27 Juni 2021

Zahl der Toten nach Einsturz von Wohnhaus in Florida steigt auf neun

Nach dem Teileinsturz eines zw√∂lfst√∂ckigen Wohnhauses im US-Bundesstaat Florida sind in den Tr√ľmmern weitere Todesopfer gefunden worden. Die Zahl der Toten sei damit auf neun gestiegen, sagte die B√ľrgermeisterin des Bezirks Miami-Dade, Daniella Levine Cava, am Sonntag an der Ungl√ľcksstelle in Surfside nahe Miami. Vier der Toten seien bislang identifiziert worden. Erst am Samstagabend (Ortszeit) hatte Levine Cava den Fund eines f√ľnften Todesopfers verk√ľndet. Experten f√ľrchten, dass die Zahl noch deutlich steigen d√ľrfte. Mehr als 150 Menschen galten zuletzt als vermisst.

Das strandnahe Geb√§ude mit rund 130 Wohneinheiten war in der Nacht zu Donnerstag teilweise eingest√ľrzt. Die Menschen wurden im Schlaf von dem Ungl√ľck √ľberrascht. Seitdem l√§uft eine verzweifelte Suche nach m√∂glichen √úberlebenden. Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit. Rettungsteams sind rund um die Uhr im Einsatz – mit Sp√ľrhunden, Spezialkameras, Horchinstrumenten und schwerem Ger√§t.

Nach Angaben von Levine Cava von Samstagabend (Ortszeit) galten zuletzt 156 Menschen als vermisst. Die Beh√∂rden hatten aber zuvor bereits betont, dass die Vermissten nicht unbedingt auch alle in dem Geb√§ude gewesen sein m√ľssen. Es handelt sich um eine Liste an Personen, die sich potenziell zum Zeitpunkt des Ungl√ľcks in dem Haus aufgehalten haben k√∂nnten. Viele Familien bangen um ihre Angeh√∂rigen.

Die Polizei hatte am Wochenende die Namen von vier identifizierten Todesopfern veröffentlicht, die bereits am Donnerstag und Freitag gefunden worden waren: eine 54-jährige Frau, ein 54 Jahre alter Mann und ein älteres Ehepaar im Alter von 79 und 83 Jahren.

Levine Cava sagte am Wochenende, die Suchkr√§fte h√§tten auch weitere noch nicht identifizierte „menschliche √úberreste“ gefunden. Konkreter wurde sie nicht. Die Identifizierung sei nicht einfach, betonte sie. Hier w√ľrden DNA-Tests genutzt. Von Angeh√∂rigen seien dazu DNA-Proben eingesammelt worden. Sie betonte, die Einsatzkr√§fte versuchten weiter, √úberlebende zu finden. Man gebe nicht auf.

Der Leiter der Feuerwehr im Bezirk Miami-Dade, Alan Cominsky, sagte, die Suchkr√§fte arbeiteten unerm√ľdlich, 24 Stunden am Tag in rotierenden Teams und mit aller Kraft daran, noch √úberlebende zu bergen. Die Lage sei „extrem schwierig“ und fordernd.

Zwischenzeitlich hatte ein Feuer in den Tr√ľmmern die Suchaktion erheblich behindert. Die Rettungskr√§fte hatten laut Levine Cava zun√§chst Schwierigkeiten gehabt, den Ursprung des Brandes unter den Tr√ľmmern ausfindig zu machen, ihn zu isolieren und zu l√∂schen. Dies habe die Suche nach m√∂glichen Versch√ľtteten sehr erschwert.

Levine Cava sagte am Sonntag jedoch, es sei am Vortag gelungen, das Feuer unter Kontrolle zu bringen. Die Sucharbeiten seien dadurch zuletzt wieder besser vorangekommen. Die Einsatzkr√§fte h√§tten in den Tr√ľmmern eine Art Graben ausgehoben, um die Schuttberge besser durchk√§mmen zu k√∂nnen.

Bei dem Ungl√ľck in Surfside wurden mehrere Menschen verletzt. Mehr als 35 Personen konnten bislang gerettet werden.

Die Ursache des teilweisen Einsturzes ist weiter ein Rätsel. Der als Champlain Towers South bekannte Wohnkomplex stammt aus den 1980er Jahren. Am Wochenende wurde ein von einer externen Firma verfasster Inspektionsbericht aus dem Jahr 2018 öffentlich, in dem Experten mehrere Mängel, darunter auch grössere strukturelle Mängel am Beton des Gebäudes, aufgelistet hatten. Ob diese in irgendeinem Zusammenhang mit dem Einsturz stehen könnten, blieb offen.

Levine Cava betonte, ihr sei der Bericht zuvor nicht bekannt gewesen. Die Beh√∂rden gingen allen Hinweisen nach und der Ursache f√ľr das Ungl√ľck auf den Grund, damit so etwas nie wieder passiere, versprach sie. In der Zwischenzeit werde auch √ľberpr√ľft, ob andere √§hnlich alte Geb√§ude sicher seien.

Der B√ľrgermeister von Surfside, Charles Burkett, sagte, ein nahe gelegenes Geb√§ude, das etwa zur gleichen Zeit vom gleichen Bauunternehmen errichtet worden sei, werde besonders inspiziert. F√ľr Bewohner, die sich bis zum Abschluss der Inspektion nicht sicher in dem Geb√§ude f√ľhlten, werde eine alternative Unterbringung angeboten.

Um zus√§tzliche Mittel und Material nach dem Ungl√ľck freizugeben, hatte Floridas Gouverneur Ron DeSantis den Notstand ausgerufen. Dieser wurde von Pr√§sident Joe Biden bereits am Freitag best√§tigt, um so auch Bundesmittel zur Verf√ľgung stellen zu k√∂nnen. Auch die Katastrophenschutzbeh√∂rde FEMA ist eingeschaltet. Internationale Helfer sind ebenfalls involviert. Israel hat eine Delegation zur Unterst√ľtzung der Sucharbeiten geschickt.

(text:sda/bild:unsplash)