20 Mai 2021

Weltbienentag: Abstimmungskampf fĂŒr und gegen Agrarinitiativen

BefĂŒrworter und Gegner der Agrarinitiativen haben den dritten Weltbienentag vom Donnerstag zum Abstimmungskampf genutzt. Die Bauern bezeichneten sich als BienenschĂŒtzer. Ein Imkerkomitee warb fĂŒr die Initiativen mit dem Argument, die Lage der Bienen sei alarmierend.

Das teilten die Imkerinnen an einer Aktion auf dem Bundesplatz in Bern mit. Pestizide aus der intensiven Landwirtschaft töteten Bienen, WildbestÀuber und andere Insekten. Bereits sei die HÀlfte aller Insekten in der Schweiz bedroht.

Nicht nur die Honigbiene sei bedroht, sondern auch die ĂŒber 600 Wildbienenarten in der Schweiz. 75 Prozent der Biomasse an Insekten sei in den letzten drei Jahrzehnten dezimiert worden. Gerade die Neonicotinoide seien sehr schĂ€dlich, indem sie das Nervensystem nicht nur von Insekten sondern auch von Wirbeltieren inklusive Menschen angriffen. Hinzu kĂ€men Fungizide und Herbizide, die ebenfalls im Trinwasser landeten.

Die Landwirtschaft sei aber auf die BestĂ€ubungsleistung der Insekten angewiesen. Der ökonomische Wert dieser TĂ€tigkeit beziffert sich gemĂ€ss Bundesangaben auf fast eine halbe Milliarde Franken jĂ€hrlich. Deshalb plĂ€diert das Imkerkomitee fĂŒr ein doppeltes Ja zur Trinkwasser- und zur Pestizidverbots-Initiative.

Der Bauernverband als Gegner beider Initiativen wies in einem CommuniquĂ© darauf hin, dass die Trinkwasserinitiative die Leistungen seiner Mitglieder fĂŒr die Bienen und die Artenvielfalt in Frage stelle. Die Bienen und alle BestĂ€ubungsinsekten seien auf eine artenreiche Pflanzenwelt angewiesen.

Diese stellten ihnen die Bauern mit den subventionierten ökologischen AusgleichsflĂ€chen zur VerfĂŒgung. Jeder Betrieb mĂŒsse sieben Prozent seiner FlĂ€che dafĂŒr bereitstellen, um den ökologischen Leistungsnachweis als Voraussetzung fĂŒr Direktzahlungen zu erbringen. Viele Bauern tĂ€ten indessen mehr, so dass der Landesdurchschnitt dieser FlĂ€chen 19 Prozent betrage.

Die Trinkwasserinitiative stelle Bedingungen fĂŒr die Subventionen, welche das in Frage stellten. Zahlreiche Betriebe wĂŒrden durch das Pestizid- und Herbizidverbot und die Futtervorschriften der Initiative aus dem ökologischen Ausgleich gedrĂ€ngt, schreibt der Verband.

Das Bundesamt fĂŒr Umwelt (Bafu) schrieb zum Weltbienentag, dass neben der Honigbiene weltweit 16’000 Bienenarten beschrieben wurden, 615 davon in der Schweiz. Die meisten von ihnen leben als EinzelbrĂŒter.

Über ein Drittel der Wildbienenarten in der Schweiz sind eng an bestimmte Pflanzen gebunden, wie das Bafu mitteilte. Sie sammeln Pollen nur von einer einzigen Pflanzenart. Die fortschreitende Zersiedelung und die intensive Landwirtschaft machen ihnen das Leben schwer. Sie finden zu wenig NistplĂ€tze und Nahrung.

Durch den Insektizideinsatz und die VerĂ€nderung des Lebensraums ging der Bestand seit 1960 stark zurĂŒck. Bereits 1994 zeigte die Rote Liste, dass 45 Prozent der Schweizer Bienenarten gefĂ€hrdet sind. Seither verschlechterte sich die Lage weiter.

(text:sda/bild:unsplash)