2 Mai 2023

Zum ersten Mal seit 15 Jahren: Hollywood-Autor:innen streiken

Die Gewerkschaft der Drehbuchautoren in Hollywood hat nach erfolglosen Verhandlungen ├╝ber bessere Arbeitsbedingungen einen Streik ausgerufen. Der Arbeitskampf habe am Dienstag um 0.01 Uhr begonnen, teilte die Gewerkschaft „Writers Guild of America“ (WGA) am sp├Ąten Montagabend (Ortszeit) mit. Die in New York und Los Angeles ans├Ąssigen Abteilungen der Ost- und Westk├╝ste h├Ątten die Entscheidung nach sechsw├Âchigen Verhandlungen mit US-amerikanischen Streaming-Anbietern wie Netflix und Disney einstimmig getroffen, hiess es. Der Streik k├Ânnte nun viele Film- und Fernsehprojekte in Hollywood lahmlegen.

Zwar habe der Verhandlungsausschuss den Prozess mit der Absicht begonnen, eine faire Vereinbarung zu erzielen, hiess es in einer Mitteilung auf Twitter. Die Antworten der Studios seien jedoch „angesichts der existenziellen Krise, mit der unsere Autoren konfrontiert sind, v├Âllig unzureichend gewesen“.

Zahlreiche Schauspieler und Moderatoren dr├╝ckten am Rande der Met-Gala in New York am Montagabend (Ortszeit) ihre Unterst├╝tzung f├╝r die Autoren aus. „Jeder muss f├╝r seine Arbeit kompensiert werden“, sagte Schauspielerin Amanda Seyfried. „Manchmal m├╝ssen Dinge getan werden, damit man geh├Ârt wird“, sagte Kollegin Penelope Cruz. „Ich unterst├╝tze die Autoren und denke, dass wird uns alle betreffen“, sagte Schauspielerin Olivia Wilde. „Aber wir m├╝ssen f├╝r unsere Rechte einstehen.“ Auch Comedian und Moderator Jimmy Fallon stellte sich hinter die Autoren. „Ich h├Ątte keine Show, wenn die Autoren nicht w├Ąren, und ich unterst├╝tze sie komplett.“

F├╝r US-Zuschauer werde der Streik zun├Ąchst bei den Talk- und Comedy-Shows wie der von Fallon zu sp├╝ren sein, hiess es in der „New York Times“. Late-Night-Shows wie „Saturday Night Life“ w├╝rden wahrscheinlich sofort ausfallen. Andere Formate dagegen w├╝rden mit mehr Vorlauf produziert – um diese zu verz├Âgern, m├╝sste der Streik lange dauern.

Die Autoren-Gewerkschaft verhandelt seit Mitte M├Ąrz mit den Film- und Fernsehproduzenten (Alliance of Motion Picture and Television Producers) ├╝ber einen neuen Vertrag. Die Schreiber fordern unter anderem Gehaltserh├Âhungen, bessere Arbeitsbedingungen und h├Âhere Zusch├╝sse f├╝r die Kranken- und Altersversorgung. In einer Urabstimmung Mitte April hatten die Mitglieder mit einer ├╝berw├Ąltigenden Mehrheit von knapp 98 Prozent f├╝r einen Streik gestimmt, sollten die Verhandlungen bis zum 1. Mai kein Ergebnis bringen.

Die Film- und Fernsehproduzenten h├Ątten ein Angebot vorgelegt, das „grossz├╝gige Verg├╝tungserh├Âhungen der Autoren“ beinhalte, hiess es in einer Mitteilung, die US-Medien vorlag. Die Organisation sei bereit, ihr Angebot zu erh├Âhen, zitierte die „Los Angeles Times“, dem st├╝nden jedoch andere Forderungen der WGA im Wege.

Das Streaming von Filmen und Serien habe die Verg├╝tung der Drehbuchautoren auf den Kopf gestellt, schrieb die „Los Angeles Times“ weiter. Schriftsteller m├╝ssten nun f├╝r weniger Lohn mehr arbeiten und k├Ânnten sich nicht mehr auf regelm├Ąssige Einkommen wie noch in Zeiten des Fernsehens verlassen, als erfolgreiche Shows jahrelang wiederholt wurden.

„Die Unternehmen haben dieses Gesch├Ąft kaputt gemacht“, hiess es in einer Mitteilung auf der Webseite der WGA. Die Gewerkschaft habe gehofft, mithilfe von Gespr├Ąchen „den Beruf, den wir lieben, zu retten“. Nun bleibe keine andere M├Âglichkeit mehr als der Streik.

Dieser k├Ânne wochen- oder sogar monatelang dauern, schrieb die „Los Angeles Times“. Er k├Ânne einen „Grossteil der Fernseh- und Filmproduktion im ganzen Land zum Erliegen bringen“ und sich auch auf benachbarte Branchen auswirken – zum Beispiel auf Caterer, Floristen und Requisiteure. Der Streik falle in eine schwierige Zeit f├╝r die Region Los Angeles, in der viele Unternehmen noch immer versuchten, sich von den Auswirkungen der Corona-Pandemie zu erholen.

Zuletzt hatte der Autorenverband im Jahr 2017 mit einem Streik gedroht. Nach wochenlangen Verhandlungen zwischen beiden Parteien kam es dann im letzten Moment zu einer Einigung ├╝ber einen neuen Vertrag. 2007/2008 waren die Schreiber gar 100 Tage lang in den Ausstand gegangen. Der Streik legte Hollywood nahezu lahm: Die Dreharbeiten zu mehr als 60 TV-Shows wurden eingestellt, Filmprojekte verschoben und Gala-Shows abgesagt. Der finanzielle Verlust f├╝r die Unterhaltungsbranche wurde damals auf Hunderte Millionen Dollar gesch├Ątzt.

(text:sda/bild:unsplash)