12 Juli 2022

Ukraine kritisiert Kanada scharf wegen Turbinen-Ausfuhr

Die Ukraine hat scharfen Protest dagegen eingelegt, dass Kanada auf DrĂ€ngen der deutschen Regierung die Ausfuhr einer reparierten Turbine fĂŒr die aus Russland kommende Gaspipeline Nord Stream 1 genehmigt hat.

Angesichts dieser inakzeptablen Ausnahme beim Sanktionsregime gegen Russland sei der kanadische Botschafter einbestellt worden, erklÀrte der ukrainische PrÀsident Wolodymyr Selenskyj am Montagabend im Onlinedienst Telegram.

Dieser Vorgang werde in Moskau als Zeichen der SchwĂ€che gewertet, sagte der ukrainische PrĂ€sident. Es bestehe kein Zweifel, dass Russland nicht nur die Gaslieferungen so weit wie möglich herunterfahren wolle. TatsĂ€chlich wolle Russland den Gashahn fĂŒr Europa vollstĂ€ndig zudrehen – und dies im schmerzlichsten Moment.

Russland hatte die Gaslieferungen bereits Mitte Juni angeblich wegen einer defekten Turbine stark gedrosselt. Kanada gab am Wochenende die Ausfuhr der inzwischen reparierten Turbine frei. Die Turbine soll nun rasch ĂŒber Deutschland nach Russland geliefert werden. Der Siemens-Konzern kĂŒndigte an, die Turbine zu installieren.

Eine Regierungssprecherin sagte in Berlin, der von russischer Seite genannte Grund fĂŒr die gedrosselten Gasmengen werde mit der Lieferung der Turbine beseitigt. Protest der Ukraine gegen die Lieferung der Turbine habe die Bundesregierung zur Kenntnis genommen. Allerdings wĂŒrden die Sanktionen der EuropĂ€ischen Union gegen Russland den Gastransit nicht betreffen, sagte die Sprecherin.

Am Montag hatten ausserdem die Wartungsarbeiten an der Pipeline Nord Stream 1 begonnen, so dass nun erst einmal ohnehin kein Gas mehr fliesst. Die Wartungsarbeiten waren von russischer Seite angekĂŒndigt worden. Die Bundesregierung rechnet damit, dass diese rund zehn Tage dauern werden. Ob danach wieder Gas durch die Pipeline strömen wird, ist offen.

(text:sda/bild:unsplash)