26 Juli 2022

Mindestens 471 Opfer von Bandengewalt in Haiti

Bei Bandengewalt in Haitis Hauptstadt Port-au-Prince sind nach UN-Angaben innerhalb von zehn Tagen mindestens 471 Menschen get√∂tet, verletzt worden oder verschollen. Die Vereinten Nationen bezogen sich in ihrer Mitteilung vom Montag (Ortszeit) auf den Zeitraum vom 8. bis zum 17. Juli. Es gebe zudem Berichte √ľber schwere F√§lle sexueller Gewalt gegen Frauen und Kinder – letztere w√ľrden auch von den Banden rekrutiert. Rund 3000 Menschen mussten den Angaben zufolge ihre Zuhause verlassen, darunter Hunderte unbegleitete Minderj√§hrige. Mindestens 140 H√§user seien zerst√∂rt oder niedergebrannt worden.

Gewalt durch Banden im Kampf um Territorium im Grossraum von Port-au-Prince hat seit mehr als einem Jahr die ohnehin schwierige Sicherheitslage in dem √§rmsten Land des amerikanischen Kontinents bedeutend verschlechtert. Allein zwischen dem 24. April und dem 6. Mai kosteten Bandenk√§mpfe nach einem Bericht der haitianischen Menschenrechtsorganisation RNDDH 191 Menschen das Leben, darunter acht Kinder. Es kam auch zu Versorgungsengp√§ssen. Das √∂rtliche UN-B√ľro twitterte am 13. Juli, insgesamt k√∂nnten sich in der Stadt 1,5 Millionen Menschen wegen Bandengewalt nicht mehr frei bewegen und h√§tten keinen Zugang zur Grundversorgung.

Die UN-Agenturen h√§tten nun begonnen, die betroffene Bev√∂lkerung – vor allem in Cit√© Soleil, einer grossen, dicht besiedelten Armensiedlung am Rande von Port-au-Prince – mit Wasser, Lebensmitteln und anderen Hilfsmitteln zu versorgen, hiess es am Montag (Ortszeit) von den Vereinten Nationen. Es m√ľsse jedoch mittel- und langfristig ein nachhaltigerer, ganzheitlicher Ansatz gefunden werden, sagte die Koordinatorin f√ľr humanit√§re Hilfe, Ulrika Richardson, der Mitteilung zufolge. Der Hilfsbedarf sei immens und nehme zu. Sie rief alle Beteiligten auf, die Gewalt zu beenden und einen offenen humanit√§ren Korridor zu gew√§hrleisten.

(text:sda/bild:unsplash)