16 September 2023

18 Mitarbeiter einer Schweizer NGO in Afghanistan inhaftiert

Die afghanischen Talibanbehörden haben 18 Mitarbeiter der Schweizer Nichtregierungsorganisation (NGO) International Assistance Mission (IAM) festgenommen. Dies gab die in Genf ansÀssige Organisation am Samstag bekannt.

Laut IAM wurden die Mitarbeiter aus ihrem BĂŒro in Ghor, Zentralafghanistan, entfĂŒhrt und nach Kabul gebracht. Es handle sich um einen AuslĂ€nder und 17 Afghanen.

Zwei afghanische Staatsangehörige und ein Mitglied des internationalen Teams seien am 3. September im BĂŒro der Organisation festgenommen worden, weitere 15 afghanische Staatsangehörige am 13. September in denselben BĂŒros, so IAM.

„Zum gegenwĂ€rtigen Zeitpunkt haben wir keine Informationen ĂŒber die Art der Anschuldigungen gegen unsere Mitarbeiter und sind daher nicht in der Lage, diese laufende Situation zu kommentieren oder zu spekulieren“, erklĂ€rte die NGO in der Mitteilung. „Sollten jedoch Anschuldigungen gegen unsere Organisation oder ein Mitglied unseres Personals erhoben werden, werden wir alle vorgelegten Beweise unabhĂ€ngig prĂŒfen.“

Abdul Wahid Hamas Ghori, der Sprecher des Gouverneurs der Provinz Ghor, erklÀrte, dass 21 Personen festgenommen worden seien, darunter eine Amerikanerin. Die Sicherheits- und GeheimdienstkrÀfte hÀtten die Gruppe schon seit einiger Zeit beobachtet.

„Es wurden Dokumente und Tonaufnahmen beschafft, die zeigen, dass sie die Menschen dazu aufforderten, sich dem Christentum anzuschliessen“, fĂŒgte er hinzu, ohne weitere Details zu nennen.

Auf ihrer Website beschreibt sich die IAM als auf christlichen Werten basierend, stellt jedoch klar, dass sie keine Hilfe aufgrund politischer oder religiöser Überzeugungen leistet.

Die Organisation ist seit 1966 in Afghanistan tĂ€tig, als sie sich auf Augenheilkunde spezialisierte und spĂ€ter in andere Bereiche des Gesundheitswesens und der Bildung diversifizierte: „Wir schĂ€tzen und respektieren die lokalen BrĂ€uche und Kulturen“, erklĂ€rt sie.

2010 wurden nach Angaben von IAM zehn Mitglieder eines IAM-Camps, darunter mehrere Ärzte, von Unbekannten getötet. Der Vorfall ereignete sich in der afghanischen Provinz Badakhshan.

Die Taliban-FĂŒhrung und eine Gruppe von AufstĂ€ndischen (Hezb-e-Islami) bekannten sich zu den Morden und behaupteten, die humanitĂ€ren Helfer seien „christliche Missionare“ und „NATO-Spione“ gewesen. Die Polizei sprach von einem „RaubĂŒberfall“ durch „Terroristen“ aus der Nachbarprovinz Nuristan.

(text:sda/bild:keystone)