31 August 2021

174 Opfer von Menschenhandel 2020 in der Schweiz identifiziert

Im vergangenen Jahr haben vier spezialisierte Beratungsstellen in der Schweiz 174 neue Opfer von Menschenhandel identifiziert. Insgesamt wurden ĂŒber 500 Personen beraten und begleitet.

“Diese Zahlen sind nur die Spitze des Eisbergs und die Dunkelziffer liegt viel höher”, lĂ€sst sich Anne Ansermet, GeschĂ€ftsfĂŒhrerin der WaadtlĂ€nder Organisation AstrĂ©e, am Dienstag in einer Mitteilung der Schweizer Plattform gegen Menschenhandel zitieren.

Die vier Beratungsstellen der Plattform haben zum ersten Mal eine gemeinsame Statistik erstellt. Es seien die umfassendsten Zahlen, die in der Schweiz zu Personen existieren, die als Opfer von Menschenhandel identifiziert und betreut wurden, heisst es in der Mitteilung.

Die Mehrheit der Opfer sind gemÀss der Statistik mit 86 Prozent Frauen. Rund zwei Drittel der Personen wurden in der Prostitution ausgebeutet. Betroffene von Menschenhandel, deren Arbeitskraft ausgebeutet wurde, und Menschenhandel zwecks krimineller Handlungen bilden das restliche Drittel.

Sie wurden etwa in Privathaushalten, in der Gastronomie, in Nagelstudios, im Baugewerbe, und in der Bettelei ausgebeutet oder gezwungen illegale Handlungen, wie Diebstahl, vorzunehmen, wie die Plattform schreibt.

Die hÀufigsten HerkunftslÀnder der neu identifizierten Opfer waren demnach im letzten Jahr RumÀnien, Nigeria, Kamerun und Ungarn. 40 Prozent der Opfer stammten aus Europa, 40 Prozent aus Afrika und jeweils rund 10 Prozent aus asiatischen und lateinamerikanischen LÀndern.

“Ein Drittel der von uns beratenen Personen wurde im Ausland ausgebeutet”, lĂ€sst sich Doro Winkler, Leiterin Fachwissen und Advocacy der ZĂŒrcher Fachstelle Frauenhandel und Frauenmigration FIZ, in der Mitteilung zitieren. Diese Personen hĂ€tten nach Schweizer Opferhilferecht kein Anrecht auf UnterstĂŒtzung. Das widerspreche der Europaratskonvention zur BekĂ€mpfung von Menschenhandel, welche die Schweiz unterzeichnet habe.

Aus Sicht von Anna Schmid, Koordinatorin der Schweizer Plattform gegen Menschenhandel, braucht es mehr Ressourcen fĂŒr eine Sensibilisierung der Institutionen und der Öffentlichkeit ĂŒber Menschenhandel zwecks Ausbeutung der Arbeitskraft. Denn diese Opfer von Menschenhandel wĂŒrden oftmals nicht als solche identifiziert.

Der Plattform gehören neben Astrée und FIZ auch die Genfer Organisation Centre Social Protestant (CSP) und die Antenna MayDay SOS Ticino an.

(text:sda/bild:unsplash)