15 Januar 2024

2800 WEF-Teilnehmer diskutieren ab Montag √ľber Kriege und Krisen

Das Weltwirtschaftsforum (WEF) beginnt am Montagabend in Davos GR, bevor es am Dienstag von Bundespräsidentin Viola Amherd offiziell eröffnet wird. Erwartet werden während der Tagungswoche rund 2800 Teilnehmer, darunter Dutzende von Staats- und Regierungschefs.

Im Zentrum stehen die Kriege und Krisen dieser Welt. Auf Schweizer Seite sind es die bilateralen Beziehungen mit der EU. Der seit fast zwei Jahren andauernde russische Angriffskrieg in der Ukraine stand bereits im Zentrum vorheriger Konferenzen – nun kommen der Krieg zwischen Israel und der radikalislamischen Hamas und die Sorge vor einer Ausweitung des Konflikts im Nahen Osten dazu.

Wichtigster Gast ist der ukrainische Pr√§sident Wolodymyr Selenskyj. Er will am Dienstag f√ľr eine Rede pers√∂nlich nach Davos reisen. Vom Angreifer Russland ist offiziell erneut niemand dabei. Daf√ľr nimmt der chinesische Ministerpr√§sident Li Qiang teil. Er reiste bereits am Sonntag in die Schweiz. China gilt als Verb√ľndeter Russlands, und der Westen hofft, √ľber Peking Einfluss auf Moskau nehmen zu k√∂nnen.

Der im eskalierenden Nahost-Konflikt dauervermittelnde US-Aussenminister Antony Blinken reist ebenfalls nach Davos. Wichtig sind weiter der geplante Auftritt des israelischen Präsidenten Isaac Herzog und die Teilnahme von Ministern der im Konflikt als Vermittler geltenden Länder Katar und Vereinigte Arabische Emirate.

Das Forum in den Bergen finde „vor dem kompliziertesten geopolitischen und geo√∂konomischen Hintergrund seit Jahrzehnten statt“, sagte WEF-Pr√§sident B√łrge Brende im Vorfeld des Treffens, das unter dem Motto „Rebuilding Trust“ („Vertrauen wiederherstellen“) steht. Neben den Kriegen sollen auch die Klimakrise, steigende Lebenshaltungskosten und die Herausforderungen durch K√ľnstliche Intelligenz (KI) Themen der Beratungen sein.

Die Zentralbanker – darunter Christine Lagarde von der Europ√§ischen Zentralbank und der Schweizer Nationalbank-Pr√§sident Thomas Jordan – sowie die 1600 Wirtschaftsf√ľhrer am WEF sehen sich mit einer schwierigen Weltwirtschaftslage konfrontiert: Mittelm√§ssiges Wachstum, hohe Zinss√§tze, politische Risiken, Nachwirkungen der Corona-Pandemie und wachsende Schulden.

Gut vertreten sind auch US-Tech-Konzerne: Reden werden etwa Marc Benioff, CEO des Unternehmenssoftware-Spezialisten Salesforce, Microsoft-Chef Satay Nadella und Alex Karp von der Datenanalysefirma Palantir. Gast sein soll auch der milliardenschwere Microsoft-Gr√ľnder und Philanthrop Bill Gates.

Auf Schweizer Seite sind dutzende bilaterale Treffen geplant. F√ľr die Bundesbeh√∂rden soll das WEF eindeutig die Wiederaufnahme der bilateralen Verhandlungen mit der EU verankern. Verteidigungsministerin und Bundespr√§sidentin Amherd wird diesen Ansatz in ihren bilateralen Gespr√§chen in Davos betonen. Aussenminister Ignazio Cassis trifft sich mit dem f√ľr das Schweizer Dossier zust√§ndigen Vizepr√§sidenten der Europ√§ischen Kommission, Maros Sefcovic.

Die Wiederankn√ľpfung der Schweiz an das europ√§ische Forschungsprogramm soll ebenfalls diskutiert werden, insbesondere von Bundesrat Guy Parmelin, der seinerseits die EU-Kommissarin f√ľr Innovation, Forschung und Bildung Iliana Ivanova treffen wird. Das WEF bietet auch dem neuen Justizministers Beat Jans Gelegenheit zu ersten Begegnungen.

Zum WEF-Auftakt am Montagabend erhalten herausragende K√ľnstlerinnen und K√ľnstler einen sogenannten Crystal Award f√ľr ihre Verdienste zugunsten der Gesellschaft. Die Preistr√§ger sind dieses Jahr Hollywoodstar und Oscar-Gewinnerin Michelle Yeoh („Everything Everywhere All at Once“) aus Malaysia, der US-Musiker Nile Rodgers und der burkinisch-deutsche Architekt Di√©b√©do Francis K√©r√©.

(text:sda/bild:pg)