gruppe Wolf Schweiz und Birdlife Schweiz hinterfragen die Wolfstötungen, wie sie in einer gemeinsamen Mitteilung schrieben. Gemäss den nationalen Zahlen blieben die Nutztierrisse auf einem tiefen Niveau. Doch diese Entwicklung habe bereits vor der Wolfsjagd von September bis Januar begonnen, betonten sie.

„Der Schlüssel zur möglichst konfliktfreien Koexistenz von Alpwirtschaft und Wolf bleibt der Auf- und Ausbau des Herdenschutzes“, schrieben die Verbände. Sie forderten deshalb eine Wirkungskontrolle. Es müsse genau untersucht werden, welche Auswirkungen die Tötungen wirklich haben.

Diese Frage stellten sich auch die Behörden im Kanton Waadt. Zehn Wölfe liessen sie töten, doch die Nutztierrisse blieben auf einem hohen Niveau – 160 davon registrierte der Kanton im vergangenen Jahr, wie es in einer Mitteilung hiess.

2025 seien 26 Personen für die Wolfsjagd eingesetzt worden – teilweise auf Kosten anderer wichtiger Aufgaben, etwa im Bereich der Bewirtschaftung weiterer Schaden verursachender Tierarten, so die Behörden.

Es seien also erhebliche Mittel eingesetzt worden und trotzdem hätten die Risszahlen nicht merklich abgenommen. „Dies unterstreicht die Notwendigkeit, die Wirksamkeit der getroffenen Massnahmen laufend zu überprüfen“, hiess es weiter. Die Stiftung Kora analysiert nun im Auftrag des Kantons die Auswirkungen der Wolfsjagd.

Um die Abschüsse beurteilen zu können, müssten sowohl die Herdenschutz- als auch die Regulationsmassnahmen über mehrere Jahre umgesetzt und entsprechende Erfahrungen und Daten gesammelt werden, hiess es im Kanton Graubünden. Für abschliessende Erkenntnisse sei es jetzt noch zu früh, betonte Arquint.

Sobald diese vorlägen, wolle man langfristige Erfahrungen der Abschüsse bei den Wölfen selbst und Auswirkungen auf andere Wildtiere und ihre Umwelt ins Wolfsmanagement einfliessen lassen, versprach der Co-Leiter des AJF weiter.

Das grundlegende Ziel sei immer, den Bestand nicht zu gefährden. Zusammen mit dem Herdenschutz bedürfe es aber menschlichen Eingreifens, um eine Koexistenz zwischen Mensch und Wolf zu erreichen und die Konflikte mit der Landwirtschaft zu reduzieren.

(text:sda/bild:unsplash)