14 Februar 2022

Verschmutzung von Fl├╝ssen durch Pharmazeutika: ein globales Problem

Ein internationales Team mit Schweizer Beteiligung hat die Verschmutzung durch Pharmazeutika entlang von 258 Fl├╝ssen weltweit untersucht. An mehr als einem Viertel der Standorte sind die Konzentrationen demnach potentiell toxisch f├╝r Mensch und Umwelt.

Zahlreiche Studien haben bereits untersucht, wie stark Fl├╝sse mit pharmazeutischen Wirkstoffen belastet sind. Dabei seien aber unterschiedliche Analysemethoden angewendet, unterschiedliche Substanzen erfasst und viele L├Ąnder nicht ber├╝cksichtigt worden, berichten die Forschende um John Wilkinson von der britischen Universit├Ąt York im Fachmagazin „PNAS“. So habe man das Ausmass des Problems aus einer globalen Perspektive bislang nur schwierig quantifizieren k├Ânnen.

Deshalb f├╝hrte das 127-k├Âpfige Team mit Beteiligung der Hochschule f├╝r Life Sciences der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) und der Universit├Ąt Genf nun eine systematische Untersuchung durch: Die Forschenden entnahmen Proben entlang von 258 Fl├╝ssen auf allen Kontinenten an ├╝ber 1000 Orten, darunter an zehn Standorten entlang der Birs in der Nordwestschweiz.

Die Untersuchung legte offen, dass die Konzentrationen von mindestens einem der 61 untersuchten Wirkstoffe an 26 Prozent der Probeentnahmestellen so hoch liegen, dass sie ein akutes Risiko f├╝r Wasserorganismen darstellen oder im Zusammenhang mit antibiotikaresistenten Bakterien besorgniserregend sind.

Die am st├Ąrksten verschmutzen Standorte befinden sich in L├Ąndern mit niedrigem bis mittlerem Einkommen. Dies in den Gebieten, wo die Abwasser- und Abfallentsorgungsinfrastruktur schlecht ist, wo pharmazeutische Produkte hergestellt werden und wo sehr trockenes Klima herrscht. Besonders betroffen sind demnach Gebiete in Afrika s├╝dlich der Sahara, in S├╝dasien und Teilen S├╝damerikas.

Die am wenigsten verschmutzten Fl├╝sse hingegen liegen gem├Ąss der Studie unter anderem an Orten, wo es kaum menschliche Einfl├╝sse gibt oder wo die Fl├╝sse so viel Wasser f├╝hren, dass die Wirkstoffe stark genug verd├╝nnt werden. Auch dort, wo eine gute Infrastruktur f├╝r die Abwasserbehandlung vorhanden ist, liegen die Konzentrationen der Wirkstoffe tief. Dies war etwa der Fall f├╝r die Birs, die generell zu den st├Ąrker belasteten Fl├╝ssen der Schweiz z├Ąhlt.

In dem Fluss, der in Birsfelden in den Rhein m├╝ndet, wiesen die Forschenden unter anderem Antidepressiva, Betablocker, Schmerzmittel und Antibiotika nach.

Doch obwohl die Konzentrationen nicht akut toxisch gewesen seien, sei eine chronische Belastung durch die Einzelstoffe beziehungsweise die kumulierte Wirkung verschiedener Pharmazeutika nicht auszuschliessen, sagte Mitautor Armin Zenker im Gespr├Ąch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Er ist Umweltchemiker und ├ľkotoxikologe an der Hochschule f├╝r Life Sciences in Muttenz, Baselland.

Um die Gew├Ąsserqualit├Ąt zu verbessern, sei es wichtig, die Kl├Ąranlagen aufzur├╝sten und die Eintr├Ąge an der Quelle zu reduzieren, beispielsweise bei der Gabe von Antibiotika f├╝r Nutztiere.

Gem├Ąss den Forschenden zeigt die Untersuchung, dass die Verschmutzung durch pharmazeutische Wirkstoffe eines der Uno-Ziele f├╝r eine nachhaltige Entwicklung (SDG) gef├Ąhrden d├╝rfte: Bis 2030 sollen demnach n├Ąmlich alle Menschen Zugang zu sauberem Wasser haben, soll sich die Wasserqualit├Ąt weltweit verbessern, und wasserverbundene ├ľkosysteme wie Berge, W├Ąlder und Seen sollen gesch├╝tzt werden.

Um einen umfassenderen Blick auf den Zustand der Gew├Ąsser weltweit zu gewinnen, w├Ąre es Zenker zufolge w├╝nschenswert, mehr Substanzen zu untersuchen. „Wichtig w├Ąre beispielsweise auch, die Belastung durch Mikroplastik, Schwermetalle oder Pestizide umfassender und koordinierter zu erfassen“, sagte er. Denn so k├Ânnte man die Ressourcen gezielt dort einsetzen, wo das Problem am gr├Âssten und der Handlungsbedarf am dringendsten sei.

(text:sda/bild:unsplash-symbolbild)