29 Juni 2021

Verletzte nach Orkanböen, Hagel und Starkregen in der Schweiz

In weiten Teilen der Schweiz sind am Montagabend erneut heftige Gewitter mit Orkanböen, Hagel und Starkregen hinweg gefegt. Stark betroffen waren die Westschweiz sowie die Kantone Bern und Solothurn. Es gab mehrere Verletzte.

Die Gewitter waren am spĂ€ten Montagnachmittag aus Westen aufgezogen. Am Jura SĂŒdfuss wehten laut Wetterdiensten Böen von 101 km/h, so in Cressier NE. Auf dem Chasseral erreichte eine Orkanböe 122 km/h, wie Meteonews am Montagabend twitterte.

Mancherorts erreichten die Körner die Grösse von GolfbĂ€llen, so in La-Chaux-de-Fonds oder Epsach BE. In Nottwil LU hatten die Hagelkörner einen Durchmesser von sieben Zentimetern, wie SRF Meteo schrieb. Am Abend zog die Gewitterfront auch ĂŒber die Zentralschweiz und ZĂŒrich, bis sie schliesslich die Ostschweiz erreichte.

In St. Gallen musste die Feuerwehr rund 20 Mal ausrĂŒcken. Betroffen war vor allem die Region rund um Wil, wie die Kantonspolizei St. Gallen auf Anfrage mitteilte. Die RettungskrĂ€fte mussten Keller auspumpen, die wegen des starken Regens ĂŒberschwemmt worden waren.

Die Autobahn A1 zwischen Wil und MĂŒnchenwilen musste zeitweise gesperrt werden, da sie unter Wasser stand. Insgesamt rund 90 EinsĂ€tze der Feuerwehr verzeichnete der Kanton Thurgau. Die Unwetter fĂŒhrten an diversen Orten im Kanton zu ĂŒberschwemmten Kellern.

Starkregen begleitete auch andernorts die aussergewöhnlichen Gewitter, wie SRF Meteo schrieb. In Opfikon ZH wurden in einer Stunde 36,8 mm Niederschlag gemessen, in Lohn SH waren es 45,6 mm, wie der Wetterdienst twitterte. Davon fielen jeweils rund 20 mm in nur zehn Minuten.

HagelzĂŒge richteten namentlich im Berner Seeland sowie zwischen Bern und Thun erhebliche SchĂ€den an Pflanzen und BĂ€umen an, wie Bildern auf diversen Nachrichtenportalen zeigen und Augenzeugen berichteten. Die Schadenbilanz wegen Unwettern dĂŒrfte damit weiter gestiegen sein.

Bis letzten Freitag schĂ€tzten Versicherungsgesellschaften die Schadensumme auf mindestens 260 Millionen Franken. Es gab zehntausenden SchadenfĂ€lle, allen voran wegen Hagelbeulen an Fahrzeugen und GebĂ€udeschĂ€den wegen ĂŒberfluteter Keller.

In der Westschweiz wurde der Kanton Freiburg stark in Mitleidenschaft gezogen. Rund 300 Meldungen gingen bei der Einsatzzentrale ein. Arg in BedrĂ€ngnis kam laut Kantonspolizei Freiburg eine 16-köpfige Schulklasse mit ihren zwei erwachsenen Begleitpersonen, die in Bulle von einem Hagelzug ĂŒberrascht wurde.

Sechs Kinder und eine erwachsene Begleitperson wurden vom Rettungsdienst betreut und zur Untersuchung in ein Spital gebracht. Laut einem Leservideo auf Blick.ch durchschlug in Bulle der Hagel das Dach einer Coop-Filiale. Die Polizei warnte vor beschÀdigten Dachziegeln, die von GebÀuden fallen könnten.

In Cham ZG wurde eine Velofahrerin durch Hagelkörner am Kopf verletzt. Die 29-jÀhrige Frau musste mit dem Rettungsdienst Zug ins Spital eingeliefert werden. In Baar ZG wurde eine Autofahrerin durch Glassplitter leicht verletzt, als der Hagelschauer ihre Frontscheibe beschÀdigte. Insgesamt gingen bei der Kantonspolizei Zug rund 100 Meldungen ein.

In Wolhusen LU wurde eine Person durch herumfliegende GebÀudeteile und zwei weitere durch Hagelkörner verletzt, wie die Luzerner Polizei am Montagabend mitteilte. Insgesamt gingen 450 Meldungen bei der Einsatzzentrale ein.

Die Berner Kantonspolizei erhielt ĂŒber 300 Schadenmeldungen. In Meikirch sei es zu einem schweren Unfall mit einem Auto gekommen. Details dazu will die Polizei am Dienstagmorgen bekanntgeben. Wie Alertswiss zu entnehmen war, waren die Gemeinden MĂŒhlethurnen und Lohnstorf im Kanton Bern am Abend wegen eines Wasserleitungsbruches von der Wasserversorgung abgeschnitten.

Bei Schutz&Rettung ZĂŒrich gingen fast 400 Notrufe ein. Sie betrafen vor allem umgestĂŒrzte BaugerĂŒste, entwurzelte BĂ€ume, herabgefallene Äste und Wasser in GebĂ€uden. In Solothurn stĂŒrzte wegen des Unwetters das GerĂŒst beim Rathaus in der Altstadt ein.

Wie der Bahninformation der SBB zu entnehmen war, kam es am Nachmittag auf den Linien Bern-Belp-Thun, Burgdorf-Solothurn, Bern-Schwarzenburg und Bern-Kerzers FR zu Störungen. Letztere konnte am spÀten Montagabend behoben werden.

Die Autobahn A6 zwischen MĂŒnchenbuchsee und SchĂŒpfen im Kanton Bern war laut der Verkehrsinformation wĂ€hrend mehrerer Stunden beeintrĂ€chtigt, wegen der ĂŒberfluteten Fahrbahn kam es auch dort zu Staus. Wegen Hochwassers bleibt der Schiffsbetrieb zwischen Solothurn und Biel bis 2. Juli eingeschrĂ€nkt, wie die SBB mitteilt.

Bis am frĂŒhen Dienstagmorgen beruhigte sich die Lage etwas. Nach einer kurzen Verschnaufpause dĂŒrften tagsĂŒber aber bereits neue heftige Gewitter aufziehen und erneut Sturmböen, Starkregen und Hagel bringen, wie SRF Meteo auf Twitter schreibt.

WĂ€hrend sich die Lage im Norden beruhigte, zogen in der Nacht auch in Teilen des Kantons Tessin Gewitter auf. In Bosco/Gurin und Airolo fielen seit dem spĂ€ten Abend rund 50 mm Regen, teilweise sogar mehr, wie MeteoNews am frĂŒhen Dienstagmorgen auf Twitter mitteilte.

(text:sda/bild:sda)