12 Januar 2022

US-Inflation steigt auf höchsten Stand seit 1982

Der Preisauftrieb in den USA hat sich im Dezember von hohem Niveau aus weiter beschleunigt. Die Verbraucherpreise stiegen gegenĂŒber dem Vorjahresmonat um 7,0 Prozent, wie das US-Arbeitsministerium am Mittwoch in Washington mitteilte. Das ist die höchste Inflationsrate seit dem Jahr 1982. Analysten hatten diese Entwicklung erwartet. US-PrĂ€sident Joe Biden rĂ€umte ein, die Preissteigerungen seien zu hoch und belasteten das Budget von Familien im Land.

Im Vergleich zum Vormonat stiegen die Verbraucherpreise um 0,5 Prozent. Hier war ein Anstieg um 0,4 Prozent prognostiziert worden. Die Rate liegt damit noch deutlicher ĂŒber dem Inflationsziel der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) von zwei Prozent.

Biden sagte, an einigen Stellen gebe es Fortschritte, etwa bei den Preisen fĂŒr Lebensmittel. Gleichzeitig zeigten die Daten, dass noch einige Arbeit bevorstehe. „Inflation ist ein globales Problem“, betonte der US-PrĂ€sident. Praktisch jedes Industrieland, das sich von den pandemiebedingten Wirtschaftsfolgen erhole, habe damit zu tun. Die Vereinigten Staaten hĂ€tten eine der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften, was dabei helfe, mit dieser Entwicklung umzugehen.

Wegen des raschen und nachhaltigen Anstiegs der Inflation hat die US-Notenbank Fed bereits die Kehrtwende in ihrer Geldpolitik eingeleitet – weg von den konjunkturstĂŒtzenden Massnahmen der Corona-Krise und hin zu einem Abbau der Hilfen. Die milliardenschweren AnleihekĂ€ufe der Notenbank etwa, die die MĂ€rkte mit zusĂ€tzlicher LiquiditĂ€t versorgen, werden bis MĂ€rz eingestellt. Nach Ansicht vieler Analysten könnte die Zentralbank angesichts der robusten Entwicklung des Arbeitsmarktes und des hohen Wachstums dann bereits bei ihrer Sitzung im MĂ€rz erstmals seit der Pandemie wieder den Leitzins erhöhen. Derzeit befindet er sich noch in der extrem niedrigen Spanne von 0,0 bis 0,25 Prozent.

Der jĂŒngsten Prognose der Notenbank vom Dezember zufolge könnte es 2022 bis zu drei Zinsschritte geben. Mit einer Erhöhung des Leitzinses kann die Fed die Inflation bremsen, gleichzeitig wird aber auch die Konjunktur unter der strafferen Geldpolitik leiden. „Wenn sich dieses hohe Inflationsniveau in der Wirtschaft und in den Köpfen der Menschen festsetzt, dann wird das unausweichlich zu einer viel strafferen Geldpolitik von uns fĂŒhren, was zu einer Rezession fĂŒhren könnte“, warnte Notenbankchef Jerome Powell am Dienstag im US-Senat. „Das wĂ€re schlecht fĂŒr Arbeitnehmer“, fĂŒgte er hinzu. Die Fed ist den Zielen der PreisstabilitĂ€t und VollbeschĂ€ftigung verpflichtet.

Die hohe Inflationsrate zehn Monate vor den Kongresswahlen ist ein Problem fĂŒr Biden und dessen Demokraten. Es gilt eine einfache Faustregel: Je höher die Preise, umso unzufriedener sind die WĂ€hler und umso mehr sinken die Umfragewerte des PrĂ€sidenten. Die Regierung bemĂŒht sich mit verschiedenen Initiativen, den Anstieg der Teuerungsrate zu bremsen – sie sind aber im Umfang begrenzt. Die schlagkrĂ€ftige Munition zur BekĂ€mpfung der Inflation findet sich in Washington bei der Fed.

(text:sda/bild:unsplash)